Während Kauder die CSU nur indirekt und ohne namentliche Nennung ermahnte, wurden andere Unionspolitiker deutlicher. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) bekräftigte in der Online- Ausgabe des «Handelsblatts» seine Warnung: «Es wäre fatal, wenn ausgerechnet die Union zu verantworten hätte, wenn künftig größte Einkommen erbschaftsteuerfrei wären.» Der Finanzexperte der Unionsfraktion, Otto Bernhardt (CDU), sagte im «Focus»: «An den wenigen Punkten, die noch offen sind, wird und darf die Reform nicht scheitern.»Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles warf der CSU vor, die Erbschaftsteuer verhindern zu wollen. Ihre Haltung sei auch auf unionsinterne Konflikte nach dem Wahldebakel der CSU zurückzuführen, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Fraktionschef Peter Struck sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, es sei an der «Grenze zur Irrationalität», wie die CSU ihr verlorenes Ansehen mit «kindischen Trotzreaktionen» auszugleichen versuche. Nahles kritisierte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» auch die Kanzlerin: «Die CSU tanzt Frau Merkel auf der Nase herum.»
Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle schlug der CSU für den Fall einer Koalition in Bayern einen Verzicht auf die Erbschaftsteuer vor. Die Länder sollten selbst über die Steuer entscheiden können, erklärte er in der «Bild»-Zeitung. Auch Ramsauer sprach sich für eine «Regionalisierung» aus. (dpa)