10.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Demonstranten blockieren die Straße zum Zwischenlager
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Konvoi mit elf Atommüllbehältern steht abfahrbereit in Dannenberg. Doch zuvor müssen 1000 Demonstranten von der Straße getragen werden. Acht Atomkraftgegner haben für sich ein äußerst spektakuläres Mittel der Blockade gewählt.
Die Polizei hat am Montagmittag mit der Räumung der Sitzblockade vor dem Zwischenlager Gorleben begonnen. Nach dreimaliger Aufforderung, die Straße freizugeben, trugen Beamte zunächst mehrere Dutzend AKW-Gegner von der Castor-Strecke. Es blieb zunächst friedlich. 1000 Blockierer saßen vor dem Zwischenlager. Nach Angaben der Polizei stand der Konvoi mit den elf für Gorleben bestimmten Atommüllbehältern unterdessen abfahrbereit in der Castor-Umladestation in Dannenberg. Allerdings werde der Konvoi erst den befestigen Umladebahnhof verlassen, wenn die letzten 20 Straßenkilometer frei seien. Es gebe noch mehrere Blockaden.
So haben sich acht Atomkraftgegner am Montagmittag in der Ortschaft Grippel etwa fünf Kilometer vor Gorleben mit ihren Armen an zwei Betonpyramiden geketet. In Grippel laufen die nördliche und die südliche Straße zusammen, über die der Atommülltransport zum Zwischenlager fahren kann. Jeweils vier AKW-Gegner seien mit je einem Arm mit den Betonpyramiden verbunden, sagte ein Sprecher der Castor-Einsatzleitung der Polizei in Lüneburg.
Man habe mit Hilfe von Sonden versucht zu erkunden, ob die Hände der Aktivisten tatsächlich angekettet seien. Spezialisten der Polizei seien vor Ort. Man überlege, die Pyramiden mit Presslufthämmern zu beseitigen, dürfe die Demonstranten dabei aber nicht verletzten.
40 verkeilte TraktorenDas Umladen der Behälter lief nur schleppend. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg machte Probleme mit einer starken Strahlung der neuartigen Transportbehälter vom Typ TN85 für Verzögerungen verantwortlich. Dem widersprach das für die Überwachung des Transportes zuständige niedersächsische Umweltministerium. In Quickborn blockierten weiter 40 verkeilte Traktoren die nördliche der beiden Strecken, auf denen der Atommülltransport von Dannenberg nach Gorleben fahren kann. Ein starkes Polizeiaufgebot an der südlichen Route deutete auf einen Transport über diese Strecke hin.
Die für den Atommüll-Transport ins Zwischenlager Gorleben verantwortliche Polizeiführung hat eine hohe Gewaltbereitschaft einiger Atomkraftgegner beklagt. Der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei Thomas Oberroth sagte am Montag im niedersächsischen Dannenberg, Demonstranten seien teils mit krimineller Energie vorgegangen etwa beim Unterhöhlen von Gleisen. «Das sind Vorgänge, die nicht akzeptabel sind.» Noch bevor der Zug in Dannenberg eingetroffen sei, sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. «Das zeigt die hohe Gewaltbereitschaft einzelner», sagte Oberroth.
«Absolut lebensgefährlich»Der Transport musste vor Dannenberg unter anderem stoppen, weil es drei Atomkraftgegnern gelungen war, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. «Dieses Verhalten ist absolut lebensgefährlich», sagte Oberroth. Die Zahl der Aktionen sei höher als beim Transport vor zwei Jahren. Der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster sagte, es seien dennoch nicht mehr Polizisten eingesetzt als 2006. Damals waren mehr als 10.000 Polizisten in Niedersachsen im Einsatz.
Zur Strahlung und einer möglichen Gesundheitsgefahr sagte Oberroth, bei den Atommüll-Behältern gebe es «eine sehr geringe Strahlung, die nach außen wirkt». Außerhalb eines Bereiches von 6,5 Metern Entfernung zum Behälter gebe es keine messbare Strahlung. Gefahren könne es geben, wenn sich jemand mehr als dreieinhalb Stunden in einem engeren Bereich aufhalte.
Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus hat an die Atomgegner appelliert, Gorleben als nationales Endlager zu akzeptieren. «Wir haben das Endlager, und ich finde, es gibt klare Beschlüsse», sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin. Wer die Begrenzung der Atomlaufzeiten wolle - was er nicht teile -, der müsse auch zu dem Endlager stehen. «Der Müll muss entsprechend versorgt und gelagert werden», sagte Althaus. «Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Leute sehen, dass der Konsens auf beiden Seiten eingehalten wird.» (AP/dpa)