Schäuble warnt:
Deutschland «im Fokus» des Terrorismus
27.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auch aus der Polizei selbst kamen warnende Worte. Nach Angaben des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, konnten in den vergangenen Jahren sieben konkrete Anschläge verhindert werden. «Aber wir hatten auch Glück, das muss ich ausdrücklich dazu sagen», betonte Freiberg am Samstag auf NDR Info. Die Bedrohungslage sei weiterhin sehr hoch.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) befürchtet, dass sich immer öfter deutsche Konvertiten radikalen Islamisten anschließen könnten. «Besonders junge Menschen, die sich benachteiligt fühlen, sind für den Islamismus anfällig», sagte Herrmann dem «Münchner Merkur» (Samstag). Der Fall des gesuchten Eric Breininger sei dafür «ein Musterbeispiel».
Nach dem Deutschen Breininger (21) und dem gebürtigen Libanesen Houssain Al Malla (23) wird offiziell gefahndet. Sie sollen nach Erkenntnissen der Behörden möglicherweise auf dem Weg aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zurück nach Europa sein. Breininger hatte in einem Internet-Video mit einem Selbstmordanschlag gedroht. Beide werden zum Umfeld der Terrorgruppe Islamische Dschihad Union (IJU) gezählt. Die IJU gilt auch als Drahtzieher der Anschlagspläne einer im Sauerland ausgehobenen Terrorzelle.
Am Freitag nahmen Polizisten zwei Terrorverdächtige in einem startbereiten Flugzeug auf dem Flughafen Köln-Bonn fest. Ein 24 Jahre alter Deutscher, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren wurde, und ein 23 Jahre alter Somalier stehen im Verdacht, sich am «Heiligen Krieg» und möglichen Anschlägen beteiligen zu wollen. Sie hatten entsprechende Abschiedsbriefe hinterlassen.
Der Terror- und Islamexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, geht davon aus, dass die Fahndung nach Breininger und Al Malla mit der bevorstehenden Bundestagsdebatte über die Verlängerung der Afghanistan-Mandate zusammenhängt. Das sagte er der in Halle erscheinenden «Mitteldeutschen Zeitung». Die Sauerland-Gruppe habe nämlich Anschläge kurz vor einer Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes im vergangenen Herbst geplant.
Die Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus ist das Thema einer internationalen Innenministerkonferenz am Samstag in Bonn. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dazu seine Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen eingeladen. Auch US-Heimatschutzminister Michael Chertoff wird erwartet. (nz/dpa/AP)

