Bayern-Wahl: 

netzeitung.deBeckstein klammert sich ans Amt

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Hier war er noch hoffnungsfroh: Beckstein bei der Stimmabgabe (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Hier war er noch hoffnungsfroh: Beckstein bei der Stimmabgabe
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dem Schock folgte ein Eingeständnis: Die CSU hat ihr Wahlziel nicht erreicht. «Ziemlich kalt erwischt» wurde die Partei von dem Willen des Wählers, eine Koalitionsregierung zu bilden. Die SPD kaschiert ihre Schmach dagegen.

Als die Balken auf den Bildschirmen nach oben zogen, blieb der schwarze unerwartet früh stehen. Dem Entsetzen in der CSU-Wahlzentrale folgte bald das Anerkenntnis, das Wahlziel nicht erreicht zu haben. «Das ist ein schmerzhafter und ein schwieriger Tag für die CSU», sagte Parteichef Erwin Huber.
In den nächsten Tagen werde man über das Ergebnis beraten und analysieren. Es wäre falsch, heute noch Schlussfolgerungen zu ziehen. Das Resultat beruhe auf Einflüssen, die sich über die letzten fünf Jahre erstreckten.

«Wir nehmen Entscheidung des Wählers nicht nur zur Kenntnis sondern versuchen auch Konsequenzen zu ziehen», sagte Huber. Die CSU stehe zu ihrer Verantwortung für das Land. Doch er musste auch Gerüchte zerstreuen, der Spitzenkandidat und Ministerpräsident könnte seine Ämter angesichts der Schmach niederlegen. «In der CSU haben wir weiterhin das Vertrauen in die Gestaltungskraft von Günther Beckstein.» Beckstein ist vergleichsweise aletrnativlos, zudem beliebt im Volk. Huber selbst steht nach dem Desaster vom Sonntag dagegen durchaus zur Disposition. Rivalen wie CSU-Vize Horst Seehofer warten nur auf einen geeigneten Moment.

Der Wähler entschied sich für eine Koalitionsregierung, erkannte Beckstein: «Wir haben es nicht geschafft, den Menschen deutlich zu machen, dass wir einen alleinigen Auftrag der Regierungsbildung brauchen», sagte er in einer ersten Reaktion und bekannte, er sei «ziemlich kalt erwischt worden». Nun stehe er stehe für eine Koalitionsregierung zur Verfügung. Dazu wolle er vor allem mit der FDP Gespräche aufnehmen.

«Schwarzer Tag»
CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sprach von einem «Schwarzen Tag für die CSU». Aus Berlin kam Trost: CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bescheinigte der Schwesternpartei, einen engagierten Wahlkampf geführt zu haben, mit dem sie «das angestrebte Wahlziel der absoluten Mehrheit nicht erreicht» habe. Es gebe im Bund alle Chancen für Union und FDP, eine Mehrheit zu erzielen, folgerte er. Er rechne mit einer bürgerlichen Koalition in Bayern, für die schon in den nächsten Tagen die Weichen gestellt werden dürften. Im Hinblick auf das Ergebnis der SPD spottete Pofalla, der «Steinmeier-Faktor» sei ausgeblieben.

In München versuchte ein freudestrahlender Franz Maget die Tatsache zu kaschieren, dass er als bayerischer SPD-Spitzenkandidat mit 19 Prozent das schlechteste Ergebnis der Landesparteigeschichte einfuhr. Das Resultat mache seine Partei «stolz und selbstbewusst». Man freue sich erst einmal darüber, dass die bisherige Mehrheitspartei CSU 17 Prozent verloren hat. Maget zeigte sich regierungsbereit: «Wir wollen Verantwortung für unsere Heimat übernehmen.» SPD-Landeschef Ludwig Stiegler gab sich gedämpfter: Die SPD habe «Grund zum Nachdenken» über die Frage, warum die Menschen nicht direkt zur SPD kamen.

Der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier, sprach in Berlin von einem «Erdbeben» und streute Optimismus: «Bayern gehört nicht mehr einer Partei», erkannte er. Das Ergebnis der CSU sei nicht nur ein Problem des Spitzenpersonals, also der Führungskräfte Huber und Beckstein, sondern Ausdruck des Wählerwillens, dass die CSU-Alleinherrschaft nicht mehr gewollt sei.

Die Wahlbeteiligung lag zumindest in den größeren bayerischen Städten am Sonntag über der vom letzten Mal. 2003 hatten 57,1 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. (nz)