Bundespräsidentschafts-Kandidatur: 

netzeitung.deDie Guerilla-Nominierung des «Bruno Ehrlicher»

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Sodann (M.) als Linkspartei-Sympathisant (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sodann (M.) als Linkspartei-Sympathisant
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Indem die Linkspartei einen chancenlosen Kandidaten um das Bundespräsidentenamt ins Rennen schickt, nützt sie vor allem sich selbst, meint Tilman Steffen . Den Schaden hat das höchste Staatsamt. Die Gäste von Peter Sodanns Werbetour werden das merken.

Die DDR schaffte den Posten des Staatspräsidenten 1960 kurzerhand ab, nachdem Wilhelm Pieck starb. Er blieb der erste und der letzte seiner Art. Man kann die Notwendigkeit eines Bundspräsidenten, der über keinerlei politische Macht verfügt und die zwölf Monate zwischen den Neujahrsansprachen mit Reden, Besuchen und Empfängen füllt, in Zweifel ziehen. Doch noch haben wir ihn, und im Mai 2009 steht eine weitere Wahl an.

Derzeit residiert ein ehemaliger Sparkassenverbandsdirektor in Schloss Bellevue, warum nicht auch einmal ein Schauspieler? Selbstdarstellung hat auch mit Repräsentation zu tun, und darum geht’s beim höchsten Staatsamt schließlich. Die Linkspartei lässt nun den Hallenser Mimen Peter Sodann gegen Amtsinhaber Horst Köhler und dessen SPD-Herausforderin Gesine Schwan antreten. Eigentlich wollte die Partei Schwan unterstützen. Aber seit dem diese sich kritisch über Linken-Chef Oskar Lafontaine ausließ, suchte der nach einem eigenen Kandidaten.

Der nun nominierte Peter Sodann, Ex-Kommissar des MDR-«Tatort», ist ein Feingeist von verschwurbelter Ausdrucksweise, aber mit Blick fürs Detail - ganz der Ermittler. Als «Bruno Ehrlicher» hatte er seinen Platz im Herzen vieler Ostdeutscher, dem Rest des Fernsehpublikums war der sinnierende Kauz in seiner Leipziger Welt meist zu wenig trendy.

Als erste Amtshandlung würde er eine neue Nationalhymne vorschlagen, sagte Sodann nach seiner Nominierung – mit einem Brecht-Text über Anmut und Leidenschaft. Er ist eben ein Linker mit Herz, ein fast Radikaler. Er habe Probleme mit dem achten Gebot der Bibel, gibt er offen zu. «Wenn einer partout nicht teilen will, muss man ihn zwingen.» Ein derart laxer Umgang mit dem Besitz Vermögender erinnert an Bodenreform, Zwangsenteignung und Vergesellschaftung. Darauf fußte die schon die DDR-Wirtschaft mit ihrem so genannten Volkseigentum.

Doch der heute 72-Jährige ist kein Altkommunist. Auf ihn sollen fast 100 Stasi-Spitzel angesetzt gewesen sein, er saß wegen systemkritischer Schauspieltexte im Gefängnis. Vor drei Jahren wollte er für die damalige PDS in den Bundestag, doch die ARD stellte ihn vor die Wahl: «Tatort» oder Parlament. Sodann entschied sich fürs Fernsehen. Als «Bruno Ehrlicher» dann doch in Rente ging, hatte Sodann Mühe, auf den Bühnen Gesamtdeutschlands Fuß zu fassen. Indem er sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen lässt, nutzt er die Chance, der ihm nahe stehenden Partei einen letzten Dienst zu erweisen. Zugleich krönt er damit seine eigene Biografie.

Die Linkspartei hat schon das Parteiensystem durcheinander gewirbelt. Mit ihrer Guerilla-Nominierung bewirkt sie nun einen weiteren Kulturbruch: Statt etwa die SPD-Kandidatin Gesine Schwan zu unterstützen, lässt sie ihren in der Bundesversammlung chancenlosen Kandidaten antreten, um ihn in den Monaten bis zur Wahl als Multiplikator zu nutzen. Das sagt viel über die Linkspartei und ihre Kooperations- und Koalitionsfähigkeit.

Sodann taugt nur, das Selbstbewusstsein der Partei und ihrer Anhänger zu stärken. Wenn er in den nächsten Monaten durchs Land tingelt, kann man davon ausgehen, dass sein Publikum weiß, dass es eine Show erlebt. Denn die in diesen Kandidaten hineingelegte Sympathie ist eine Fehlinvestition. Sie wird wirkungslos verpuffen. Man kann Sodanns Nominierung getrost als Irreführung betrachten.