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Moscheebauten in Deutschland: 

Kampf der Kulturen zum Anfassen

16. Okt 2008 07:48
Letzte Arbeiten in der Berliner Moschee
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In einer Zeit, da viele Kirchen schließen, werden Moscheen schnell als Bedrohung empfunden. Nirgends zeigt sich das so wie in Berlin, wo Anwohner protestieren, sobald Muslime aus den Hinterzimmern drängen. Von Tilman Steffen

Die Sonne steht gerade günstig über der Moschee im Berliner Nordosten. Klaus Mangold hebt die Kamera und knipst. Das Foto soll in die Mappe mit den Referenzobjekten. Der Augsburger Bauklempner hat die Kuppel des Neubaus wetterfest gemacht: Vier Schichten Kunststoffanstrich, dazwischen ein Vlies gegen Risse. Silbergrau schimmert die Wölbung im Herbstlicht. Drei Würfel abnehmender Größe bilden den Rumpf des muslimischen Bethauses im Stadtteil Pankow, ein halbrund behelmtes Türmchen ragt bis zur Höhe der Kuppel hinauf. Vier mal zwei Fenster auf jeder Seite sorgen für Transparenz.

Das ist neu an diesem Gotteshaus: Man kann es vorzeigen. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde hat ihr Hinterzimmer am nördlichen Stadtrand verlassen und im schmucken Pankow gebaut. Doch weil die zentralen Plätze in europäischen Städten belegt sind, bleiben für Moscheen nur die Lücken: Zwischen «Kentucky Fried Chicken», «Eichmanns Autodienst» und einer Shell-Tankstelle duckt sich das Bauwerk ins Gelände, wie abgeworfen von einem der Flugzeuge, die im Landeanflug wenige Dutzend Meter über die Kuppel hinwegdröhnen.

Im Abendland wuchsen Städte und Dörfer um die Kirchen herum. Die Berliner Moschee schaffte es nur ins Gewerbequartier unweit des Autobahnzubringers, wo Achzehntonner vorbeidonnern und sich während des Freitagsgebets die Pendler stauen. Einen Architekturpreis werden ihre Schöpfer nicht erwarten können. Mit ihrem Rollrasen-Betonpflaster-Charme ist die Örtlichkeit frei von jeglicher Extravaganz und erinnert eher an ein steuersparend errichtetes Ärztehaus. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass die Gesellschaft in Sachen Gotteshäuser einen Wandel durchlebt. Oft verläuft er unter Schmerzen, wie in Berlin, wo eine Bürgerinitiative aus dem benachbarten Villenviertel den Neuankömmlingen einen kalten Empfang bereitet.

Die Ahmadiyya-Moschee in Berlin
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Die Ahmadiyya-Muslime tolerierten Gewalt gegen Frauen, wird Joachim Swietlik nicht müde, zu betonen und führt Schriften des Gemeinde-Kalifen an. Swietlik, Dozent und Arbeitsvermittler, führt die 80 Mitglieder starke «Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger» an, die 20.000 Unterschriften gegen den Bau sammelte. Sie organisierte Protestveranstaltungen, Streitgespräche, Demonstrationen. Das Klima ist rau: Im Büro des benachbarten Sanitärinstallateurs erstirbt das Gespräch zu eisigem Schweigen, wenn jemand die Moschee erwähnt. Insgesamt sieben Zwischenfälle zählte die Polizei in den vergangenen zweieinhalb Jahren. die NPD witterte ihre Chance, im Sommer schmierten Extremisten «NSDAP» an die Kuppel.

Die Ahmadiyya-Leute weisen den Prügel-Vorwurf weit von sich. «Kein einziges Mitglied trägt solche Gedanken in sich», beteuert Abdullah Uwe Wagishauser. Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, aus Frankfurt angereist, ist schon rein äußerlich die personifizierte Deeskalation: Baskenmütze, grauer Bart, Krawatte, Jackett. Vor 32 Jahren wurde er in Bonn zum Muslim. Auf den Gitterbeton-Rippen auf dem Parkplatz vor der Berliner Moschee hat er zwei Stühle zurecht gerückt, um in Ruhe zu erzählen. Die immer neuen Verdachtsmomente gegen Muslime seien durch den Umstand genährt, dass islamischen Staaten Demokratie fremd ist, sagt er. Dabei hätten sich die Moslems in der Diaspora von manch extremen Ansichten in ihren Herkunftsregionen längst verabschiedet: «Die Muslime werden erwachsen.»

