Demonstration in Berlin:
Wut der «kranken Häuser» zieht auf die Straße
25.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, nannte die Finanzreform in den «Westfälischen Nachrichten» eine «Mogelpackung». So äußerte sich auch der Hauptgeschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Armin Ehl. «Unser Zorn bleibt», rief er den Demonstranten zu. «Der Kampf ist nicht zu Ende.»
Insbesondere durch Personalkosten sehen sich die Kliniken belastet. «Der Bundesinnenminister hat den Tarifabschluss für das Krankenhauspersonal zu 100 Prozent unterschrieben, finanzieren will der Bund die Lohnerhöhungen nur zu 50 Prozent», sagte Henke. «Das ist nicht fair.» Das größte Problem sei die Deckelung der Klinikbudgets nach Maßgabe der Einnahme-Entwicklung bei den Beitragszahlern. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte versicherte, der «Deckel» werde durch die aktuelle Reform ab 2011 durch fairere Finanz-Kriterien ersetzt.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen wandte sich gegen die Warnungen vor der Schließung weiterer Krankenhäuser. «Wir haben zu viele Krankenhäuser, zu viele Krankenbetten», sagte Vorstand Gerd Billen im Deutschlandradio. Die Klinik-Zahl ging innerhalb von zehn Jahren um 165 auf 2104 im Jahr 2006 zurück. Die rund 511.000 Betten sind im Schnitt zu 76 Prozent ausgelastet. Billen verwies darauf, dass Länder wie Frankreich weit weniger Betten hätten. Er sprach sich für eine bessere Finanzausstattung aus, wies aber auch auf Sparmöglichkeiten hin.
Die Krankenkassen machten die Länder für die Finanzmisere verantwortlich und mahnten Strukturreformen an. «Und auch im aktuellen Gesetz zur Reform Krankenhausfinanzierung bleiben wieder einmal die Länder verschont», sagte der Vorsitzende der Ersatzkassenverbände VdAK/AEV, Thomas Ballast. «Die Zeche zahlen die Beitragszahler.» KKH-Chef Ingo Kailuweit bemängelte, das frische Geld werde nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Stattdessen müssten die Klinik-Behandlungen auf ihre Qualität geprüft werden. Die Kliniken müssten sich stärker zu Kompetenzzentren spezialisieren. (dpa/AP)

