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netzeitung.deDeutsche fühlen sich einander fremd

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Fühlen sich nicht akzeptiert: Ostdeutsche (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Fühlen sich nicht akzeptiert: Ostdeutsche
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ihnen geht es um Verständnis und um Anerkenntnis ihrer Leistung: Laut einer Studie sehen sich Ostdeutsche immer noch benachteiligt, berichtet Sigrid Averesch . Die Politik reagiert ernüchtert.

Auch 19 Jahre nach dem Fall der Mauer besteht zwischen Ost- und Westdeutschen eine Kluft: Die gegenseitige Anerkennung ist nicht stark ausgeprägt; Ost- und Westdeutsche sind sich weiter fremd. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung über «Deutsche Zustände», die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Danach fühlen sich im Jahr 2008 über zwei Drittel der Ostdeutschen (75,2 Prozent) noch immer in ihren Leistungen zu wenig gewürdigt. Gut 72 Prozent sind der Auffassung, die Westdeutschen bemühten sich zu wenig um Verständnis für ihre Situation. Bei den Westdeutschen liegen diese Werte niedriger. Aber auch unter ihnen fühlt sich die Mehrheit (knapp 53,9 Prozent) in ihren Leistungen nicht ausreichend gewürdigt. 44,1 Prozent beklagen das mangelnde Verständnis der Ostdeutschen für die Lage der Westdeutschen.

Das Gefühl, gegenüber den Westdeutschen benachteiligt zu sein, ist in den neuen Ländern weit verbreitet: 73 Prozent der Ostdeutschen haben diesen Eindruck, während nur knapp ein Viertel der Westdeutschen sich gegenüber den Ostdeutschen zurückgesetzt fühlen. Zwei von drei Ostdeutschen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse, im Westen gilt dies mit 13 Prozent nur für eine Minderheit.

Lähmendes Selbstbild
Auch die gefühlte Spaltung existiert im Jahre 19 nach dem Mauerfall. So geben über zwei Drittel der Ostdeutschen (67,4 Prozent) an, Ost- und Westdeutsche seien immer noch grundverschieden. Im Westen denkt mit 55,3 Prozent die Mehrheit genauso. Dass Ost- und Westdeutschland zusammengewachsen sind, glaubt mit 41,3 Prozent eine Minderheit der Ostdeutschen, in Westdeutschland mit fast 60 Prozent dagegen die Mehrheit.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) nannte die Ergebnisse ernüchternd. Die Selbsteinschätzung der Ostdeutschen sei nicht unrealistisch. «Aber dieses Selbstbild hat Lähmendes», warnte er. Für den Autor der Studie, den Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer, gibt es sozialstrukturelle Gründe für die Gefühle der Benachteiligung. «Negative Zukunftserwartungen, eine schlechte wirtschaftliche Lage und Ängste vor Arbeitslosigkeit sind die Hintergründe für die gravierenden Befunde in Ostdeutschland», sagte er. Er betonte, dass die Umfrage unter den fast 1800 Befragten vor der Finanzkrise erfolgte. Er erwarte als Folge eine stärkere soziale Spaltung.

Antisemitismus und Rassismus gesunken
Für die Jahre seit 2006, die von wirtschaftlichem Aufschwung gekennzeichnet waren, ergab die Studie, dass fremdenfeindliche Einstellungen in Deutschland gesunken sind. 2008 stimmten 52 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass zu viele Ausländer in Deutschland lebten. 2005 waren es 59,1 Prozent.

Die Forderung, Ausländer in ihre Heimat zurückzuschicken, wenn es an Jobs mangelt, fand 2008 noch bei 22 Prozent Anklang. 2005 wurde die Forderung von 36 Prozent der Befragten unterstützt. Damit kommt die Studie, die es seit 2002 jährlich gibt, zu ähnlichen Ergebnissen wie eine neue Studie der Uni Leipzig.

Gesunken sind auch antisemitische und rassistische Einstellungen. Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass der Rechtsextremismus überschätzt werde. Über ein Drittel der Befragten stimmte zudem der Aussage zu, über Rechtsextremismus werde «viel zu viel» geredet. Deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen konnten die Forscher bei dieser Aussage nicht feststellen.

Übernommen mit Genehmigung der Berliner Zeitung>>>