Studie:
Deutsche fühlen sich einander fremd
05.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Gefühl, gegenüber den Westdeutschen benachteiligt zu sein, ist in den neuen Ländern weit verbreitet: 73 Prozent der Ostdeutschen haben diesen Eindruck, während nur knapp ein Viertel der Westdeutschen sich gegenüber den Ostdeutschen zurückgesetzt fühlen. Zwei von drei Ostdeutschen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse, im Westen gilt dies mit 13 Prozent nur für eine Minderheit.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) nannte die Ergebnisse ernüchternd. Die Selbsteinschätzung der Ostdeutschen sei nicht unrealistisch. «Aber dieses Selbstbild hat Lähmendes», warnte er. Für den Autor der Studie, den Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer, gibt es sozialstrukturelle Gründe für die Gefühle der Benachteiligung. «Negative Zukunftserwartungen, eine schlechte wirtschaftliche Lage und Ängste vor Arbeitslosigkeit sind die Hintergründe für die gravierenden Befunde in Ostdeutschland», sagte er. Er betonte, dass die Umfrage unter den fast 1800 Befragten vor der Finanzkrise erfolgte. Er erwarte als Folge eine stärkere soziale Spaltung.
Die Forderung, Ausländer in ihre Heimat zurückzuschicken, wenn es an Jobs mangelt, fand 2008 noch bei 22 Prozent Anklang. 2005 wurde die Forderung von 36 Prozent der Befragten unterstützt. Damit kommt die Studie, die es seit 2002 jährlich gibt, zu ähnlichen Ergebnissen wie eine neue Studie der Uni Leipzig.
Gesunken sind auch antisemitische und rassistische Einstellungen. Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass der Rechtsextremismus überschätzt werde. Über ein Drittel der Befragten stimmte zudem der Aussage zu, über Rechtsextremismus werde «viel zu viel» geredet. Deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen konnten die Forscher bei dieser Aussage nicht feststellen.

