Saar-SPD-Chef Heiko Maas:
«Die Parteilinken werden nicht schweigen»
Heiko Maas Ich habe seitdem viel mit Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier gesprochen. Ich habe dabei betont, dass die SPD geschlossen in die kommenden Wahlen gehen muss. Das hat viel mit den inhaltlichen Fragen zu tun. Entscheidend ist, dass die sozialpolitischen Beschlüsse des Hamburger Parteitages Gültigkeit behalten. Das haben beide mittlerweile auch versichert. Daher wird es auf dem Sonderparteitag ein gutes Wahlergebnis für beide geben, da bin ich mir sicher.
Maas Unser Arbeitsminister Olaf Scholz ist da mit dem Mindestlohn auf dem richtigen Weg. Gut ist, dass er dafür die Unterstützung der Bundesregierung hat. Die Unionsparteien sollten ihren Widerstand gegen die Ausweitung des Entsendegesetzes endlich aufgeben. Die SPD wird ihre politischen Ziele in den kommenden Monaten in ihrem Regierungsprogramm fortschreiben. Da wird das Thema Arbeit im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört auch die Begrenzung des Missbrauchs der Leiharbeit. Die SPD ist eindeutig der soziale Motor der Koalition.
Netzeitung: Was bewirkt die Übernahme des Führungsamtes durch Müntefering für die SPD?
Netzeitung: Mit seinem Rückzug 2005 hat Müntefering gezeigt, wie radikal er bei innerparteilichem Widerstand reagieren kann. Wie weit dürfen sich die Parteilinken künftig mit ihren Forderungen noch vorwagen?
Netzeitung: Ein solcher Punkt ist die Rente mit 67. Sie wollen sie durch eine milliardenteure Förderung abfedern. Konsequent wäre doch, zur alten Regelung zurückzukehren.
Maas Das Thema ist entschieden. Es kommt jetzt darauf an, Härten bei der Rente mit 67 durch Altersteilzeit und Teilrente abzufedern. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie.
Maas Er ist der Beste für dieses Amt. Alle Flügel der Partei müssen sich darüber klar werden, dass die Partei sich nicht in Kämpfen zerreiben darf. Zu einmal getroffenen Beschlüssen müssen alle stehen, nachdem wir sie gemeinsam getroffen haben.
Netzeitung: Derzeit drängen sich alle Parteien in der politischen Mitte. Wie will die SPD sich aus dem Mix der Standpunkte abgrenzen?
Maas Was ist die politische Mitte? Die Parteien müssen anerkennen anerkennen, dass die Mehrheit der Menschen Willy Brandt sprach einmal von der 'Arbeitnehmermitte' große Sorgen hat. Die zentrale Frage dabei ist, wie viel Staat wir brauchen. Angesichts der Finanzmarktkrise akzeptiert die gesamte politische Mitte, selbst die Liberalen, dass es ein Primat des Staates ist, der Wirtschaft einen Ordnungsrahmen vorzugeben. Wirtschaft muss dem Allgemeinwohl nützen. Das hat der Staat durchzusetzen.
Netzeitung: Sie beobachten die Arbeit der Großen Koalition ja aus einer gewissen Distanz. Die SPD konnte manches ihrer Ziele durchsetzen. Doch die Erfolge schreibt der Wähler zumeist der Kanzlerin zu. Woran liegt das?
Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas ist Bundesvorstandsmitglied der Partei. Mit ihm sprach Tilman Steffen

