Polizei bahnt den Weg für Castor-Zug:
Mit Schlagstöcken gegen Gleis-Blockierer
09.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Viel später als geplant wird der Zug nun im Ort Dannenberg erwartet, wo die Atommüllbehälter auf Tieflader umgeladen und dann auf der Straße nach Gorleben gebracht werden sollen. Etwa 15 Kilometer liegen zwischen Dannenberg und Gorleben - ausreichend Gelegenheit für Atomkraftgegner, auch hier wieder mit Blockaden alles zu verzögern. Wie eh und je ist einzig die Verzögerung des Transports das Ziel der Protestierenden. Dass die gefährlich strahlende Fracht letztlich irgendwo gelagert werden muss, ist allen klar. Nur sei das Zwischenlager in Gorleben, eine Halle mitten im Wald, nicht der geeignete Ort, so der Tenor der Castor-Gegner, zumal damit Fakten geschaffen würden und der Müll wegen eines fehlenden Endlagers vermutlich viel länger als gedacht dort relativ ungeschützt stehen werde.
Auch an anderen Stellen protestierten AKW-Gegner gegen den Castor-Transport, der am späten Nachmittag Lüneburg erreichen sollte. So fand zwischen Langendorf und Quickborn eine Pferdeprozession statt, die friedlich verlief. Auch gab es mehrere Mahnwachen. Zwischen Lüneburg und Dannenberg wurde ein Gleisstück vermutlich mit einem Wagenheber angehoben. Gleisarbeiter versuchten, den Schaden so schnell wie möglich zu reparieren.
Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer, Jochen Stay, zeigte sich erfreut über die große Zahl der Demonstranten: «Die Kette der Atommüll-Skandale und das Gerede von Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke hat viele Menschen wachgerüttelt. Statt des Comebacks der Atomenergie erleben wir in diesen Tagen die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung», erklärte er. Die elf Atommüllbehälter müssen in Dannenberg vom Zug auf Straßentieflader umgesetzt werden. Mit dem Weitertransport in Richtung Gorleben wird für den Montag gerechnet.
Der Zug hatte in der Nacht zum Sonntag die deutsch-französische Grenze mit erheblicher Verspätung überquert. Kernkraftgegner hatten sich in der Südpfalz an die Gleise gekettet. Mit dieser Aktion konnten sie zwölf Stunden lang verhindern, dass der Castorzug weiterfährt.
Nach dieser Verspätung werde der Zug gegen 11 Uhr in Hessen erwartet, teilte die Polizei in Fulda mit. Zur genauen Fahrstrecke wollte ein Sprecher keine Angaben machen. Von geplanten Störaktionen in Hessen sei aber nichts bekannt.
Am Sonntagmorgen war der Zug durch Baden-Württemberg gerollt und hatte dann Würzburg passiert, erklärte die Bundespolizei. Ziel des am Freitagabend in Frankreich gestarteten Transports ist das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen. (nz/dpa/AP)

