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Nach Scheitern in Hessen: 

Ypsilanti beschwert sich über die Medien

03. Dez 2008 11:48
Hat sich verspekuliert, jetzt lamentiert sie: Andrea Ypsilanti
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Am Ende waren's die Journalisten: Heftige Vorwürfe erhebt die gescheiterte SPD-Politikerin. Sie habe verletzende «anonyme Anfeindungen» erlebt.

Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hat den Umgang von Medien mit Politikern kritisiert. Es sei häufig verletzend, wie Medien in die Persönlichkeitsrechte von Politikern eingriffen, sagte Ypsilanti am Dienstagabend in Mainz zur Eröffnung des Mainzer Mediendisputs. Dabei bezog sie sich auf ihre Erlebnisse mit Journalisten während ihres gescheiterten Versuchs, sich mit Duldung der Linken zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Dabei habe sie auch von Medien «anonyme Anfeindungen» erlebt, sagte Ypsilanti.

Für nicht akzeptabel hält es die SPD-Politikerin, wenn nicht einmal mehr die Privatsphäre von Politikern geschützt werde. Sie selbst habe immer darauf geachtet, dass ihr Kind nicht mit auf Fotos erschien. Ein weiteres Problem sei, dass manche Journalisten Porträts schrieben, ohne je mit der dargestellten Person gesprochen zu haben. Ypsilanti zufolge werden Frauen von Medien häufiger unfair behandelt als Männer. Frauen würden leicht als «machtgeil» abgestempelt, nur weil sie ein politisches Amt anstrebten und Verantwortung übernehmen wollten.

«Journalisten unterhalten sich mit Journalisten»

In einer anschließenden Diskussionsrunde zum Thema «Politik Macht Medien» sagte der SPD-Politiker und ehemalige Botschafter in Israel, Rudolf Dreßler, er habe die Klage deutscher Politiker über zu harte Kritik von Journalisten nach seinen Erlebnissen in Israel nicht mehr verstehen können. Der Umgang israelischer Medien mit den dortigen Politikern sei «brutal», während die journalistische Tonlage in Deutschland «eher säuselnd» sei.

Uwe-Karsten Heye, ehemaliger Regierungssprecher und heutiger Chefredakteur des SPD-Organs «Vorwärts», forderte von den Journalisten «zurück in die Gesellschaft, zurück ins Leben» zu gehen. Viele Redaktionen, die von ihren Verlagen in Stadtrandlagen verlegt worden seien, wüssten gar nicht mehr genau, was in ihrer Stadt sozial und politisch vor sich gehe. Auch der leitende Redakteur der «Süddeutschen Zeitung», Hans Leyendecker, sieht die Gefahr von Realitätsverlust: «Journalisten unterhalten sich mit Journalisten über Wirklichkeit.»

Während Heye die personelle «Ausdünnung» von Redaktion für Fehler in der Berichterstattung verantwortlich machte, beklagte die «Tagesspiegel»-Redakteurin Tissy Bruns eine «wahnsinnige Beschleunigung» in der journalistischen Tagesproduktion, «die uns so vieles an Qualität entzieht».

Zuvor hatte der diesjährige Preisträger des «Leuchtturms für besondere publizistische Leistungen, Peter Merseburger, an private und öffentlich-rechtliche Qualitätsmedien appelliert, die nötigen Arbeitsbedingungen für guten Journalismus zu sichern. »Journalismus ohne Recherche ist so etwas wie Skifahren ohne Schnee«, sagte der 80-jährige Merseburger in seiner Dankesrede für die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung, die von der Journalistenvereinigung Netz Recherche vergeben wird. Recherche aber brauche Zeit und bleibe ohne Wissen und Bildung der Journalisten unvollständig, betonte Merseburger. Der Journalist hatte früher das NDR-Politikmagazin »Panorama« geleitet und ist zuletzt mit einer Biografie des »Spiegel«-Gründers Rudolf Augstein hervorgetreten. (epd)

 
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