Im Obergeschoss der Ahmadiyya-Moschee in Berlin
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Über seine kritischen Nachbarn ist ihm kein schlechtes Wort zu entlocken. Hinter deren Widerstand vermutet er Frust über den Niedergang im Berliner Nachwende-Osten oder einfach fehlende Erfahrung im Umgang mit Andersgläubigen, wie sie im Westen in Jahrzehnten wuchs. Denn wenn auch Kirchen dicht machen, werden Moscheen leichter als Bedrohung empfunden. Selbst, wenn Wagishauser den Extremismus-Vorwurf kopfschüttelnd als «abwegig» zurückweist, bleibt seine Ausstrahlung großväterlich. Zumindest an der Gemeindespitze ist hier nichts Verwerfliches auszumachen. Der Konflikt sei ein Streit um die Auslegung des Korans, führt der Imam der Gemeinde, Abdul Basit Tariq, an. Wieder einmal. Christen ist das nicht unbekannt, auch Bibeltexte lassen mancherlei Schlüsse zu.

Doch nicht nur mit dem Islamismus- und Extremismus-Vorwurf machen deutsche Moschee-Gegner Front, auch in den Niederungen des Baurechts wird der Kampf der Kulturen ausgetragen, der sonst nur im Verborgenen tobt. In deutschen Amtsstuben geht es um die Höhe von Kuppeln und Minaretten, Abstände zu Nachbarn oder die architektonische Konkurrenz zu nahe gelegenen Kirchen.

An solche Spannungen wird sich Deutschland gewöhnen müssen: Das Islam-Archiv in Soest zählte mehr als 200 Moscheen, im Bau oder geplant sind weitere 120. Entsprechend reich ist das Land an Widerständlern wie denen in Pankow. Deren Tenor beschränkt sich auf die Position: «Eine Moschee gern, aber nicht bei uns.» Im konservativen Bayern toste der Applaus am heftigsten, wenn Ex-CSU-Chef Stoiber konstatierte, dass kein muslimisches Bethaus eine Kirche überragen dürfe. Doch muslimische Gemeinden haben es bundesweit schwer:

– In Frankfurt-Hausen sorgten Pläne für eine Moschee türkischer und pakistanischer Schiiten für Aufregung. Anwohner fürchten eine Islamisierung ihrer Heimat und wendet sich gegen eine weitere Moschee in Hausen – es wäre die dritte. Doch die Stadt erteilte die Baugenehmigung schließlich.

– Seit Jahren bemüht sich der muslimische Al-Muhajirin-Verein in Bonn um die Erlaubnis, eine eigene Gebetsstätte errichten zu dürfen. Den Bau einer Kuppelmoschee im Stadtteil Tannenbusch lehnte die Stadt jedoch ab, weil sie eine Ghettobildung fürchtet. Schließlich schlug die Stadt Bonn sechs Standorte als Alternative vor, über die nun verhandelt wird.

– Der Streit um den Bau einer Ahmadiyya-Moschee im rheinland-pfälzischen Neuwied landete vor dem Verwaltungsgericht Koblenz. Die Richter erlaubten den Bau, nachdem der städtische Rechtsausschuss das Projekt zunächst blockiert hatte.

Die Duisburger Zentralmoschee gilt dagegen als Vorbild für Integration und eine gelungene Zusammenarbeit mit Kirchen, Politik und Anwohnern. Deutschlands größtes muslimisches Bethaus soll Ende Oktober öffnen.

Der Augsburger Bauklempner Mangold kann vielleicht bald eine weitere Moschee zu seinen Referenzen heften: Er mischt in seiner Stadt bereits bei der Planung eines Ahmadiyya-Bethauses mit und hat Chancen auf einen weiteren Auftrag. Über die Arbeitswoche in Berlin erzählt er nur Gutes: «Alles wahnsinnig freundliche Leute hier.»

Gemeindevorsitzender Wagishauser kann seine Moschee jedoch nur unter Polizeischutz eröffnen. Seine Gegner von der Initiative « ipahb» werden demonstrieren. Das Motto: «Für Demokratie und Menschenrechte». Aber auch die Moschee-Unterstützer der Initiative «Wir sind Pankow - tolerant und weltoffen» sammeln sich in der Nähe. Die Demonstranten- Guerilla von der Antifa, die schon mehrfach gegen die «Rassisten von Pankow» aufmarschierte, wird die Polizei auf Trab halten. Denn die örtliche NPD hatte eine Mahnwache angekündigt. (mit epd)

 
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