Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Grundsatzrede des Bundespräsidenten: 

Köhler will «Bewusstsein für Gesamtsituation»

21. Nov 2008 12:06, ergänzt 12:10
'Ich sage bewusst Bankier und nicht Banker', sagte Köhler
Bild vergrößern
Die ganze Finanzbranche habe sich «berauscht» an Renditen und sei blind für die Risiken gewesen, kritisierte der Bundespräsident. Deshalb sollten Banker die Schuld an der Krise nicht bei anderen suchen.

Bundespräsident Horst Köhler hat Bankern ihr Versagen in der Finanzkrise vor Augen geführt und eine «grundlegende Erneuerung» der Branche gefordert. «Besinnen Sie sich wieder auf die Tugenden des soliden Bankiers - und ich sage bewusst Bankier und nicht Banker», sagte Köhler am Freitag in einer Grundsatzrede zu Finanzkrise in Frankfurt. «In den üblichen Lobbyismus zurückzufallen, um den eigenen Beitrag klein zu halten, ist keine angemessene Haltung.»

Zu viele in der Finanzbranche hätten «die vielfältigen Warnungen in den Wind geschlagen und lieber mitgewettet, als gegen Fehlentwicklungen anzugehen», kritisierte Köhler vor führenden Vertretern der Branche wie den Chefs von Deutscher Bank (Josef Ackermann), Commerzbank (Martin Blessing) und Dresdner Bank (Herbert Walter).

«Die Banken müssen sich bewusst machen: Zuallererst sind sie Treuhänder derer, die ihnen ihr Erspartes überantwortet haben.» Nachdem sich die «ganze Branche offenbar so berauscht» habe an Renditen und darüber blind geworden sei für Risiken, seien nun Demut, Anstand und Bescheidenheit gefordert, betonte Köhler.

Lob für das 500-Milliarden-Paket

«Besinnen Sie sich auch wieder auf Ihre Funktion als Dienstleister für Ihre Firmenkunden. Lassen Sie vor allem unsere Mittelständler nicht im Stich», mahnte Köhler die Banker. Die seit Sommer 2007 tobende Finanzkrise greift zunehmend auf andere Branchen über: Etwa Autohersteller und Chemiekonzerne spüren ihre Folgen.

Der Staat habe mit dem eilends geschnürten 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die Banken Handlungsfähigkeit bewiesen, sagte Köhler. «Ich erwarte, dass das Bankgewerbe dieses mutige Angebot der Politik jetzt seinerseits mit Mut und Bewusstsein für die Gesamtsituation begleitet und nutzt.»

Insgesamt ist die Krise nach Ansicht Köhlers nur durch einen internationalen Kraftakt zu lösen. «Ich bleibe dabei: Die Dimension der Krise heute verlangt ein Bretton Woods II, eine Versammlung der Besten, die mit Sachverstand, Moral und politischem Willen systematisch an die Arbeit gehen.» In dem amerikanischen Kleinort Bretton Woods war 1944 unter Führung der USA die Grundlage für die Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt worden.

IWF als internationale Aufsicht

«Auf den internationalen Finanzmärkten muss die staatliche Ordnungsfunktion neu definiert und durchgesetzt werden», sagte der Bundespräsident. «Ich plädiere für die Schaffung einer internationalen Aufsichtsorganisation, und ich halte es für richtig, dem Internationalen Währungsfonds die Wächterfunktion über die Stabilität des globalen Finanzsystems zu übertragen.»

Damit er diese Aufgabe wirksam erfüllen könne, solle der IWF mehr Unabhängigkeit bekommen. Köhler war selbst von 2000 bis 2004 Direktor des IWF, dessen Gründung auch 1944 in Bretton Woods beschlossen worden war.

Köhler mahnte die Banker auch, die Schuld für die Krise nicht bei anderen zu suchen: Bei den Amerikanern, die vielfach auf Pump gelebt haben, bei der US-Notenbank Fed, die mit niedrigen Zinsen Geld künstlich billig hielt, bei den Rating-Agenturen, die Ramsch-Kredite mit Höchstnoten edelten. «Lassen Sie auch die Phase hinter sich, in der Sie mit dem Finger auf andere Leute zeigen», forderte Köhler. (dpa)

 
DruckenVersenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Ungewöhnliche Wortwahl des Ministerpräsidenten: 
Netanjahu sagt erstmals «Zwei-Staaten-Lösung»
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

  •  Berlin 21°
  •  Hamburg 16°
  •  Köln 21°
  •  Frankfurt 23°
  •  Stuttgart 18°
  •  München 18°
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Aus anderen Ressorts
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.