Polizei bahnt den Weg für Castor-Zug: 

netzeitung.deMit Schlagstöcken gegen Gleis-Blockierer

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Die Vorkehungen der Polizei konnten den Protest auf den Gleisen nicht verhindern (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Vorkehungen der Polizei konnten den Protest auf den Gleisen nicht verhindern
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Ein Atommüll-Transport rollt durch Deutschland, und die Situation zwischen Ordnungshütern und Demonstranten eskaliert. Viel später als geplant wird der Zug in Gorleben eintreffen.

Es ist ein Bild wie aus alten Tagen der Anti-Castor-Bewegung: Menschen blockieren an zahlreichen Stellen Gleise, die der Atommüll-Zug befahren muss. Die Polizei hat am Sonntagabend von einer «unübersichtlichen Lage» gesprochen. Wegen der Dunkelheit seien Blockierer nur schwer auszumachen. Der Zug müsse immer wieder stoppen, um niemanden zu gefährden.

Viel später als geplant wird der Zug nun im Ort Dannenberg erwartet, wo die Atommüllbehälter auf Tieflader umgeladen und dann auf der Straße nach Gorleben gebracht werden sollen. Etwa 15 Kilometer liegen zwischen Dannenberg und Gorleben - ausreichend Gelegenheit für Atomkraftgegner, auch hier wieder mit Blockaden alles zu verzögern. Wie eh und je ist einzig die Verzögerung des Transports das Ziel der Protestierenden. Dass die gefährlich strahlende Fracht letztlich irgendwo gelagert werden muss, ist allen klar. Nur sei das Zwischenlager in Gorleben, eine Halle mitten im Wald, nicht der geeignete Ort, so der Tenor der Castor-Gegner, zumal damit Fakten geschaffen würden und der Müll wegen eines fehlenden Endlagers vermutlich viel länger als gedacht dort relativ ungeschützt stehen werde.

Gewalt
Mit Gewalt hatte die Polizei am Mittag Atomkraftgegner vertrieben, die bei Hitzacker die Gleise blockiert hatten. Mit Schlagstöcken trieb ein massives Polizeiaufgebot am Sonntagmorgen 500 Demonstranten auseinander, sagte ein Polizeisprecher.

Polizisten seien mit Silvesterknallern und -raketen beschossen worden, daraufhin seien Schlagstöcke eingesetzt worden, erklärte die Polizei. Nach Angaben der Demonstranten gab es dabei mehrere Verletzte. Die Blockierer hätten sich in einen Wald zurückgezogen. «Es war eine sehr unübersichtliche Situation», sagte ein Sprecher der Polizei. Mehrere Feuer auf den Schienen seien mit Wasserwerfern gelöscht worden.

Auch an anderen Stellen protestierten AKW-Gegner gegen den Castor-Transport, der am späten Nachmittag Lüneburg erreichen sollte. So fand zwischen Langendorf und Quickborn eine Pferdeprozession statt, die friedlich verlief. Auch gab es mehrere Mahnwachen. Zwischen Lüneburg und Dannenberg wurde ein Gleisstück vermutlich mit einem Wagenheber angehoben. Gleisarbeiter versuchten, den Schaden so schnell wie möglich zu reparieren.

«Renaissance der Anti-Atom-Bewegung»
Unterdessen blockierten etwa 80 Demonstranten weiter die Einfahrt zum Zwischenlager Gorleben. Nach einer Demonstration von 15.000 AKW-Gegnern hatten sich am Samstagabend zunächst 500 Aktivisten vor der Einfahrt niedergelassen. Man sehe im Moment keinen Grund, gegen die Blockade vorzugehen, sagte ein Polizeisprecher.

Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer, Jochen Stay, zeigte sich erfreut über die große Zahl der Demonstranten: «Die Kette der Atommüll-Skandale und das Gerede von Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke hat viele Menschen wachgerüttelt. Statt des Comebacks der Atomenergie erleben wir in diesen Tagen die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung», erklärte er. Die elf Atommüllbehälter müssen in Dannenberg vom Zug auf Straßentieflader umgesetzt werden. Mit dem Weitertransport in Richtung Gorleben wird für den Montag gerechnet.

Der Zug hatte in der Nacht zum Sonntag die deutsch-französische Grenze mit erheblicher Verspätung überquert. Kernkraftgegner hatten sich in der Südpfalz an die Gleise gekettet. Mit dieser Aktion konnten sie zwölf Stunden lang verhindern, dass der Castorzug weiterfährt.

Nach dieser Verspätung werde der Zug gegen 11 Uhr in Hessen erwartet, teilte die Polizei in Fulda mit. Zur genauen Fahrstrecke wollte ein Sprecher keine Angaben machen. Von geplanten Störaktionen in Hessen sei aber nichts bekannt.

Am Sonntagmorgen war der Zug durch Baden-Württemberg gerollt und hatte dann Würzburg passiert, erklärte die Bundespolizei. Ziel des am Freitagabend in Frankreich gestarteten Transports ist das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen. (nz/dpa/AP)