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Parteien-Fernsehen: 

Merkel kommt bei CDU-TV auf schlechte Quote

03. Dez 2008 09:07
Fernsehen auf Christdemokratisch
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Mit CDU TV versuchten die Christdemokraten, ihr Parteileben auf unterhaltsame Weise im Web zu vermitteln. Das scheint auf den ersten Blick gelungen, doch goutiert wird es nicht.

Die Mailaccounts vieler Journalisten füllen sich tagtäglich mit Unmengen an Pressemitteilungen und Werbung. Wird beides verknüpft, spricht man von Public Relations, kurz PR. Eine neue Form dieser Selbstdarstellung praktizierte die CDU zu ihrem Parteitag in Stuttgart. Den bereits seit August bestehenden Youtube-Kanal «CDU TV» beschickte sie im großen Stil mit Kurzfilmen über das Geschehen beim und um das Delegiertentreffen.

Seit längerem entdecken Parteien das Web. Die FDP startete eine Serie: «Fricke und Solms», die Grünen ließen Blogger vom Parteitag bloggen, die CDU ist mit ihrer Video-Offensive die erste, die einschläfernde Parteitagsreden durch produzierte Beiträge ersetzen lässt. Auf dem Stuttgarter Parteitag entstanden etwas zwei Handvoll solcher Kurzfilme, jeder kam im Durchschnitt auf 1000 Aufrufe.

Mit der Produktion beauftragt war die Münchener TV-Firma Blue Eyes, deren Chefredakteur Markus Brauckmann schon auf der «Dialog»-Sommertour der Christdemokraten das Mikrofon führte. Diesmal war die Stuttgarter Messehalle das Jagdrevier des PR-Reporters. Der 40-jährige, der sonst RTL und andere Sender mit Doku-Soaps versorgt, ist immer auf der Suche nach Chancen, CDU gut beleuchtet und leicht bekömmlich zu präsentieren. «Exklusiv» durfte CDU TV die Parteichefin interviewen, auch immer wieder Generalsekretär Ronald Pofalla. Was dabei an Inhalten herüber kam, war jedoch alles andere als exklusiv. So ist das eben in der PR, wenn die Form den Inhalt schlägt. Sehenswerter war da, was die «Tour hinter den Kulissen» mit Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler (am Mittwochmorgen 1189 Aufrufe) an Einblicken ermöglichte. Trotz allen Mühens umgute Bilder war das Gros der Videos sehr O-Ton-lastig.

Alles war immer kraftvoll angekündigt durch eine Synthi-Fanfare, gefolgt von einem Retorten-Orchesterschlag. Eines der letzten Parteitags-Videos verkauft Brauckmann als «Presseschau» (1133 Aufrufe). Entlang der Zeitungs-Schlagzeilen vom Dienstag hangelt sich der Moderator in bedeutungsschwangerem Duktus durch ein Interview mit Matthias Barner, dem Pressesprecher der Bundes-CDU. «Wie groß war das Interesse am Parteitag?» Das Interesse war natürlich groß, was will Barner auch anderes sagen.

Leider hält Brauckmann nur gedruckte Zeitungen vor die Kamera. Die Stuttgarter Nachrichten berichten auf Seite eins über das gute Wiederwahl-Ergebnis von CDU-Chefin Angela Merkel. Die Frankfurter Rundschau titelt: «Merkel hält Kurs». Bei «Welt Kompakt» heißt es «Merkel setzt sich durch». Das führt Brauckmann zur nächsten Frage: «Wird Politik heute stärker an Personen festgemacht und erklärt?» Natürlich ist auch das so.

Merkel bei ihrer Rede
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Heinz Schwarz, einstiger Innenminister in Rheinland-Pfalz, war auch schon zum Gründungsparteitag der CDU 1950 in Goslar dabei. Der 80-jährige hat seitdem nicht einen einzigen Parteitag verpasst. «Für sie eine Art Familientreffen?», fragt Brauckmann «Ja, in jedem Fall, also immer noch.» Dann loben einige der bekannteren CDU-ler den Alten. Schwarzens letzter Wunsch für die CDU: Dass die Menschen noch mehr CDU wählen als bisher. (1138 Aufrufe) Da menschelt es doch gewaltig. Die CDU – nah am Volk, so wünscht man sich das.

Bisher waren Parteienvideos alles andere als geeignet, um Interesse und Aufmerksamkeit zu wecken. Mit seinem Filmangebot war CDU TV ist zumindest ein Ansatz, Parteienleben unterhaltsam zu vermitteln. Doch die Enttäuschung dabei ist: Die Web-Zuschauer nehmen dies nahezu regungslos hin. Einzig und allein mit Nutzer-Kommentaren versehen waren am Mittwochmorgen die langweiligen, bereits von Phoenix und Tageseschau bekannten Parteitagsreden der Parteichefin (843 Aufrufe für den ersten Teil, 408 für den zweiten). Zum Teil mit vernichtender Aussage: «Löscht ruhig, das ist man ja gewohnt…»

Nicht bei CDU TV zu finden: Angela Merkel über Roland Kotz, äh... Koch aus Hessen:


 
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