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Werbetour für die SPD: 

Schröder polt Energiekonferenz um

26. Sep 2008 12:25
Schröder fordert Stolz auf die Leistungen der SPD
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Eigentlich sollte es um Energiepolitik gehen, doch es wurde eine Beschwörung der Erfolge seiner Partei: Mit giftigen Bemerkungen meldete sich der Ex-Kanzler im Wahlkampf zurück, hat Jörg Michel beobachtet.

Als Gerhard Schröder jüngst gefragt wurde, ob er sich nach dem Führungswechsel bei der SPD wieder stärker in der Politik mitmischen wolle, schüttelte der ehemalige Bundeskanzler mit dem Kopf. Die Zeit der aktiven Politik sei für ihn definitiv vorbei. Auch in den bevorstehenden Wahlkampf werde er nur sehr zurückhaltend eingreifen. «Ich dränge mich keinem auf», versprach der SPD-Mann. Nur wenige Tage später erlebt man einen ganz anderen Gerhard Schröder.

Gestern kurz nach zehn in einem Berliner Nobelhotel: Der Ex-Kanzler betritt mit seinem Parteifreund Sigmar Gabriel den Saal, um eine Konferenz des Bundesumweltministers zur Energiepolitik zu eröffnen. Die Fotografen und Kameraleute kümmern sich um Schröder, Gastgeber Gabriel steht daneben. Die anwesenden Strommanager, Verbandsvertreter und Wirtschaftsexperten warten gespannt, was beide zur Energiepolitik der Bundesregierung zu sagen haben. Denn die richtet die Veranstaltung immerhin aus.

Union liege «dramatisch daneben»

Doch sie werden enttäuscht. Um Energiepolitik geht es zwar auch. Schröder, Gabriel und & Co. machen aber vor allem eines: Wahlkampf für die SPD. «Wir können mit Stolz auf das zurückblicken, was wir die letzten zehn Jahre geleistet haben», beschwört Schröder, und fast könnte man meinen, er wende sich in diesem Moment an die Genossen im lokalen SPD-Ortsverband.

Ob Ökosteuer oder der Ausbau von erneuerbaren Energien: «Wir haben das alles gegen diejenigen durchsetzen müssen, die sich heute als die Garanten des Erfolges aufspielen», giftet der Ex-Kanzler. Und in diesem Augenblick versteht man, warum einige in der Union im Vorfeld der Veranstaltung Schröder wieder ausladen wollten. Denn der bescheinigt der Union unverblümt, sie liege in der Energie- und Steuerpolitik «dramatisch daneben».

«Bleibt standhaft!»

Leidenschaftlich wird Schröder auch beim Atomausstieg. Zwar sei er nicht gefragt worden, habe aber dennoch einen Ratschlag an seine Partei. «Bleibt standhaft», fordert er und fügt hinzu: «Und wenn nötig, kann das Thema durchaus zum Gegenstand der Auseinandersetzung um die Führungspositionen in Deutschland werden.» Was übersetzt wohl heißt: Macht den Atomausstieg zu einem zentralen Wahlkampfthema. Immerhin hatte den Schröders ehemaliger Kanzleramtsminister ausgehandelt. Und der heißt Frank-Walter Steinmeier und ist heute Kanzlerkandidat der SPD.

Schröder erwähnt Steinmeier in seiner Rede zwar nicht direkt. Dafür aber so ziemlich alle energie- und umweltpolitischen Erfolge, die unter dessen Regie beschlossen wurden. Wie überhaupt an diesem Tag weniger von der Zukunft die Rede ist sondern oft von jenen unbeschwerten Jahren, als die SPD zwischen 1998 und 2005 in der Regierung noch das alleinige Sagen hatte. «Wir konnten auf wichtige Entscheidungen der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder zurückgreifen», lobt Sigmar Gabriel seinen Redner. Der bedankt sich später mit den Worten: «Was soll ich noch sagen. Im Grunde hat der Minister in allen Fragen recht.» Und damit war tatsächlich alles gesagt.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Berliner Zeitung.


 
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