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Null-Tax für Neuwagen: 

Koalition opfert Klimaschutz der Konjunktur

12. Nov 2008 17:27
Wenn schnell gekauft, steuerfrei: Sprit schluckender PKW
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Die Null-Steuer für Neuwagen zeigt: Die befürchtete Wirtschaftskrise treibt die Regierung zu Aktionismus. Doch zwischen Klimaschutz und Konjunktur darf es keine Kompromisse geben, meint Tilman Steffen

Die Deutsche Umwelthilfe, stets wachsam und engagiert in allen Angelegenheiten rund um den Klimafeind Automobil, hat mit Händlern telefoniert und gefragt, wie sich der Absatz von Autos mit höherem Spritverbrauch entwickelt. Das Ergebnis: Was viel schluckt, ist schwer verkäuflich. Kein Wunder, stieg der Spritpreis im Sommer doch auf den Rekordwert von mehr als 1,50 Euro. In diesen Tagen schmerzt das Tanken zwar weit weniger, doch eines hat sich den Autofahrern eingeprägt: Sparsam ist hip.

Derzeit ist das Öl billig, weil die Finanzkrise die Wirtschaft schwächeln lässt. Existenz bedrohend brach bei den Autoherstellern die Nachfrage ein. Um eine Kündigungswelle zu vermeiden, schickt die Bundesregierung den Bürger in Lidl-Manier auf Schnäppchenjagd: Bis zum 30. Juni 2009 gibt es zum Neuwagen die Steuerbefreiung dazu.

Die Null-Steuer ist nicht mehr als das Signal: Wir haben etwas getan. Denn die Steuer für ein Durchschnittsauto ist etwa so teuer wie vier Tankfüllungen. Der Anreiz, deswegen Zehntausende Euro für ein neues Auto auszugeben, bleibt gering. Die Regierung bezweckt laut eigenem Bekunden auch nur, dass bereits zum Neukauf Entschlossene den Gang ins Autohaus vorziehen. Doch wie die Branche den dann folgenden Nachfrageknick im zweiten Halbjahr 2009 kompensieren will, erklärt sie nicht.

Hinzu kommt, dass die Null-Tax auch nur die Inlands-Kunden animiert. Das gravierende Absatzproblem der gerade im Hochpreis-Segment stark auf Export angewiesenen Automobilbranche wird dadurch schwerlich zu lösen sein.

Hinzu kommt die fatale Signalwirkung der Null-Steuer: Geht es ums Auto, opfert die Regierung leichten Herzens einst hehre Ziele wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Schnäppchen-Steuer verleitet zum Kauf hubraumstarker Spritschlucker, deren Halter dann ab 2011 eine hohe Steuerlast zu tragen haben. Denn dann gilt je nach politischer Lage der alte hubraumbezogene Steuersatz oder eine auf den Schadstoffausstoß des Fahrzeugtyps bezogene Steuer. Wer also weitsichtig handelt und schon heute einen durchschnittlich motorisierten, CO2-armen Wagen aussucht, hat von dem Steuergeschenk fast nichts.

Die Null-Steuer bevorteilt Unternehmer, die PS-starke Firmenfahrzeuge mit hochvolumigen Motoren gern leasen. Solche Verträge enden meist nach zwei Jahren, dann stehen die Fahrzeuge schwer verkäuflich auf den Höfen der Händler. Die laut einem Bericht in der Koalition bereits verworfene Verschärfung der Dienstwagenbesteuerung wird den Absatz hoch motorisierter Spritschlucker in den nächsten Monaten zusätzlich befördern.

Produktion bei Volkswagen
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Wenn der Steuer-Erlass überhaupt die gewünschte Wirkung entfaltet, wird er ein Strohfeuer bleiben, dem die Kälte des Konjunkturwinters folgt. Besonders deshalb, weil die Treibhausgase uns zunehmend Dauersommer bescheren, ist das ein hochproblematisches Signal. Sinnvoll wäre dagegen ein einmaliger Steuerzuschuss, der den Haltern von Kleinwagen und Protz-Karossen gleichermaßen nützt. Dauerhaft Klima schützende Wirkung entfalten würde, die Kfz-Steuer gänzlich auf den Spritpreis umzulegen. Denn das Verursacher-Prinzip ist eines der besten. Und wer einen Steuer-Einbruch befürchtet, dem sei gesagt: Autos werden nicht gekauft, um sie an den Straßenrand zu stellen, sondern um sie zu fahren.
 
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