Schweigemarsch in Mannichls Wohnort:
«So etwas darf nie mehr passieren»
22.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Es ist nicht immer eine Schönwetter-Demokratie», kommentierte Rainer Roth den Dauerregen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth hielt er ein an einem Stab befestigtes Plakat in die Höhe: «Freiheit und Sicherheit gibt es nicht ohne Zivilcourage».
Die Ex-Musiklehrerin hatte die Kinder von Mannichl früher unterrichtet und ist wie viele andere Fürstenzeller von der Neonazi-Gewalt schockiert. «So etwas darf nie mehr passieren», sagte Elisabeth Roth.
Drüg war die Demonstration gegen die Neonazis so wichtig, dass sie selbst vorher dafür geworben hat. «Ich habe versucht, die Nachbarn zu überreden mitzukommen, aber es ist mir nicht gelungen», sagte die aus Rumänien stammende Dolmetscherin etwas enttäuscht.
Zu der Lichter-Demo hatten von der Gemeindeverwaltung über die Kirchen bis zur Feuerwehr fast alle wichtigen Institutionen in Fürstenzell aufgerufen. Der 52 Jahre alte Polizeichef lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in der Marktgemeinde rund zehn Kilometer südwestlich von Passau. Bei der Kommunalwahl im Frühjahr wurde er auch in den Gemeinderat gewählt.
Im nahen Passau hatten bereits eine Woche zuvor rund 300 Studenten gegen Rechtsextremismus und für den schwer verletzten Polizeichef demonstriert. In Fürstenzell wollte Bürgermeister Franz Lehner zunächst erst einmal abwarten, was die Ermittlungen der 50 Beamte umfassenden Sonderkommission ergeben.
Nachdem es mittlerweile kaum einen Zweifel mehr gibt, dass die Tat auf das Konto von Neonazis geht, organisierte er den abendlichen Protest. Die Resonanz sei hervorragend gewesen, meinte der parteilose Rathauschef Lehner. «Es gab Zustimmung von allen Seiten.»
Dass Fürstenzell vor rechten Schlägern nicht zurückweichen will, zeigte sich auch darin, dass die Demonstration nur wenige hundert Meter entfernt von einem örtlichen Treffpunkt der Extremisten stattfand. In einem normalerweise geschlossenen ehemaligen Café in Fürstenzell treffen sich seit einiger Zeit alle paar Wochen Neonazis aus der Region. Bürgermeister Lehner betont, dass die etwa 15 Neonazis, die dort regelmäßig zusammenkommen, aus anderen Orten anreisen. «Die haben hier nur ein Quartier.» (Ulf Vogler, dpa)

