Becksteins Fehltritt:
«Und jetzt noch ein oder zwei Maß Bier»
19.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Irgendwann schleicht sich natürlich die Sache mit dem Biertrinken und dem Autofahren wieder in das Gespräch hinein. Franz Maget, SPD-Kandidat für die bayerische Landtagswahl, spricht über innere Sicherheit, er spricht davon, dass er mehr Prävention wolle, und «natürlich auch mehr Alkoholprävention». Das kommt wie aus dem Nichts und ist umso schmerzhafter.
Jammerschade, dass die Kamera jetzt das Gesicht von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein nicht zeigt. Es muss ihn getroffen haben, schon wieder an den eigenen Satz erinnert zu werden, dass man nach dem Genuss von ein, zwei Maß Bier durchaus noch fahrfähig sein könne.
Jedenfalls ist das ein Punktsieg für Maget im ersten
TV-Duell der bayerischen Landtagswahl-Geschichte>>>. Das sehen auch die gut zwei Dutzend SPD-Abgeordneten und ihre Anhänger so, die sich am Donnerstag Abend in einer Kneipe in Berlin-Mitte zum Fernsehen verabredet haben. Sie sind parteiisch, natürlich. Weswegen Franz Magets Beiträge bejubelt werden, und Günther Beckstein ausgebuht wird.Aber auch, wer nicht parteiisch ist, muss sagen: Maget ist besser vor den Kameras. Er ist ruhiger, sachlicher, netter. Er hat ja auch nichts zu verlieren. Nach 19,6 Prozent bei den letzten Wahlen kann es nur aufwärts gehen. Beckstein dagegen wirkt sichtlich genervt von der Frage nach den jüngsten Umfragen, die der CSU in Bayern nur 47 Prozent der Stimmen geben. Das wäre gefährlich nahe am Verlust der absoluten Mehrheit und gefährlich weit weg von den 50 plus X, die als politisches Gebot in Bayern für die CSU bei Wahlen noch vor den Zehn Geboten aus der Bibel kommen.
Beckstein lässt sich provozieren. Dass die SPD plakatiere, die CSU wolle in Bayern neue Atomkraftwerke bauen, das sei «eine plumpe Verleumdung». Wer so etwas behauptet, raunzt Beckstein, der sei also ein Verleumder oder habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Maget lächelt den Angriff weg.
Nach dem 45-minütigen TV-Duell nimmt SPD-Generalsekretär Hubertus Heil in der Berliner Kneipe erst einen Schluck aus dem Bierglas. Dann sagt er im satten Ton eines zufriedenen Wahlkämpfers: «Punktsieg für Maget. Ich würde jetzt gerne noch ein, zwei Maß Bier trinken.» Da ist er wieder, der Satz, den Beckstein nicht mehr los wird.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der
«Berliner Zeitung».
