Eine halbe Billion fürs Rettungspaket:
Länder wollen nicht mitretten
13.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auch der Hamburger Senat sieht die geplante 35-prozentige Beteiligung der Länder an dem Banken-Rettungspaket der Bundesregierung skeptisch. «Ob eine solche Pauschalquote der richtige Weg ist, daran haben wir derzeit noch Zweifel», sagte Senatssprecher Christof Otto am Montag in Hamburg.
Natürlich könnten sich die Bundesländer in der Finanzkrise nicht aus der Verantwortung stehlen. «Aber die Länder sollten aus unserer Sicht vor allem für Landesbanken und kommunale Einrichtungen wie Sparkassen eine besondere Rolle und Verantwortung haben», sagte Otto.
Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag, Mike Mohring, lehnte eine Beteiligung seines Bundeslandes ab. «Wir machen da nicht mit», sagte er der «Thüringer Allgemeinen». Thüringen müsse - wie alle Ost-Länder - ab dem nächsten Jahr einen drastischen Rückgang der Solidarpakt-Gelder verkraften. «Mit der zusätzlichen Belastung durch eine Milliardenbürgschaft würde unser Haushalt implodieren», wird er zitiert. Der Aufbau Ost würde damit «faktisch beendet».
Kritik kam auch vom brandenburgischen Finanzminister Rainer Speer. «Nach dem Gesetzentwurf bestimme der Bund die Kriterien für die Inanspruchnahme der Hilfen. Dann kann meiner Meinung nach auch nur der Bund die damit verbundenen allgemeinen Risiken tragen», sagte der SPD-Politiker laut der «Märkischen Allgemeinen». Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen signalisierten dem Bund hingegen Unterstützung.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte die Länder zur Beteiligung am milliardenschweren Rettungspaket für die Banken aufgerufen. «Wir sind der Auffassung, dass es sich um eine gesamtstaatliche Aufgabe handelt hier und dass deshalb die Länder ihren Anteil an den Lasten (...) zu tragen haben», sagte Steinbrück. Wenn überdies Landesbanken auf das Paket zugreifen müssten, «dann wird es um eine zusätzliche Inpflichtnahme gehen».
Weitere 100 Milliarden Euro stünden als Kapitalhilfen für in Liquiditätsengpässe geratene Finanzunternehmen zur Verfügung und würden als Verpflichtungsermächtigungen im Haushalt wirksam. Mit den Bausteinen für eine neue Finanzverfassung «greifen wir ohne Frage hart durch», sagte Merkel. Es dürfe sich aber nicht das wiederholen, was man gerade an den Finanzmärkten beobachte. Die Maßnahmen hätten ein Ziel: «Sie sollen helfen, dass neues Vertrauen entsteht.»
Die Kanzlerin forderte von der internationalen Staatengemeinschaft Konsequenzen aus der Krise. Sie nannte unter anderem eine Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF), eine Verbesserung der Arbeit der Ratingagenturen und die Absicherung von finanziellen Risikoprodukten durch Eigenkapital der Banken.
Die EU-Kommission hat die in Deutschland und weiteren Mitgliedstaaten vorgestellten Rettungspakete für Banken begrüßt.
«Ich begrüße die Tatsache, dass die gestern in Paris getroffene Vereinbarung jetzt auf nationaler Ebene in konkrete Aktionen umgesetzt wird, um Liquidität wiederherzustellen und Banken zu rekapitalisieren», erklärte Barroso auf einer Konferenz der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) in Brüssel. Die Deutsche Bank und die Commerzbank zeigten sich über den Rettungsplan ebenfalls erfreut. (dpa, AP, nz)

