Belastete Immobilie:
Die Jüdische Gemeinde und die Goebbels-Villa
19.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Aus der Jüdischen Gemeinde hieß es am Dienstag, es habe ursprünglich allenfalls Interesse an der ehemaligen Goebbels-Villa gegeben, um zu verhindern, dass das Haus in die Hände von Neonazis falle. Deshalb hatten sich führende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde auf Bitten des Berliner Senats schon vor Monaten das Objekt angesehen, um über ein mögliches Konzept nachzudenken.
Die kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Alice Ströver, sagte zu den möglichen Plänen für die Goebbels-Villa, es dürfe auf keinen Fall sein, dass sich das Land Berlin aus der Verantwortung stehle, indem es die Villa der Jüdischen Gemeinde einfach überstülpe. «Anders ist es, wenn die Jüdische Gemeinde tatsächlich selbst ihr Interesse angemeldet hat», sagte Ströver. Dann allerdings müsse ein ordentliches Konzept her und der Senat müsste auch mögliche Mittel dafür zur Verfügung stellen.
Beim Liegenschaftsfonds wollte man gestern Gespräche mit der Jüdischen Gemeinde Berlin indes nicht bestätigen. Seit heute jedoch laufe das Interessenbekundungsverfahren für das 460 000 Quadratmeter große Areal der einstigen FDJ-Hochschule am Bogensee, hieß es. Aus dem Paket, das weltweit angeboten wird, ist die Goebbels-Villa herausgenommen worden. Sie soll in öffentlicher Hand bleiben. Der immer noch riesige Rest der Immobilie wurde in fünf Stücke geteilt, die nun separat zum Kauf angeboten werden.
Der Grund, warum Berlin die Immobilie möglichst schnell loswerden will, sind die hohen Kosten. Jahr für Jahr verschlingt der Unterhalt der vier Bettenhäuser, des Kulturhauses und des pompösen Haupthauses rund 255.000 Euro aus dem hauptstädtischen Haushalt. Das Land Brandenburg hat kein Interesse an der Nutzung der Immobilie. Lediglich die Berliner Forsten betreiben auf dem Anwesen eine Waldschule.
Übernommen mit freundlicher Genehmigung der Berliner Zeitung>>>

