Autobiografie: 

netzeitung.deBeck rechnet mit Müntefering ab

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Ziel Becks Kritik: Müntefering (l.) (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ziel Becks Kritik: Müntefering (l.)
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Seine Autobiografie war bereits fertig, der Präsentationstermin verkündet. Vor zwei Wochen kippte die Planung, als der SPD-Chef sich verbittert vom Amt zurückzog. Doch die Tage seit dem Führungswechsel nutzte Beck zum Schreiben.

Das Buch war längst vollendet, die Einladungen zum Probelesen fast schon verschickt - dann kam vor zwei Woche alles anders. Der bereits von einigen Pannen gebeutelte Kurt Beck gab das Amt des SPD-Chefs erbittert auf und ließ eine von der Partei groß angekündigte Klausurtagung der SPD-Oberen im Chaos enden. Der Anlass: Die Nachrichtenlage betreffs der SPD-Kanzlerkandidatur entwickelte sich nicht so, wie er es erwartet hatte. Der Pfälzer sah sich als Opfer gezielter Indiskretion>>>, wie er schriftlich erläuterte.

Das alles kam in dem bereits geschriebenen Buch nicht vor. Die Zeit nach seinem Sturz nutzte Beck, die Hintergründe des Abgangs zu ergänzen. In seiner Autobiografie («Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat», Pendo-Verlag) kritisierte er seinen designierten Nachfolger Franz Müntefering und ergänzt, das Verhältnis zu dem ehemaligen Vizekanzler sei «nicht unproblematisch»>>>.

Beck will seine Autobiografie (Untertitel: «Ich bleibe ich») am Donnerstag vorstellen, in Gesellschaft des Journalisten Heiner Bremer. Nach seinem Rücktritt vor zwei Wochen hatte die SPD die Präsentation auf unbestimmte Zeit verschoben. Offen war damals, ob Beck noch ein Kapitel hinzufügt. Laut einem «Bild»-Bericht ergänzte der Ex-Parteichef das Manuskript um eine Beschreibung seines Verhältnisses zu dem früheren SPD-Vorsitzenden Müntefering, der ihn im Amt wieder beerben soll.

Zu den Umständen seines Rücktritts heißt es in Becks Buch, wesentlicher Inhalt der Absprachen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Müntefering sei gewesen, ein kleines «Kanzlerteam» als politisch verantwortliche Wahlkampfleitung zu berufen. Vor der Bekanntgabe von Steinmeiers Kanzlerkandidatur sei die Entscheidung dann aber schon durchgesickert.

In den letzten Wochen und Monaten war klar geworden, dass Beck keineswegs selbst antreten würde. Der Parteichef wollte Steinmeiers Spitzenkandidatur während der Klausur der SPD-Spitze vor zwei Wochen in Werder bei Potsdam bekanntmachen. Mit ihm vereinbart hatte Beck dies im kleinen Kreis bereits zwei Wochen zuvor. Nachdem der «Spiegel» die eigentlich seit langem klare Entscheidung pro Steinmeier in seinem Titelthema um den Aspekt ergänzte, Steinmeier habe Beck gedrängt, die Kandidatur endlich bekanntzugeben, sah der Parteichef seine Machtbasis in der Partei endgültig zerlegt. Nach einer Nacht detaillierter Abwägungen und vieler Telefonate teilte Beck kurz vor Beginn der Klausur dem engsten Kreis der SPD-Führer mit, dass er aufgebe.

Beck selbst schlug Arbeitsminister Scholz als Nachfolger vor, was die anderen ablehnten. Laut «Spiegel» standen aber noch Umweltminister Gabriel, Fraktionschef Struck oder Finanzminister und SPD-Vize Peer Steinbrück zur Debatte. Steinmeier soll mit anderen Anwesenden schließlich Müntefering durchgesetzt haben. Gemeinsam verkündeten beide diese Entscheidung am Montag nach der Klausur - Beck fehlte. Ein Parteitag am 18. Oktober soll Müntefering offiziell bestätigen. Beck wolle der Veranstaltung fernbleiben, berichtete die «NRZ».

Müntefering und Beck sprachen sich unterdessen miteinander aus. Punkten konnte der Pfälzer inzwischen wieder in seiner Heimat, wo die SPD allein regiert: In Rheinland-Pfalz bestätigte ein Landesparteitag ihn mit großer Mehrheit als Landeschef. (nz/dpa)