10.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Thorsten Schäfer-Gümbel, nebst seiner Vorsitzenden
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Keine Chance geben die Leitartikler dem neuen SPD-Kandidaten bei der Neuwahl in Hessen. Einige Kommentatoren sehen ihn nur als Marionette und Strohmann, doch zur Person Schäfer-Gümbel gibt es auch Lob. Allgemeine Zeitung Mainz: «Ein Zählkandidat» Schäfer-Gümbel dürfte den wenigsten Hessen bekannt sein. Das muss jedoch nach dem Drunter und Drüber der vergangenen Zeit nicht von Nachteil sein - der neue Spitzenmann scheint unbelastet. Er wird als rhetorisch begabt beschrieben, gilt innerhalb der Partei als ambitioniert und engagiert. Doch kann er die Flügel miteinander versöhnen, kann er die Grabenkämpfe zwischen Rechts und Links befrieden, kann er die verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen? Wohl kaum. Denn er ist ein Gefolgsmann Ypsilantis und wird dem linken Lager zugeordnet. Mehr als ein Zählkandidat ist der 39-Jährige nicht. Der politische Gegner darf sich freuen. Frankfurter Rundschau: «Neues Etikett, alte Verpackung» Es gibt zurzeit in Hessen bessere Jobs als den des SPD-Spitzenkandidaten. Weil das so ist, wollte auch niemand tauschen mit Thorsten Schäfer-Gümbel. Deshalb ist der unbekannte Mann jetzt Spitzenkandidat einer Partei, die die nächste Wahl schon verloren gegeben hat, und er selbst als Person ist das Symbol dafür. Für die Landtagswahl heißt das: Wer Ypsilanti eine neue Chance geben will, der wird Schäfer-Gümbel wählen. Wer das Vertrauen in Ypsilanti mit gutem Grund verloren hat, der wird ihn nicht wählen. Am wenigsten daran ändern kann Schäfer-Gümbel. Er ist für gut zwei Monate das neue Etikett auf der alten Verpackung. Im Inneren dieser Verpackung, und das macht seine Aufgabenbeschreibung völlig unrealistisch, ist es stockfinster. Hessische/Niedersächsische Allgemeine: «Niemand beneidet ihn» Kennt jemand noch Heiko Hoffmann? Wahrscheinlich nicht. Hoffmann war Ende der 80er-Jahre Justizminister Schleswig-Holsteins, ein aufrechter, ehrlicher Mann. Und ein tapferer dazu. Er nahm die Bürde auf sich, die krisengeschüttelte CDU in die Landtagswahl 1988 zu führen. Es war der Wahlkampf nach der Barschel-Affäre. Hoffmann war chancenlos. Thorsten Schäfer-Gümbel findet sich in ähnlicher Lage wieder. Nicht, dass die Kieler Affäre damals vergleichbar wäre mit der Kontroverse um den Wortbruch Andrea Ypsilantis heute. Aber die Wahlchancen für Hessens SPD sind annähernd so schlecht wie die der Nord-CDU vor 20 Jahren. Schäfer-Gümbel tritt eine Aufgabe an, um die ihn niemand beneidet. Und in der er eigentlich nur Schadensbegrenzung betreiben kann. Dafür gebührt ihm Respekt. Münchner Merkur: «Marionette einer Machtsüchtigen» Sieht so ein Neuanfang aus? Statt die Konsequenzen aus ihrem rot-rot-grünen Debakel zu ziehen und den Hut zu nehmen, bleibt Andrea Ypsilanti weiter an der Spitze der Hessen-SPD. Damit die Wähler die Mär vom Neubeginn glauben, übt sich Ypsilanti im Verzicht und ernennt einen Vertrauten zum Spitzenkandidaten für die Wahl. Von Thorsten Schäfer-Gümbel ist bisher nur bekannt, dass er als linker Pragmatiker neuen rot-roten Planspielen aufgeschlossen gegenüber steht. Warum sich der Mann nun als Marionette einer Machtsüchtigen missbrauchen lässt, bleibt sein Geheimnis. Es muss SPD-Chef Müntefering Überwindung gekostet haben, dieses peinliche Manöver als Neustart und Verjüngung zu loben. Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Fleißig und gewissenhaft» Noch gilt Schäfer-Gümbel als Kandidat von Ypsilantis Gnaden, als verlängerter Arm der gescheiterten Spitzenfrau. Aber die Voraussetzungen, aus dem Schatten der großen Vorsitzenden zu treten, hat er allemal. Er gilt in der Fraktion als ungemein fleißig, intelligent und gewissenhaft - und er hat Frau Ypsilanti jenes Maß an Pragmatismus voraus, das es ihm ermöglichen könnte, einen progressiv-linken Kurs zu fahren, ohne deshalb gleich wie ein Ideologe zu wirken. Rhein-Zeitung (Koblenz/Mainz): «Ypsilanti klammert sich an Posten» Hat der neue Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel überhaupt eine Chance, als bislang völlig Unbekannter ein wirklicher Herausforderer für Roland Koch zu werden oder ist er lediglich ein schnell aus dem Hut gezauberter Strohmann, der sich auf die Oppositions-Rolle im Wiesbadener Landtag einrichten kann? Für Letzteres würde sprechen, dass Andrea Ypsilanti sich nach wie vor an die Posten der Partei- und Fraktionsvorsitzenden klammert. Ob dies allerdings eine mittel- oder gar langfristige Perspektive für sie ist, darf bezweifelt werden. Zuviel Porzellan hat sie zerschlagen, zu sehr ist der hessische Scherbenhaufen mit ihrem Namen verbunden. Badische Zeitung (Freiburg): «Ein Nobody als Geisel» Ypsilanti behält die SPD weiter als Geisel für ihren Kreuzzug gegen Koch. Dass die Partei dies mit sich machen lässt, liegt wohl daran, dass es ihr an personellen Alternativen gebricht und dass es in den wenigen Wochen des Wahlkampfes über Weihnachten kaum gelingen kann, einen Nobody wie Schäfer-Gümbel zum Hoffnungsträger und Siegertypen aufzubauen. Selbst Barack Obama hat dafür deutlich länger gebraucht. Die Aufgabe ist also hoffnungslos. Denn Roland Koch wird sich kaum erneut selbst schlagen. Westfälische Nachrichten (Münster): «Der linke Hinterbänkler» Muss man sich diesen Namen merken? Thorsten Schäfer-Gümbel wird die schwer angeschlagene hessische SPD in den Landtagswahlkampf führen. Ein linker Hinterbänkler, ein Kandidat von Ypsilantis Gnaden, eine personifizierte Verlegenheitslösung. Sie steht für die durchaus kurze Personaldecke der hessischen Sozialdemokraten, aber auch für eine wahlpolitische Aussichtslosigkeit: Niemand in den Reihen der Berliner SPD-Prominenz vergeudete auch nur eine Sekunde des Nachdenkens darüber, in Hessen anzutreten. Ein politisches Himmelfahrtskommando. (dpa)
Allgemeine Zeitung Mainz: «Ein Zählkandidat»Schäfer-Gümbel dürfte den wenigsten Hessen bekannt sein. Das muss jedoch nach dem Drunter und Drüber der vergangenen Zeit nicht von Nachteil sein der neue Spitzenmann scheint unbelastet. Er wird als rhetorisch begabt beschrieben, gilt innerhalb der Partei als ambitioniert und engagiert. Doch kann er die Flügel miteinander versöhnen, kann er die Grabenkämpfe zwischen Rechts und Links befrieden, kann er die verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen? Wohl kaum. Denn er ist ein Gefolgsmann Ypsilantis und wird dem linken Lager zugeordnet. Mehr als ein Zählkandidat ist der 39-Jährige nicht. Der politische Gegner darf sich freuen.
Frankfurter Rundschau: «Neues Etikett, alte Verpackung»Es gibt zurzeit in Hessen bessere Jobs als den des SPD-Spitzenkandidaten. Weil das so ist, wollte auch niemand tauschen mit Thorsten Schäfer-Gümbel. Deshalb ist der unbekannte Mann jetzt Spitzenkandidat einer Partei, die die nächste Wahl schon verloren gegeben hat, und er selbst als Person ist das Symbol dafür. Für die Landtagswahl heißt das: Wer Ypsilanti eine neue Chance geben will, der wird Schäfer-Gümbel wählen. Wer das Vertrauen in Ypsilanti mit gutem Grund verloren hat, der wird ihn nicht wählen. Am wenigsten daran ändern kann Schäfer-Gümbel. Er ist für gut zwei Monate das neue Etikett auf der alten Verpackung. Im Inneren dieser Verpackung, und das macht seine Aufgabenbeschreibung völlig unrealistisch, ist es stockfinster.
