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Kommentar zu Steinbrück: 

Ein offenes Wort gegen die Gier der Eliten

19. Nov 2008 12:20
Spricht Sachen klar aus: Peer Steinbrück
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Am schwindenden Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft seien auch die Eliten mit schuld, kommentiert Holger Schmale: Es ist gut, wenn führende Politiker wie Peer Steinbrück das formulieren. Wenigstens jetzt.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist ein Freund offener Worte, und die hat er nun an die Eliten des Landes gerichtet. Er wirft den Besserverdienenden Entsolidarisierung vor, geißelt den Egoismus und die Gier in Spitzenkreisen der Wirtschaft.

Da hat er wohl recht, aber er vergisst, dass diese Geisteshaltung über viele Jahre und insbesondere während der Regierungszeit von Gerhard Schröder die herrschende im Land war. Deregulierung und Privatisierung waren die Schlüsselbegriffe einer Mentalität, die auf die Leistungsfähigkeit des Einzelnen und seiner Ellenbogen setzt. Wer da nicht mithalten kann, hat Pech gehabt, ist altmodisch, muss schauen, wo er bleibt, das war die vielfach intonierte Leitmelodie einer Modernisierungspolitik, die angeblich von der Globalisierung erzwungen wurde.

Ein damals selber als rettungslos überholt diskreditierter Bundespräsident Johannes Rau warnte, dass unter diesen Bedingungen eine Generation heranwachse, die von allem den Preis und von nichts den Wert kenne. So ist es gekommen. Seit geraumer Zeit haben die Raffkes nun allerdings ziemlich ausgespielt, es gibt eine Renaissance des Staates als die Schwachen schützender Faktor und von Werten wie Solidarität und Gerechtigkeit.

Doch der Schaden ist angerichtet. Das schwindende Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft und die parlamentarische Demokratie hat auch im Fehlverhalten der Eliten seine Ursache. Es ist gut, wenn führende Politiker wie Peer Steinbrück das formulieren. Wenigstens jetzt.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung». Holger Schmale leitet das Bundesbüro.

 
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