Letzter Akt im Landtag:
Hessen endlich einig
19.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Seit der konstituierenden Sitzung des Landtages am 5. April waren Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und sein Kabinett nur noch geschäftsführend im Amt. Die Neuwahl wird am 18. Januar stattfinden. Vor allem für die SPD ist es schwer, in dieser kurzen Zeit ihren bisher wenig öffentlich in Erscheinung getretenen Spitzenkandidaten bekannt zu machen: Der 39-jährige Thorsten Schäfer-Gümbel ist Nachfolger von Ypsilanti, die jetzt nur noch Partei und Landtagsfraktion führt. Zudem droht ein rechtliches Problem, da die SPD-Fraktion die vier Ypsilanti-kritischen Abweichler aus ihren Sitzungen auslud, ihnen die Mitgliedsrechte aberkannte und somit die Chance verwehrte, sich erneut um ein Landtagsmandat zu bewerben. Die SPD ist um Klärung bemüht.
Die vier Abweichler nahmen am Mittwoch zum letzten Mal an einer Landtagssitzung teil. Obwohl sie wüssten, dass sie ihr Mandat verlieren werden, würden sie heute ihre Gewissensentscheidung «aus tiefster Überzeugung» noch einmal so treffen, sagte einer der vier, der frühere SPD-Fraktionschef Jürgen Walter, in einer persönlichen Erklärung ganz zum Schluss der Debatte.
Koch will den anstehenden Landtagswahlkampf vor allem mit den Themen Wirtschaftspolitik und dem Wortbruch der SPD bestreiten. Jugendgewalt und Migration, mit denen er noch beim letzten Wahlkampf vor einem Jahr bundesweit Furore machte, sollen dagegen diesmal keine tragende Rolle mehr spielen, wie der CDU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» sagte. «Wir werden den letzten Wahlkampf nicht wiederholen. Da sind Fehler gemacht worden.» Koch betonte, die CDU werde Arbeitsplätze sichern. Unter einer rot-rot-grünen Regierung dagegen würden die Flughäfen in Frankfurter und Kassel und wichtige Autobahnen nicht weiter ausgebaut, warnte er.
Vor der Selbstauflösung verabschiedete der Landtag noch ein Eilgesetz zur Rettung des Autokonzerns Opel und der hessischen Zuliefererindustrie. Dazu soll der finanzielle Rahmen für Landesbürgschaften für 2009 auf 500 Millionen Euro angehoben werden. Opel hat angesichts der Krise seiner Muttergesellschaft General Motors um eine Staatsbürgschaft nachgesucht. Zudem stellten die Abgeordneten durch eine Änderung des Fraktionsgesetzes sicher, dass sie bis zur neuen Wahlperiode ihre Mitarbeiter bezahlen dürfen. Denn die bei turnusgemäßen Wahlen vorhandene Übergangsfrist fehlt diesmal. Bis nach der Neuwahl fungiert der Hauptausschuss des Landtages als «Notparlament».
Für das Web ediert von Tilman Steffen

