21.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Angela Merkel bei IT-Gipfel in Darmstadt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Beim dritten nationalen IT-Gipfel in Darmstadt beschworen die Bundesregierung und die Hightech-Branche am Donnerstag die Macht der Innovation. Gerold Büchner stellt die Schwerpunkte vor.
Während andere Wirtschaftszweige in die Krise rutschen, soll und will die IT-Branche zu deren Lösung beitragen: Durch mehr Investitionen in Informationstechnik und Telekommunikation könnte ein Innovationsschub für ganz Deutschland ausgelöst werden.
So stellt es sich die Bundesregierung vor, und so sieht es auch der Fachverband Bitkom. Die Branche brauche im Gegensatz zu anderen Rettungsschirm, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer gestern beim dritten nationalen IT-Gipfel in Darmstadt. Vielmehr könnten «intelligente Hightech-Projekte in konjunkturell schwierigen Zeiten die gesamte Wirtschaft nach vorne bringen».
Schnelle InternetverbindungenDie Regierung, in Darmstadt hochrangig vertreten, nannte dafür Beispiele. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) setzte sich für einen Ausbau der Breitbandnetze ein. Auch in ländlichen Gebieten sollten die Menschen schnelle Internetverbindungen bekommen. «Ich möchte Chancengleichheit zwischen Stadt und Land», sagte Glos.
Ein Mittel könnten dabei die Rundfunkfrequenzen sein, die durch Digitalisierung von Radio und Fernsehen frei werden. Die Bundesländer sollten diese Frequenzen freigeben, damit ein Teil für drahtlose Breitbandverbindungen zu nutzen ist, so Glos. Telekom-Chef Rene Obermann pflichtet ihm bei und forderte: «Her mit dem Zeug.»
In der Bundesrepublik haben rund zwölf Prozent der Bevölkerung keinen schnellen Internet-Anschluss, in Ostdeutschland sogar 40 Prozent. Der Bundesverband der Deutschen Industrie erhofft sich vom Breitband-Ausbau bis zu 250.000 neue Arbeitsplätze.
IT und VerkehrEin weiterer Schwerpunkt der IT-Innovation soll die Fahrzeugtechnik werden. Glos startete zusammen mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) in Darmstadt ein Entwicklungsprojekt zur Funkkommunikation mit dem komplizierten Titel «SIM-TD» (Sichere, intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland).
Autos sollen untereinander und mit Verkehrsleitzentralen automatisch Informationen etwa über Glatteis oder Staus austauschen. Das werde in der gebeutelten Autobranche «den nächsten Innovationsschub auslösen», sagte Glos. Laut Tiefensee könnte die Fahrzeugkommunikation zudem den Spritverbrauch senken und so das Klima schützen. Für das Forschungsprojekt sind 69 Millionen Euro veranschlagt, der Bund bezahlt davon 38 Millionen.
Krise und HoffnungDas Bundesinnenministerium und das Land Hessen stellten beim IT-Gipfel das Projekt einer einheitlichen Rufnummer 115 für alle Behörden vor. Die Bürger sollen dadurch künftig unkompliziert und schnell Kontakt zu den richtigen Verwaltungsstellen bekommen, ohne sich lange durchfragen zu müssen. Der Pilotbetrieb soll im Frühjahr 2009 starten.
Dass all dies aber ebenso Geld kostet wie Rettungsschirme, deutete der Bitkom-Präsident mit seiner Forderung nach mehr öffentlichen Investitionen an. Acht Milliarden Euro seien notwendig, sagte Scheer, um Behörden, Gesundheitswesen, Schulen und Sicherheitskräfte auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Die drohende Krise sei «die Gelegenheit, ohnehin notwendige Investitionen in die Hightech-Infrastruktur» zu tätigen und so Konjunkturimpulse zu setzen.
Übernommen mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung».