Becks Abrechnung: 

netzeitung.deWas Beck in seiner Autobiografie schreibt

 Herausgeber: netzeitung.de

Becks Autobiografie (Werbung des Verlags) (Foto: pendo/nz/screenshot<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Becks Autobiografie (Werbung des Verlags)
Foto: pendo/nz/screenshot
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Erste Auszüge des mit Spannung erwarteten Buches des zurückgetretenen SPD-Chef Kurt Beck sind bekannt geworden. Die Netzeitung dokumentiert Auszüge aus dem Werk, in dem der Pfälzer auch sein Verhältnis zu seinem Nachfolger beschreibt. Beck über Müntefering: «Unser Verhältnis ist natürlich nicht unproblematisch. Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar. In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten ... Mehr zum Thema » Der Mann, der bei sich selbst bleibt » Die Heimat-SPD bleibt Beck treu » Große Koalition: «Wahlkampf? Keine Zeit!» Als SPD-Vorsitzender bemühte ich mich um ein eigenständigeres Profil der Sozialdemokraten. An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander. Perspektiven, die über die Zeit der Großen Koalition hinausreichen, hielt er zum damaligen Zeitpunkt nicht für angemessen. Oder er fand es besser, nicht darüber zu reden ... Unsere Politik muss den Menschen dienen, darf sie nicht verletzen. Wo dies geschehen ist, muss man neue Brücken bauen. Genau das gehört zwingend dazu. Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist, sodass ich das sehr genau beurteilen kann.» Beck über die Hintergründe seines Rücktritts: «Im März 2008 ist mir ein schon oft eingestandener Fehler unterlaufen. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen hatte sich herausgestellt, dass die Linke doch in die Landtage wichtiger westdeutscher Flächenländer einziehen konnte. Die Schlussfolgerung für unsere Strategie war für mich klar. Es ist dieselbe, die Willy Brandt angesichts der zu seiner Zeit neuen und chaotisch auftretenden Partei Die Grünen gezogen hatte: Die SPD darf sich weder durch Selbstbindung noch durch die Forderungen anderer Parteien einmauern und in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken lassen.» In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen.« Beck über den Anlass seiner Demission und die Abläufe in der Nacht zum Rücktritts-Sonntag: »Unsere Hoffnung, nun die Einheit und Geschlossenheit der Partei ... zu vollenden, war groß, und die Vorfreude hatte zur freundschaftlichen auch eine fröhliche Stimmung erzeugt. Ich konnte davon ausgehen, dass die Querschläge gegen mich in Form verzerrender und falscher Bewertungen meiner Arbeit als Vorsitzender nun beendet würden ... Als am Samstagabend der Kreis der Eingeweihten immer größer wurde, sickerte die Entscheidung in der Kandidatenfrage erwartungsgemäß durch. Die Medien waren sich der Nachricht sicher und verbreiteten sie. Allerdings in einer merkwürdigen, der Wahrheit widersprechenden Kommentierung. Der «Spiegel» hatte so rechtzeitig Kenntnis erhalten, dass die nächste Ausgabe (noch während der Klausur der SPD-Spitze, d. Red.) mit dem Aufmacher über die Kanzlerkandidatur erscheinen würde. Während ich versuchte, den früheren Parteichef Hans-Jochen Vogel zu erreichen und zu informieren, machten mich Mitarbeiter auf einen Artikel bei «Spiegel online» aufmerksam, in dem es hieß, ich sei von Steinmeier bedrängt worden, die Entscheidung zu seinen Gunsten und zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen. ARD und ZDF berichteten diese vermeintlichen Hintergründe mit großem Nachdruck und mit Einzelheiten, die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen. Es war also klar, die gezielten Angriffe auf mich und meine Arbeit würden nicht nur fortgesetzt, es kam nun der Verdacht eines Bruchs der Vertraulichkeit hinzu, den ich gegen das unmittelbare Umfeld der Beteiligten hege. Wer sonst außer den in die Absprachen Eingeweihten konnte sie so früh, dass es für die Drucklegung des «Spiegel» noch reichte, ausplaudern? Wer außer Eingeweihten konnte in der Lage sein, die vorbereitete Bekanntgabe mit einer Intonierung zu belasten, die den treibenden Vorsitzenden als einen bedrängten und getriebenen erscheinen ließ? ... Recherchen bei Medienverantwortlichen ergaben, dass sie mit solchen Falschinformationen gezielt versorgt worden waren. Man ging so weit, zu behaupten, dass Steinmeier und Müntefering nun das Kommando übernehmen und den Parteivorsitzenden nur dulden. Von nun an würde ich ... den Anschein erwecken, um den Preis der Selbstverleugnung am Stuhl des Vorsitzenden zu kleben. Das ist nicht meine Art und hätte meiner Haltung, mich nicht verbiegen zu lassen, widersprochen. In der Nacht war ich auf Bitten mehrerer Gesprächspartner zwar bereit, über meinen Entschluss zum Rücktritt noch einmal nachzudenken, am Sonntagmorgen jedoch stand er fest ... Ich bat die engere Parteiführung und Peter Struck zu einer Beratung vor Beginn der Klausursitzung und erlebte mehrere, aber nicht überzeugende Versuche, mich umzustimmen. Ich bat Frank-Walter Steinmeier, zur Spitzenkandidatur auch den Vorsitz der Partei zu übernehmen. Er lehnte ab. Einen weiteren Personalvorschlag (Arbeitsminister Olaf Scholz - d. Red.) , den ich unterbreitete, akzeptierte die Runde nicht, unter anderem mit der Mutmaßung, auch in diesem Fall sei mit weiteren Querschlägen aus den eigenen Reihen zu rechnen. Schließlich wurde Franz Müntefering vorgeschlagen. Eine bittere Nacht und eine bittere Stunde für mich. Wenn es dem Erfolg der SPD und damit einem unverzichtbaren Stück Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft nützt, will ich mich nicht lange damit aufhalten. Zu diesem Zweck hatte ich das Amt übernommen, wenn der Rücktritt demselben Zweck dient, bin ich mit mir selbst jedenfalls im Reinen.« (Quelle: Bild.de)

Beck über Müntefering:
«Unser Verhältnis ist natürlich nicht unproblematisch. Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar. In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten ...

Als SPD-Vorsitzender bemühte ich mich um ein eigenständigeres Profil der Sozialdemokraten. An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander.

Perspektiven, die über die Zeit der Großen Koalition hinausreichen, hielt er zum damaligen Zeitpunkt nicht für angemessen. Oder er fand es besser, nicht darüber zu reden ... Unsere Politik muss den Menschen dienen, darf sie nicht verletzen. Wo dies geschehen ist, muss man neue Brücken bauen. Genau das gehört zwingend dazu. Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist, sodass ich das sehr genau beurteilen kann.»

Beck über die Hintergründe seines Rücktritts:
«Im März 2008 ist mir ein schon oft eingestandener Fehler unterlaufen. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen hatte sich herausgestellt, dass die Linke doch in die Landtage wichtiger westdeutscher Flächenländer einziehen konnte.

Die Schlussfolgerung für unsere Strategie war für mich klar. Es ist dieselbe, die Willy Brandt angesichts der zu seiner Zeit neuen und chaotisch auftretenden Partei Die Grünen gezogen hatte: Die SPD darf sich weder durch Selbstbindung noch durch die Forderungen anderer Parteien einmauern und in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken lassen.»

In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen.«

Beck über den Anlass seiner Demission und die Abläufe in der Nacht zum Rücktritts-Sonntag:
»Unsere Hoffnung, nun die Einheit und Geschlossenheit der Partei ... zu vollenden, war groß, und die Vorfreude hatte zur freundschaftlichen auch eine fröhliche Stimmung erzeugt. Ich konnte davon ausgehen, dass die Querschläge gegen mich in Form verzerrender und falscher Bewertungen meiner Arbeit als Vorsitzender nun beendet würden ...

Als am Samstagabend der Kreis der Eingeweihten immer größer wurde, sickerte die Entscheidung in der Kandidatenfrage erwartungsgemäß durch.

Die Medien waren sich der Nachricht sicher und verbreiteten sie. Allerdings in einer merkwürdigen, der Wahrheit widersprechenden Kommentierung. Der «Spiegel» hatte so rechtzeitig Kenntnis erhalten, dass die nächste Ausgabe (noch während der Klausur der SPD-Spitze, d. Red.) mit dem Aufmacher über die Kanzlerkandidatur erscheinen würde. Während ich versuchte, den früheren Parteichef Hans-Jochen Vogel zu erreichen und zu informieren, machten mich Mitarbeiter auf einen Artikel bei «Spiegel online» aufmerksam, in dem es hieß, ich sei von Steinmeier bedrängt worden, die Entscheidung zu seinen Gunsten und zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen.

ARD und ZDF berichteten diese vermeintlichen Hintergründe mit großem Nachdruck und mit Einzelheiten, die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen.

Es war also klar, die gezielten Angriffe auf mich und meine Arbeit würden nicht nur fortgesetzt, es kam nun der Verdacht eines Bruchs der Vertraulichkeit hinzu, den ich gegen das unmittelbare Umfeld der Beteiligten hege. Wer sonst außer den in die Absprachen Eingeweihten konnte sie so früh, dass es für die Drucklegung des «Spiegel» noch reichte, ausplaudern? Wer außer Eingeweihten konnte in der Lage sein, die vorbereitete Bekanntgabe mit einer Intonierung zu belasten, die den treibenden Vorsitzenden als einen bedrängten und getriebenen erscheinen ließ? ...

Recherchen bei Medienverantwortlichen ergaben, dass sie mit solchen Falschinformationen gezielt versorgt worden waren. Man ging so weit, zu behaupten, dass Steinmeier und Müntefering nun das Kommando übernehmen und den Parteivorsitzenden nur dulden.

Von nun an würde ich ... den Anschein erwecken, um den Preis der Selbstverleugnung am Stuhl des Vorsitzenden zu kleben. Das ist nicht meine Art und hätte meiner Haltung, mich nicht verbiegen zu lassen, widersprochen.

In der Nacht war ich auf Bitten mehrerer Gesprächspartner zwar bereit, über meinen Entschluss zum Rücktritt noch einmal nachzudenken, am Sonntagmorgen jedoch stand er fest ...

Ich bat die engere Parteiführung und Peter Struck zu einer Beratung vor Beginn der Klausursitzung und erlebte mehrere, aber nicht überzeugende Versuche, mich umzustimmen. Ich bat Frank-Walter Steinmeier, zur Spitzenkandidatur auch den Vorsitz der Partei zu übernehmen. Er lehnte ab. Einen weiteren Personalvorschlag (Arbeitsminister Olaf Scholz – d. Red.), den ich unterbreitete, akzeptierte die Runde nicht, unter anderem mit der Mutmaßung, auch in diesem Fall sei mit weiteren Querschlägen aus den eigenen Reihen zu rechnen.

Schließlich wurde Franz Müntefering vorgeschlagen. Eine bittere Nacht und eine bittere Stunde für mich. Wenn es dem Erfolg der SPD und damit einem unverzichtbaren Stück Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft nützt, will ich mich nicht lange damit aufhalten. Zu diesem Zweck hatte ich das Amt übernommen, wenn der Rücktritt demselben Zweck dient, bin ich mit mir selbst jedenfalls im Reinen.« (Quelle: Bild.de)