24.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Verdächtigen vor einem Untersuchungsrichter in Pristina
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Geheimdienstexperte geht von einer Beteiligung von BND-Agenten an einem Sprengstoffanschlag in Pristina aus, auch die Bundeswehr kommt ins Spiel. Doch warum sollte Deutschland den Terror unterstützen?
Sie agierten als Angestellte einer Tarnfirma und flogen dennoch auf: Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), die im Kosovo agierten. Der Verdacht, sie seien an einem Bombenanschlag auf die EU-Vertretung in Pristina beteiligt und die anschließende Inhaftierung durch die kosovarische Justiz sorgen nun für Fragen.
Laut örtlichen Medienberichten sind die drei Männer im Alter von 41 bis 47 Jahren Mitarbeiter des BND. Bei ihnen seien Dokumente und Ausweise des Dienstes gefunden worden. BND und Bundesregierung hielten sich mit Bewertungen dazu zurück. Auch Kosovo-Präsident Fatmir Sejdiu wollte die Festnahmen der drei nicht kommentieren.
Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass der Fall «keinerlei negative Auswirkungen» auf das Verhältnis Deutschlands zum Kosovo haben werde. Spekulationen, Deutschland könnte in einen Terroranschlag auf das EU-Hauptquartier im Kosovo verwickelt gewesen sein, wies die Bundesregierung als völlig abwegig zurück, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte.
Für den Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom ist die Sachlage jedoch klar. «Die drei BND-Mitarbeiter haben nicht nur aufgeklärt, sondern sie waren an dem Anschlag auf das EU-Hauptquartier beteiligt», sagte der
Publizist und BND-Kenner der Netzeitung>>>. Für eine Mittäterschaft spreche, dass der Anschlag nur Sachschaden verursachte. «Terroristen hätten sehr viel wuchtiger agiert.» Hintergrund ist für Schmidt-Eenboom das Streben des Kosovo nach internationaler staatlicher Anerkennung: Die Kosovaren wollten mit Gewalt auf die stagnierende internationale Anerkennung ihres Landes aufmerksam machen. Schmidt-Eenboom, der viel über den BND recherchierte und publizierte, steht dem Geheimdienst sehr kritisch gegenüber. Auch wurde er selbst schon vom BND bespitzelt, um undichte Stellen im Geheimdienst zu finden.
Gegen ein Mitwirken der Deutschen spricht, dass Deutschland einer der ersten Staaten war, die das Kosovo anerkannten im Verbund der EU. Insofern hat die Bundesregierung großes Interesse an Stabilität im jüngsten Staat der Erde.
Die «Bild»-Zeitung präsentierte eine andere Version des Geschehens: Das Blatt berichtete, es handele sich bei dem Trio um Angehörige der Bundeswehr. Die Männer seien von der Bundeswehr an den BND «ausgeliehen» worden und hätten dort in dem für den Balkan zuständigen Referat gearbeitet. Keine der Versionen wollte die Bundesregierung kommentieren. Würde sich bewahrheiten, dass Bundeswehrangehörige im Ausland in BND-Diensten stehen, wäre heftiger innenpolitischer Krawall zu erwarten. Die «Süddeutsche Zeitung» hingegen sprach von «früheren Bundeswehrsoldaten, die mittlerweile für den Bundesnachrichtendienst arbeiten».
Nun verlangt das Parlamentarische Kontrollgremium für die Geheimdienste im Bundestag, über das Agieren der Geheimen informiert zu werden. FDP-Mitglied Max Stadler verlangte ein Treffen des neunköpfigen Gremiums noch in dieser Woche, das wahrscheinlich am Donnerstag tagen soll.