Bildungsvergleich der Bundesländer: 

netzeitung.deSachsen wird zum Pisa-Streber Nummer 1

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Brandenburger Schüler, wie diese, sind nicht ganz so erfolgreich bei PISA wie die aus Sachsen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Brandenburger Schüler, wie diese, sind nicht ganz so erfolgreich bei PISA wie die aus Sachsen
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Die sächsischen Schulen verweisen die vormals erfolgreichen Bayern auf den zweiten Platz. 2006 lag Sachsen demnach in allen Kategorien vorne. Auf Platz drei landete ein weiteres östliches Bundesland.

Sachsen triumphiert beim Pisa-Test 2006. Das Bundesland erreicht in allen drei Disziplinen den ersten Platz und verweist damit den bisherigen Sieger Bayern auf den zweiten Rang. Zugleich gibt es bei dem zum dritten Mal vorgenommenen Bundesländervergleich weitere deutliche Verschiebungen. Vor allem die ostdeutschen Länder drängen stark nach vorn. Die Zusammenfassung der neuen Pisa-Studie, die an diesem Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt wird, liegt der Deutschen Presse-Agentur dpa vor.

Im Schwerpunkt Naturwissenschaften folgt hinter Sachsen und Bayern auf Platz drei Thüringen – gefolgt von Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. In den Naturwissenschaften gelten die ostdeutschen Schulen traditionell als sehr leistungsstark.

Bei der wichtigen Disziplin Lese- und Textverständnis folgt hinter Sachsen und Bayern ebenfalls Thüringen auf Platz drei, gefolgt von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das Textverständnis gilt als wichtige Basisvoraussetzung für das Lernen.

Schlusslicht Bremen
In der Mathematik kommt hinter Sachsen und Bayern auf Platz drei Baden-Württemberg, gefolgt von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Bremen bildet erneut in allen drei Teildisziplinen das Schlusslicht. Es ist der dritte Pisa-Bundesländervergleich seit dem ersten Test im Jahr 2000. Das schlechte deutsche Abschneiden bei dem weltweiten größten Schulleistungstest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte den Ruf nach umfangreichen Schulreformen ausgelöst.

Soziale Herkunft beeinflusst Schulkarriere
Nach wie vor gibt es in Deutschland einen erheblichen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Chance von Jugendlichen, ein Gymnasium zu besuchen, stellen die Autoren in der Untersuchung fest. «Statistisch bedeutsame» Verbesserungen in diesem Bereich machen die Forscher nur in Bayern und Rheinland-Pfalz aus.

In Bayern war die Abhängigkeit des Gymnasialerfolgs von der sozialen Herkunft bei den beiden Vorgängerstudien im Vergleich zu allen anderen Bundesländern am ausgeprägtesten. Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren seine Ganztagsschulen erheblich ausgebaut und wird ab 2011 an mehr als jeder dritten Schule Ganztagsbetreuung anbieten.

Lehrerorganisationen verlangen Verbesserungen
Laut Pisa-Studie schwankt der Besuch des Gymnasiums von Jugendlichen aus der «oberen Dienstklasse» (Akademiker, Chefs) zwischen 47 Prozent (Bayern) und 63 Prozent (Brandenburg). Hingegen besuchen von den Fünfzehnjährigen aus Familien von ungelernten und angelernten Arbeitern nur zwischen 8 Prozent (Bayern) und 20 Prozent (Thüringen und Sachsen-Anhalt) ein Gymnasium.

Die großen Lehrerorganisationen verlangten konkrete Verbesserungen an den Schulen. Nach jahrelangem Messen und Testen müssten endlich Taten folgen, forderte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger. Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, mahnte mehr Hilfen für Risikoschüler an. Demmer verwies darauf, dass auch nach dem dritten Pisa-Test 2006 jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig lesen und verstehen kann.

An der zusätzlichen deutschen Bundesländeruntersuchung zum Pisa- Test 2006 nahmen weitere 57.000 Schüler an 1500 Schulen teil. Die Federführung lag beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel. (dpa)