Bildungs-Kampagne: 

netzeitung.deHessen kooperiert mit «Hürriyet»

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Um den Notenschnitt von Migranten zu verbessern, will Hessen unter Zuwanderer-Schülern um Vorbilder werben, die als speziell geschulte Coaches auftreten sollen.

Wer als Schüler in Hessen einen guten Notenschnitt aufweist und noch dazu aus einer Migrantenfamilie kommt, hat Chancen auf eine Spitzenaufgabe: Das hessische Kultusministerium plant, in Kooperation mit der türkischen Zeitung «Hürriyet», erfolgreiche Schüler aus Zuwandererfamilien als Trainer für ihre Alters- und Herkunftsgenossen zu gewinnen. «Ich habe es geschafft, Du schaffst es auch!» ist die Botschaft der Vorbild-Kampagne, die der kommende Woche möglicherweise scheidenden Minister Jürgen Banzer (CDU) kurz vor der zu erwartenden Wahl der SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin ankündigte.

Denn viele Schüler aus Zuwandererfamilien schneiden im Verglich zu ihren Altersgenossen deutscher Herkunft in Mathematik, Lesen und den Naturwissenschaften weit schlechter ab. Im Bundesschnitt sind es rund 40 Prozent. Die Bereitschaft zu Einsatz und Leistung ist in Migrantenfamilien hingegen deutlich stärker, wie eine Studie zur Lebenswelt von Zuwandern in Deutschland 2007 ergab. «Dieses Potenzial gilt es zu nutzen und zu aktivieren», begründet das hessische Ministerium sein Ansinnen.

Unter anderem mit Anzeigen in der von Türken viel gelesenen «Hürriyet» will Hessen die Zuwanderer-Familien interessieren und unter den Schülern um Vorbilder werben. Psychologen und Personalmanager sollen die Coaches dann schulen, um ihnen in den Klassen das Vermitteln von Lerntechniken, die Motivation von Mitschülern oder das Managen von Konflikten leicht zu machen.

Postkarten mit Slogans erfolgreicher Migranten sollen die Vorbilder-Suche flankieren, Prominente Zuwanderer als Botschafter das Anliegen öffentlich vertreten. Hinzu kommen Plakate, für deren Verbreitung das Ministerium auch Sponsoren aus Hessens Wirtschaft gewinnen will.

Am 4. November will sich die SPD-Spitzenfrau Ypsilanti mit ihrem rot-grünen Kabinett in die Regierung wählen lassen und damit das seit der Landtagswahl im Januar nur noch geschäftsführende Kabinett von Roland Koch (CDU) ablösen. Trotz aller parteipolitischer Animositäten dürfte sich Banzers potenzielle Nachfolgerin im Ministeramt, die Grüne Bundestagsabgeordnete Priska Hinz, der Kampagne ihres CDU-Vorgängers nicht verschließen. Denn die Förderung von Zuwanderern ist ein urgrünes Anliegen.


Für das Web ediert von Tilman Steffen