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Belastete Immobilie: 

Die Jüdische Gemeinde und die Goebbels-Villa

19. Nov 2008 11:12
Besaß eine Villa bei Berlin: NS-Propagandaminister Goebbels
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Berlin versucht die Immobilie seit Jahren loszuwerden, der Denkmalschutz verbietet einen Abriss. Deutschlands größte Jüdische Gemeinde wollte Schlimmeres verhindern, berichten Marlies Emmerich und Katrin Bischoff.

Abgelegen im Wald nördlich von Berlin, unweit von Wandlitz, liegt das Landhaus des einstigen NS-Propagandaministers Josef Goebbels. Die Villa auf dem Gelände der ehemaligen FDJ-Kaderschmiede Bogensee steht seit fast zehn Jahren leer. Versuche, den Landsitz zu verkaufen, misslangen. Groß war auch die Angst, dass Neonazis das Haus erwerben und für propagandistischen Zwecke nutzen könnten. Darum hatte die Gemeinde Wandlitz auch für einen Abriss plädiert. Doch das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es gibt aber laut einer Vorlage des Berliner Senats sehr wohl einen Interessenten: die Jüdische Gemeinde Berlin.

Das riesige Areal der einstigen Jugendhochschule samt Goebbels'schen Landsitz gehört dem Land Berlin. Und das will die Immobilie seit Jahren loswerden. Erst kürzlich hatte die Finanzverwaltung den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses in einem Zwischenbericht über den Stand des Verkaufs mitgeteilt: «Darüber hinaus wurden im Zuge der Grobkonzeptionierung vom Liegenschaftsfonds erste Gespräche mit der Jüdischen Gemeinde Berlin geführt.» Die Jüdische Gemeinde habe dabei das Interesse bekundet, den ehemaligen Goebbels'schen Landsitz und zwei Garagentrakte «gegebenenfalls für Ausstellungszwecke zu nutzen».

Aus der Jüdischen Gemeinde hieß es am Dienstag, es habe ursprünglich allenfalls Interesse an der ehemaligen Goebbels-Villa gegeben, um zu verhindern, dass das Haus in die Hände von Neonazis falle. Deshalb hatten sich führende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde auf Bitten des Berliner Senats schon vor Monaten das Objekt angesehen, um über ein mögliches Konzept nachzudenken.

Synagoge in Berlin
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Passiert sei seitdem nichts - weder vom Land Berlin noch von Brandenburg habe man je wieder etwas gehört. «Deshalb wird die Jüdische Gemeinde auch vorerst die Idee einer wie auch immer gearteten Nutzung nicht verfolgen», sagte Maya Zehden, die Sprecherin der Gemeinde.

Die kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Alice Ströver, sagte zu den möglichen Plänen für die Goebbels-Villa, es dürfe auf keinen Fall sein, dass sich das Land Berlin aus der Verantwortung stehle, indem es die Villa der Jüdischen Gemeinde einfach überstülpe. «Anders ist es, wenn die Jüdische Gemeinde tatsächlich selbst ihr Interesse angemeldet hat», sagte Ströver. Dann allerdings müsse ein ordentliches Konzept her und der Senat müsste auch mögliche Mittel dafür zur Verfügung stellen.

Beim Liegenschaftsfonds wollte man gestern Gespräche mit der Jüdischen Gemeinde Berlin indes nicht bestätigen. Seit heute jedoch laufe das Interessenbekundungsverfahren für das 460 000 Quadratmeter große Areal der einstigen FDJ-Hochschule am Bogensee, hieß es. Aus dem Paket, das weltweit angeboten wird, ist die Goebbels-Villa herausgenommen worden. Sie soll in öffentlicher Hand bleiben. Der immer noch riesige Rest der Immobilie wurde in fünf Stücke geteilt, die nun separat zum Kauf angeboten werden.

Der Grund, warum Berlin die Immobilie möglichst schnell loswerden will, sind die hohen Kosten. Jahr für Jahr verschlingt der Unterhalt der vier Bettenhäuser, des Kulturhauses und des pompösen Haupthauses rund 255.000 Euro aus dem hauptstädtischen Haushalt. Das Land Brandenburg hat kein Interesse an der Nutzung der Immobilie. Lediglich die Berliner Forsten betreiben auf dem Anwesen eine Waldschule.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der Berliner Zeitung>>>

 
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