Strenge Regeln für Ex-RAF-Terroristen:
Klar soll keine politische Plattform erhalten
03. Dez 2008 20:41
 |  'Der soll sich hier anpassen' - Klar kann nicht viel Sympathie am BE erwarten | Foto: dpa |
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Eigentlich ist es ein normales Praktikum an einem Berliner Theater. Doch weil der Praktikant ein umstrittener Ex-Häftling ist, hat der Betriebsrat Bedingungen gestellt. Vor allem soll Klar «die Fresse halten».
Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar wird bei seinem geplanten Praktikum an dem Theater Berliner Ensemble (BE) weder auf der Bühne stehen noch Kontakt zu den Zuschauern haben.
Klar dürfe sich auch nicht fotografieren oder interviewen lassen, kündigte der Betriebsratsvorsitzende des Theaters, Dirk Meinelt, in einem Gespräch mit dem Berliner Stadtmagazin «Zitty» an. Es gehe auch nicht darum, das Klar am BE «eine politische Plattform erhält», sondern «einen Job in der Bühnentechnik». Man habe ihm deutlich gesagt, «er soll die Fresse halten».
Viele Treffen mit Klar
Klar, der Anfang Januar nach 26 Jahren aus der Haft entlassen werden soll, werde in der Bühnentechnik 40 Stunden pro Woche im Schichtdienst arbeiten. «Er hat natürlich keine Ausbildung, er hat gar nichts und kommt hier als Einsteiger ans Haus. Der hat sich hier auch anzupassen, fertig.» Die Arbeit in der Technik des von Claus Peymann geleiteten Theaters sei «richtiges Milieu», das sei «schon ein bisschen derb und ein sehr raues Klima». Der Betriebsrat betonte, man habe sich die Entscheidung in Sachen Klar nicht leicht gemacht. Es habe viele Diskussionen und mehrere Treffen und Gespräche mit Klar seit November 2004 gegeben.
Klar will keine Interviews geben
Der Anwalt von Klar teilte unterdessen mit, dass sein Mandant nicht in Talkshows auftreten werde. «Die Vorstellung, Herr Klar würde in Talkshows gehen, ist absurd», sagte Rechtsanwalt Hans-Jürgen Schneider am Mittwoch. Auch Interviewanfragen von Zeitungen und Zeitschriften werde Klar ablehnen, sagte Schneider. Die Unionsfraktion im Bundestag hatte zuvor gefordert, Klar nach seiner Freilassung «keine öffentliche Bühne» zu geben. «Einem rechtskräftig verurteilten Verbrecher nach dessen Freilassung ein Forum in Talkshows bei ARD, ZDF oder den Privaten zu bieten, wäre für Opfer und ihre Familien unerträglich», meinten die kultur- und medienpolitischen Sprecher ihrer Fraktion, Wolfgang Börnsen und Günter Krings, in einer Presseerklärung. «Wir appellieren daher an die Medienvertreter, die Opfer zu respektieren und auf Einladungen an Klar zu verzichten.»
Es dürfe nicht vergessen werden: Klar, der an den Attentaten auf Hanns Martin Schleyer, Siegfried Buback und Jürgen Ponto beteiligt war, schweige über seine Taten und zeige keine Reue. «Nicht das Leben der Täter, sondern die immer noch nicht gänzlich aufgeklärten Taten sollten im Mittelpunkt des Interesses stehen.»Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte entschieden, den in den 80er Jahren wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten Klar Anfang Januar auf Bewährung freizulassen. Zuletzt hatte es Spekulationen über eine frühere Haftentlassung gegeben. Klars Anwalt erklärte, er gehe vom offiziellen Entlassungstermin am 3. Januar 2009 aus. (nz/dpa/AP)