Hessische/Niedersächsische Allgemeine: «Niemand beneidet ihn»Kennt jemand noch Heiko Hoffmann? Wahrscheinlich nicht. Hoffmann war Ende der 80er-Jahre Justizminister Schleswig-Holsteins, ein aufrechter, ehrlicher Mann. Und ein tapferer dazu. Er nahm die Bürde auf sich, die krisengeschüttelte CDU in die Landtagswahl 1988 zu führen. Es war der Wahlkampf nach der Barschel-Affäre. Hoffmann war chancenlos. Thorsten Schäfer-Gümbel findet sich in ähnlicher Lage wieder. Nicht, dass die Kieler Affäre damals vergleichbar wäre mit der Kontroverse um den Wortbruch Andrea Ypsilantis heute. Aber die Wahlchancen für Hessens SPD sind annähernd so schlecht wie die der Nord-CDU vor 20 Jahren. Schäfer-Gümbel tritt eine Aufgabe an, um die ihn niemand beneidet. Und in der er eigentlich nur Schadensbegrenzung betreiben kann. Dafür gebührt ihm Respekt.
Münchner Merkur: «Marionette einer Machtsüchtigen»Sieht so ein Neuanfang aus? Statt die Konsequenzen aus ihrem rot-rot-grünen Debakel zu ziehen und den Hut zu nehmen, bleibt Andrea Ypsilanti weiter an der Spitze der Hessen-SPD. Damit die Wähler die Mär vom Neubeginn glauben, übt sich Ypsilanti im Verzicht und ernennt einen Vertrauten zum Spitzenkandidaten für die Wahl. Von Thorsten Schäfer-Gümbel ist bisher nur bekannt, dass er als linker Pragmatiker neuen rot-roten Planspielen aufgeschlossen gegenüber steht. Warum sich der Mann nun als Marionette einer Machtsüchtigen missbrauchen lässt, bleibt sein Geheimnis. Es muss SPD-Chef Müntefering Überwindung gekostet haben, dieses peinliche Manöver als Neustart und Verjüngung zu loben.
Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Fleißig und gewissenhaft»Noch gilt Schäfer-Gümbel als Kandidat von Ypsilantis Gnaden, als verlängerter Arm der gescheiterten Spitzenfrau. Aber die Voraussetzungen, aus dem Schatten der großen Vorsitzenden zu treten, hat er allemal. Er gilt in der Fraktion als ungemein fleißig, intelligent und gewissenhaft und er hat Frau Ypsilanti jenes Maß an Pragmatismus voraus, das es ihm ermöglichen könnte, einen progressiv-linken Kurs zu fahren, ohne deshalb gleich wie ein Ideologe zu wirken.
Rhein-Zeitung (Koblenz/Mainz): «Ypsilanti klammert sich an Posten»Hat der neue Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel überhaupt eine Chance, als bislang völlig Unbekannter ein wirklicher Herausforderer für Roland Koch zu werden oder ist er lediglich ein schnell aus dem Hut gezauberter Strohmann, der sich auf die Oppositions-Rolle im Wiesbadener Landtag einrichten kann? Für Letzteres würde sprechen, dass Andrea Ypsilanti sich nach wie vor an die Posten der Partei- und Fraktionsvorsitzenden klammert. Ob dies allerdings eine mittel- oder gar langfristige Perspektive für sie ist, darf bezweifelt werden. Zuviel Porzellan hat sie zerschlagen, zu sehr ist der hessische Scherbenhaufen mit ihrem Namen verbunden.
Badische Zeitung (Freiburg): «Ein Nobody als Geisel»Ypsilanti behält die SPD weiter als Geisel für ihren Kreuzzug gegen Koch. Dass die Partei dies mit sich machen lässt, liegt wohl daran, dass es ihr an personellen Alternativen gebricht und dass es in den wenigen Wochen des Wahlkampfes über Weihnachten kaum gelingen kann, einen Nobody wie Schäfer-Gümbel zum Hoffnungsträger und Siegertypen aufzubauen. Selbst Barack Obama hat dafür deutlich länger gebraucht. Die Aufgabe ist also hoffnungslos. Denn Roland Koch wird sich kaum erneut selbst schlagen.
Westfälische Nachrichten (Münster): «Der linke Hinterbänkler»Muss man sich diesen Namen merken? Thorsten Schäfer-Gümbel wird die schwer angeschlagene hessische SPD in den Landtagswahlkampf führen. Ein linker Hinterbänkler, ein Kandidat von Ypsilantis Gnaden, eine personifizierte Verlegenheitslösung. Sie steht für die durchaus kurze Personaldecke der hessischen Sozialdemokraten, aber auch für eine wahlpolitische Aussichtslosigkeit: Niemand in den Reihen der Berliner SPD-Prominenz vergeudete auch nur eine Sekunde des Nachdenkens darüber, in Hessen anzutreten. Ein politisches Himmelfahrtskommando. (dpa)