Ypsilantis Ende: 

netzeitung.deDie Abweichler von Wiesbaden

 Herausgeber: netzeitung.de

Sorgte mit für Ypsilantis Niederlage: Dagmar Metzger (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Sorgte mit für Ypsilantis Niederlage: Dagmar Metzger
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Enttäuschte, die Bodenständige, die Karrierefrau und die Prinzipientreue - sie bilden das Quartett, das Andrea Ypsilanti ins Geschichtsbuch versenkte. Die Netzeitung stellt die Abweichler vor. Mit Audio

Nur die Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger hatte ihren Protest gegen die Wahl Andrea Ypsilantis mithilfe der Linksfraktion öffentlich gemacht: Sie erklärte bereits im Frühjahr, im Landtag gegen die SPD-Spitzenfrau stimmen zu wollen und verhinderte einen ersten Anlauf eines rot-grünen Regierungsbündnisses auf die Macht in Hessen. Nun folgten ihr drei weitere Abgeordnete, die mit ihrem Austritt aus der Fraktion und ihrem Nein zu Ypsilantis Wahl das Projekt einer von ganz links tolerierten rot-grünen Landesregierung beerdigen. Roland Koch bleibt bis auf Weiteres geschäftsführender Ministerpräsident und Leiter eines christdemokratischen Kabinetts. Wer sind die vier, die keine 24 Stunden vor der entscheidenden Abstimmung im Landeparlament zurückrudern?

Der Enttäuschte

Den Kampf um die Spitzenkandidatur hatte er knapp verloren, auch das Amt des Fraktionschefs wurde Jürgen Walter los: Mit seiner Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti liefert sich der 40-jährige Rechtsanwalt seit Jahren eine Dauerfehde. Zuletzt erklärte er, dass er den von ihm selbst mit ausgehandelten Koalitionsvertrag mit den Grünen ablehne. Innerhalb seiner Partei stand er als Gegner des rot-rot-grünen Projekts lange allein.

Bei den Ministerämtern war er leer ausgegangen, das lukrative Wirtschaftsressort gab Ypsilanti dem Energiepolitiker Herrmann Scheer, das angebotene Verkehrsressort lehnte Walter ab.

Statement von Jürgen Walter im O-Ton nachhören:


In Lebensstil und politischer Ausrichtung unterscheidet er sich grundlegend von der Vorsitzenden. Walter schätzt teure Cabrios und hat kürzlich eine Christdemokratin geheiratet. Ypsilantis Lebensgefährte ist in der SPD, mit ihm und ihrem Sohn lebt sie in einer Wohngemeinschaft.

Die Bodenständige
Silke Tesch, Jahrgang 1958, gelernte Erzieherin, sitzt als direkt gewählte Abgeordnete des Landkreises Marburg-Biedenkopf im Landesparlament. Sie gehört zum Wirtschaftsflügel der SPD und macht sich vor allem für die Förderung von Wirtschaft und Technologie stark.
Statement von Silke Tesch im O-Ton zum Nachhören:

Tesch kennt sich aus im Metier: 1980 gründete sie einen eigenen Familienbetrieb und ließ sich zur Industriekauffrau ausbilden. Mitglied der SPD ist sie seit 1995.

Die Parteikarrieristin
Die Rechts- und Politikwissenschaftlerin Carmen Everts, seit 1989 Mitglied der SPD, gehört zum konservativen Flügel der Partei. In den Landtag zog sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Groß-Gerau II ein. In der SPD-Fraktion ist sie unter anderem für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt zuständig.
Statement von Carmen Everts im O-Ton zum Nachhören:

Im Landtag engagierte sich Everts besonders für die Wirtschaftsförderung in strukturschwachen Gebieten oder für den Umweltschutz. Everts arbeitete In den 1990er Jahren als Marketingfachfrau und in der Personalabteilung des Sportartikelherstellers Nike. Parallel schrieb sie ihre Doktorarbeit – über Extremismus und Parteienforschung.

Die Prinzipienfrau
Die Bankkauffrau und Wirtschaftsjuristin Dagmar Metzger ist eine erfahrene Kommunalpolitikerin, in den Landtag zog sie im Januar zum ersten Mal ein – als gewählte Direktkandidatin für den Wahlkreis Darmstadt-Stadt II. Seit 1990 war sie SPD-Mitglied, sieben Jahre später wurde sie Stadtverordnete in Darmstadt.

Statement von Dagmar Metzger im O-Ton zum Nachhören:

Im März hatte Metzger mit ihrem Nein eine rot-grüne Regierungsübernahme in Hessen mit Hilfe der Linken noch im Alleingang gestoppt. Nun fand sie Mitstreiter.

Ihre Abneigung gegen die Linke leitet Metzger vor allem aus Erfahrungen in Berlin her, wo sie 1958 geboren wurde. Sie habe erleben müssen, wie entgegen allen offiziellen SED- Verlautbarungen die Mauer gebaut und ihre Familie zerrissen wurde. (nz)