Rabatte und Konsumgutscheine:
Merkels Kampf an der Rabatt-Front
Die Bürger haben nach der Zustellung des Gutscheins acht Wochen Zeit, ihn einzulösen. Danach verfällt er.
Wirksam würde der Gutschein nur, wenn er mit einem Eigenanteil von 200 Euro aufgestockt wird. Für Sozialhilfe- und ALG-II-Empfänger würde diese Zuzahlung entfallen.
Auch Kinder und Jugendliche müssten nichts drauflegen, erhielten dafür aber lediglich 250 Euro.
Die Firmen, die die Gutscheine entgegennehmen, können diese mit der Steuer verrechnen.
In den USA erhielten zu Beginn des Jahres die Bürger einen Scheck in Form von Steuerrückzahlungen jeder bekam bis zu 300 Dollar. Da hier kaum jemand Geld spart, gingen sie damit direkt einkaufen und verhinderten kurzfristig einen schnelleren Abschwung. Im sparsamen Deutschland gilt es zu verhindern, dass der Zuschuss auf dem Konto endet, statt konjunkturfördernd die Ladenkassen zu füllen.
Eine Variante des Gutschein-Konzepts sind staatliche Rabattmarken, wie sie der «Rheinische Post» zufolge SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier befürwortet. Die Käufer erhalten dabei beim Einkauf einen Preisnachlass, müsste also in jedem Fall eigenes Geld einsetzen.
Doch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) verschließt bei all dem die Ohren. Zumal von München her der Ruf nach schneller Steuersenkung unverändert laut schallt. «Mehr Netto vom Brutto» gehört seit dem Sommer zum Stammvokabular der CSU. Das wird sich auch zur jährlichen Neujahrsklausur in Wildbad Kreuth nicht ändern, zu der sich die CSU-Landesgruppe im Bundestag vom 7. bis 9. Januar trifft. Die Kanzlerin stiehlt der aufmüpfigen Schwesternpartei nun die Show, indem sie für den 5. Januar einen außerordentlichen Koalitionsgipfel terminierte.
Doch viele Christdemokraten haben Mut gefasst, spätestens, seit der CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz auf dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart überraschend einen sofortigen Abbau der so genannten kalten Progression verlangte, jenem Effekt der Steuerkurve, die die Bezieher inflationsbedingt steigender Einkommen in die nächsthöhere Steuerklasse befördert. Merz hatte nichts zu verlieren, er scheidet aus dem Bundestag aus. Doch die Richtung ist gewiesen: Steuerentlastung ja, je schneller, desto besser.
Um wenigstens über Weihnachten Ruhe zu haben, vertrösten die Großkoalitionäre nun auf den 5. Januar. Unermüdlich wiederholen die Regierenden, auf diesem außerordentlichen Koalitionsgipfel die Wirkung der bisherigen Konjunkturstützen analysieren zu wollen. Die Bundestagsabgeordneten hören dieser Tage viel Schlechtes aus ihren Wahlkreisen, wo den Händlern die Umsätze wegbrechen und dem Mittelstand die Aufträge. Doch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann will nicht nur Eindrücke, sondern auch «empirische Daten» auswerten und vor allem in Euro ermessen, wie konsumfreudig sich die deutschen zu Weihnachten beschenkt haben. Zum Stelldichein nach Neujahr werde die Regierung keine weitreichende Beschlüsse fassen. Das ist auch im Sinne des Einzelhandels: Verspräche der Staat jetzt Konsumgutscheine fürs neue Jahr, würden die Verbraucher darauf warten, befürchten die Händler. Das Weihnachtsgeschäft fiele dann aus.

