BND-Untersuchungsausschuss:
Brisante Daten, laxe Kontrolle
Die Weisung wurde zwar nicht schriftlich fixiert, es sei im BND aber Konsens gewesen, dass nur Meldungen der Irak-Agenten an die USA weitergeleitet werden dürften, die nicht kriegsrelevant seien. Während des Einsatzes der beiden BND-Mitarbeiter in Bagdad im Frühjahr 2003 gelangten so etwa Meldungen über Stellungen der irakischen republikanischen Garden, über das Ausweichquartier des irakischen Nachrichtendienstes in Bagdad und über den Standort eines Offiziersklubs der irakischen Luftwaffe an das US-Hauptquartier am Persischen Golf. Dass die Meldung durch deutsche Geheimdienstagenten ursächlich für die Bombardierung einiger dieser Orte gewesen sei, zog Hanning in Zweifel. Vieles sei «militärisch verwertbar», sagte er. Die Frage sei, ob es auch «operativ-taktisch interessant» sei. Nach Einschätzung des früheren BND-Chefs verfügten die Amerikaner damals über genügend eigene Aufklärungsmöglichkeiten, und waren nicht auf den BND angewiesen.
Alle Parteien außer der SPD sahen es gestern als erwiesen an, dass kriegsrelevante Daten an die Amerikaner geliefert wurden, obwohl die rot-grüne Bundesregierung damals beteuert hatte, Deutschland werde sich nicht am Irak-Krieg beteiligen. Die CDU-Politikerin Kristina Köhler sagte, es müsse geprüft werden, inwieweit Steinmeier von der Weitergabe der Daten gewusst habe. Norman Paech (Linke) sagte, der Kanzleramtschef sei von Anfang an in den Prozess der Informationsbeschaffung eingebaut gewesen. Max Stadler (FDP) erklärte, die Kriterien für die Informationsweitergabe seien unzureichend gewesen. Das sei auch ein Aufsichtsverschulden der damaligen Regierung. Steinmeier, heute Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat, soll übernächste Woche befragt werden.

