FDP-Expertin unterstellt Alkohol-Exzesse:
Kampftrinken in Kabul
12.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bundeswehr in Afghanistan: Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch nüchtern betrachtet ist die Zahl ein Aufreger: Eine Million Liter Bier pro Jahr werden an Bundeswehr-Camps in Afghanistan geliefert. Ob man sich Sorgen um die Truppe machen muss, ist Gegenstand einer FDP-Anfrage.
Quiz: Wie gut kennen Sie Afghanistan?>>> Im vergangenen Jahr sind mehr als eine Million Liter alkoholische Getränke in die Lager der Bundeswehr in Afghanistan gebracht worden rund 990.000 Liter Bier und rund 69.000 Liter Wein und Sekt. Das berichtete die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der FDP.
Im ersten Halbjahr 2008 waren es bereits etwa 512.000 Liter Bier und rund 42.000 Liter Wein und Sekt. Dem Bericht zufolge dürfen sich neben den derzeit rund 3600 Soldaten der Bundeswehr auch Angehörige ausländischer Streitkräfte, die im gleichen Feldlager untergebracht sind, in den deutschen Verkaufsstellen versorgen.
Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff sagte der Zeitung: «Alkohol spielt offenbar in den Camps der Bundeswehr eine besorgniserregende Rolle.» Hoff stellte die Frage: «Ersetzt Alkohol dort ein fehlendes Freizeitangebot? Was machen die Vorgesetzten?»
Wieviel ist das pro Soldat?Allerdings ist der Pro-Kopf-Verbrauch im Durchschnitt gar nicht so empörend hoch: Unterstellt, dass sämtliches Bier in Afghanistan im Jahr 2007 von deutschen Soldaten getrunken wurde, ergäbe sich eine Menge von etwa 0,75 Liter Bier pro Kopf und Tag sowie ein geringes Maß an Wein und Sekt. Das klingt nicht gerade nach Vollrausch und Gefährdung des Einsatzziels.
Es sei denn, man fordert von den Bundeswehr-Angehörigen «Null-Promille» im Dienst und außerhalb des Dienstes. Dafür gibt es vielleicht sogar gute Gründe. Doch besorgniserregend wird die Statistik, wenn man davon ausgeht, dass jeder Abstinenzler den Durchschnitt erheblich senkt und damit die «Kampftrinker» gnädig zudeckt wie in der zivilen Bevölkerung auch. (nz/AP)