09.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bald sollen die Zeichen für den Börsengang wieder auf grün stehen
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Die Teilprivatisierung des Konzerns völlig abzusagen, würde «erhebliche Rückschläge» bedeuten, sagt die Kanzlerin. Die Opposition fordert neues Personal und «frische Ideen». Der Finanzminister muss sich Sorgen machen.
Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Börsengang der Bahn nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Merkel sagte am Donnerstagabend in Berlin: «Ich gehe davon aus, dass es ein geschäftliches Umfeld geben wird, in dem dann die Bahnprivatisierung stattfinden kann.» Zumindest werde der Versuch der Teilprivatisierung, den sie für richtig halte, nicht beendet. Das Unternehmen sei lange auf den Börsengang vorbereitet worden, sagte Merkel. «Wir würden erhebliche Rückschläge erleben, wenn wir das jetzt nicht machen.»
Verkehrsexperten von Union und SPD haben die Verschiebung des Börsengangs bei der Bahn gutgeheißen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) teilte mit, zwar sei die Bahn grundsätzlich ein solides und defensives Papier. «Die Gefahr, dass die Aktie von der allgemeinen Vertrauenskrise mit in die Tiefe gerissen wird, ist aber einfach zu groß.» Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warb dafür, einen zweiten Anlauf noch in diesem Jahr zu unternehmen. Denkbar ist dies noch bis Mitte Dezember oder auch im Frühjahr 2009. Einen späteren Zeitpunkt will die Bahn wegen des aufziehenden Bundestagswahlkampfs vermeiden.
Grüne wollen neue LeuteDie Grünen forderten einen Neuanfang in der Bahnpolitik «mit frischen Ideen und neuen Leuten». Die Linke-Fraktion im Bundestag verlangte Mehdorns Ablösung und einen völligen Verzicht auf den Börsengang. Die schwarz-rote Koalition hatte sich nach jahrelangem Streit auf eine Teilprivatisierung des letzten großen Staatskonzerns geeinigt. Dafür wurde die Tochter DB Mobility Logistics ausgegründet, die den Personen- und Güterverkehr vereint. Der Mutterkonzern Deutsche Bahn mit dem 34.000 Kilometer langen Gleisnetz und den Bahnhöfen soll weiterhin beim Bund bleiben.
Finanzminister Peer Steinbrück kommen mit der Verschiebung des Bahnbörsengangs schon wieder anderthalb Milliarden Euro abhanden, die er zur Erzielung eines ausgeglichenen Haushalts 2011 eingeplant hatte. Der Erlös aus der Teilprivatisierung sollte 4,5 Milliarden bringen, die Steinbrück, Bahnchef Hartmut Mehdorn und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee unter sich aufteilen wollten.
Tiefensee: «Entsprechender Erlös nicht zu erzielen»Mehdorn wollte mit seinem Drittel das Kapital der AG erhöhen, Tiefensee wollte Bahnhöfe renovieren, Lärmschutzmaßnahmen für den immer stärker werdenden Güterverkehr einleiten und große Infrastrukturprojekte anschieben. Wann dieses Geld jetzt kommt, ist durchaus offen. Manche orakeln sogar, es sei offen, ob es überhaupt komme.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte: «Im derzeitigen Marktumfeld ist ein entsprechender Erlös offensichtlich nicht zu erzielen». Da es ein «Verschleudern von Aktien unter Wert» nicht geben werde, sei die Verschiebung unumgänglich. Angepeilt worden waren Erlöse in einer Größenordnung zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Am Mittwoch hatte der zweite aktuelle Börsenaspirant Schott Solar einen für Donnerstag geplanten Kapitalmarktstart gestoppt. (nz/dpa/AP)