18.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Möchte Kohlekraftwerke als Übergang: Fischer
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«An dieser Frage werden auch Wahlen entschieden»: Die Grünen-Ikone Fischer hat gefordert, Kohle als Übergangstechnologie für den Atomkraft-Ausstieg weiter einzusetzen. Teilweise wähnt er sich auch im Einklang mit dem Grünen-Kurs.
Der ehemalige Grünen-Frontmann Joschka Fischer hat seine Partei davor gewarnt, an ihrem Anti-Kohle-Kurs festzuhalten. «Es wäre ein Riesenfehler von Grünen und Umweltbewegung, wenn sie an diesem Punkt unrealistisch sind», sagte Fischer im von der Deutschen Umwelthilfe herausgegebenen Magazin «Zeo2». Parteichef Reinhard Bütikofer stellte in der «Frankfurter Rundschau» vom Donnerstag klar: «Parteivorstand, die Fraktion und der letzte Parteitag sind anderer Meinung als Joschka Fischer.»
Insbesondere zeigte sich Fischer offen für den Bau neuer Kohlekraftwerke. «Warum nicht Kohlekraftwerke unter dem Vorbehalt genehmigen, dass sie nachgerüstet werden müssen, sobald die Technologie des CO2-Abscheidens oder Vergleichbares verfügbar ist?», fragte Fischer. Mit der Technik soll es möglich werden, das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) bei der Kohleverarbeitung abzutrennen und unterirdisch zu speichern. Kritiker zweifeln an der Machbarkeit.
Grüne lehnen neue Kraftwerke abBereits der einzige Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Bütikofer, Cem Özdemir, hatte mit öffentlichen Gedankenspielen über eventuelle «neue Kapazitäten» bei Kohlekraftwerken führende Grüne in Aufregung versetzt. Özdemir stellte in der vergangene Woche aber schnell klar, die Forderung eines Kohle-Moratoriums sei «unverändert auch meine Position».
In einem Parteitagsbeschluss der Grünen vom November 2007 heißt es: «Jedes neue Kohlekraftwerk und jede Laufzeitverlängerung für AKW lehnen wir ab.» Angesicht der Erderwärmung verschärften die Grünen damals einen Beschluss vom Vorjahr, nach dem auf neue Kohlekraftwerke «mindestens so lange» verzichtet werden müsse, bis es CO2-freie Kraftwerke gebe.
«Ein starkes Argument»Fischer argumentierte, Kohle müsse als Übergangstechnologie weiter eingesetzt werden, wenn aus der Atomkraft ausgestiegen werden solle. «An dieser Frage werden auch Wahlen entschieden.» Bütikofer entgegnete, die Alternative «Atom oder Kohle» sei falsch. Die Grünen könnten sie mit einer tragfähigen Innovationsstrategie überwinden.
Die derzeit kleinste Oppositionskraft will mit ihrem gleichzeitigen Nein zu neuen Kohlekraftwerken und zu einer Verlängerung der Atomlaufzeiten in den Bundestagswahlkampf 2009 ziehen. Gegen die drohende Klimakatastrophe sollen auch mit Hilfe erheblicher Energie-Einsparungen Wirtschaft und Lebensweise in wenigen Jahrzehnten auf 100 Prozent erneuerbare Energie umgestellt sein. Fischer betonte «Schattenseiten» des Ziels, etwa bei großen Photovoltaik-Anlagen in Wüstenregionen. «Vielleicht wird es tatsächlich so kommen, aber das wäre dann wieder Großtechnologie.»
Der einstige hessische Umweltminister räumte ein, es sei «ein starkes Argument», dass durch Investitionen in neue Kohlekraftwerke klimaschädliche Emissionen langfristig zementiert werden könnten. Im Einklang mit dem Grünen-Kurs meinte er auch, Effizienz zu erhöhen und Energie zu sparen sei der Kern der Energiepolitik. (dpa)