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Erwin Huber: 

Der Mann aus der zweiten Reihe

30. Sep 2008 13:48
Kaum stand er auf der Bühne - war er auch schon wieder weg
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Er hatte große Pläne. Erwin Huber wollte für den Bundestag kandidieren und Minister werden. Als Stoiber-Adlatus hatte er sich nach oben geackert. Kritisiert wurde er allerdings nicht erst seit dem Wahldebakel.

Plötzlich geht dann doch alles ganz schnell. Zu groß ist der Druck auf Erwin Huber. Ein Absturz auf 43,4 Prozent – das ist zu viel für einen Parteivorsitzenden der CSU. Nach der Vorstandssitzung am Montag hatte der 62-Jährige noch gesagt, er klebe nicht an Ämtern, aber eine Flucht aus der Verantwortung könne es nicht geben. Ein Sonderparteitag Ende Oktober solle über die Konsequenzen der Wahlschlappe vom Sonntag entscheiden – das war der offizielle Wille des Vorstands. Wenige Stunden später ist dieser Plan Makulatur. Noch in der Nacht wird der CSU-Chef zum Rückzug gedrängt.

Jahrelang war Huber immer der Mann in der zweiten Reihe. Dann kam seine große Chance: Anfang 2007, bei der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth, griff er gemeinsam mit Günther Beckstein nach Edmund Stoibers Ämtern als Partei- und Regierungschef. Im Oktober wurde der heute 62-Jährige, dessen Traum eigentlich immer das Ministerpräsidenten-Amt war, an die Spitze der CSU gewählt. Schon einmal, 2005, hatte Huber als ein Kronprinz Stoibers gegolten – bis der in letzter Minute doch noch einen Rückzieher machte und ein Ministeramt in Berlin ausschlug.

Der fleißige Niederbayer trat sein neues Amt mit einer optimistischen Partei im Rücken an. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 29. September 2007, wurde er zum siebten Parteichef der CSU-Geschichte gewählt. «Gehen wir mit Mut und mit Gottvertrauen in die nächsten Jahre», rief er nach dem Sieg in der Stichwahl über Bundesagrarminister Horst Seehofer, den Delegierten zu.

Ein Knecht, kein Bauer?

Aber es lief nicht gut. Die Schlappe bei den Kommunalwahlen, das Aus für das Prestige-Projekt Transrapid, die Querelen um das Rauchverbot und das Milliarden-Debakel bei der Landesbank – all dies setzte ihm zu. Die CSU habe in Berlin an Einfluss verloren, wurde immer wieder kritisiert. Aus einem Knecht werde eben kein Bauer, lästerte die Opposition. In einem Untersuchungsausschuss musste sich Huber, der als bayerischer Finanzminister auch Verwaltungsrat-Vize bei der BayernLB ist, gegen Lügenvorwürfe wehren.

Die parteiinterne Kritik erreichte vor einer Vorstandsklausur in Wildbad Kreuth im April einen ersten Höhepunkt. Nur mühsam konnten Huber und Beckstein die Wogen wieder glätten. Im Mai landete der CSU-Chef dann mit einem 28-Milliarden-Euro-Steuerentlastungskonzept einen Coup – biss mit seinem Vorpreschen in Sachen Pendlerpauschale aber bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Granit. Kritik auch in den eigenen Reihen zog Huber mit seiner «Kreuzzug»-Wahlkampagne gegen die Linke auf sich. Doch nicht nur deshalb wird er maßgeblich für das Wahldesaster verantwortlich gemacht.

Einstiger Steuerinspektor

Huber – geboren am 26. Juli 1946 im niederbayerischen Reisbach – wuchs als jüngster Sohn einer Kriegerwitwe auf dem Einsiedlerhof eines Onkels auf. 1978 kam er erstmals in den Landtag. 1988 berief der damalige CSU-Chef Franz Josef Strauß den forschen Mann von kleiner Statur zum Generalsekretär. Unter Stoiber wurde der einstige Steuerinspektor Staatskanzleichef, Finanz- und Wirtschaftsminister, unter Beckstein Finanzminister.

Nach der Bundestagswahl 2009 wollte Huber, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, Bundesminister werden – ganz nach seinem Motto: «Ein Niederbayer kennt keine Furcht.» Dies hat sich nun wohl erledigt. (Christoph Trost, dpa)

 
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