Merkel zum 70. Jahrestag der Pogromnacht:
«Nie wieder eine Chance» für Antisemitismus
09.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit Blick auf die durch Zuwanderung aus Osteuropa wachsenden jüdischen Gemeinden betonte Merkel: «Jüdisches Leben muss immer einen guten Platz und eine gute Heimat in Deutschland haben.»
Die Wahlerfolge der NPD in jüngster Zeit sowie rechtsextremistische Organisationen, die sich beispielsweise durch Jugendarbeit in die Mitte der Gesellschaft schlichen, «werfen ein grelles Licht auf die mangelnde Durchsetzungskraft der demokratischen Kräfte gegen Rechtsextremismus», so die Zentralratspräsidentin.
70 Jahre nach dem NS-Terror laute daher der Auftrag, sensibel zu sein für «leise und weniger leise Signale antidemokratischer Entwicklungen im Land». Knobloch erwähnte, dass die Zeitzeugen bald für immer verstummen würden. Es sei daher die Pflicht, die Erinnerung an die Opfer aufrechtzuerhalten und an die Nachkommen weiterzugeben.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden in Deutschland von den Nationalsozialisten gesteuerte Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte und Wohnhäuser statt. Etwa 1400 Synagogen wurden in Brand gesetzt. Infolge der Pogrome verhafteten die Nazis rund 30.000 Juden und verschleppten sie in Konzentrationslager.
Rund 100 Juden wurden in der Nacht ermordet. Die Pogrome gelten als Auftakt zur systematischen Verfolgung der Juden, die in den Holocaust mündete. Die NS-Propaganda bezeichnete die Ereignisse vom 9. November 1938 beschönigend als «Reichskristallnacht», inzwischen hat sich der Begriff «Reichspogromnacht» etabliert. (epd/nz)

