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Anhörung bei Drogenbeauftragter: 

Ärzte wollen Rauchen als Krankheit behandeln

15. Sep 2008 21:37, ergänzt 16. Sep 2008 12:28
Nur noch nicht richtig therapiert?
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Präventionsprogramme halten die Mediziner zwar für sinnvoll, sie genügen ihnen allerdings nicht. Der Berufsverband verlangt nun, dass die «ärztliche Tabakentwöhnung» ganz offiziell vergütet wird.

Süchtige Raucher sollten aus Sicht der Bundesärztekammer künftig auch offiziell als Kranke eingestuft werden. Es gehe nicht um ein «Lifestyle-Problem», das durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben wäre, teilte die Kammer zu einer Anhörung am Montag in Berlin bin.

Solche Verbote hatte der Drogen- und Suchtrat bei den Vorbereitungen für Nationale Aktionsprogramme zur Tabak- und Alkoholwerbung ins Gespräch gebracht. Vorgeschlagen wird zudem, Alkohol und Zigaretten teurer zu machen und ihren Verkauf weiter einzuschränken. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing hatte zu den Vorschlägen Experten zu einer Anhörung eingeladen.

Dabei begrüßte die Bundesärztekammer beide Präventionsprogramme grundsätzlich. Die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen das Rauchen reichen den Ärzten aber nicht. Tatsächlich handele es sich bei «der Mehrzahl der Raucher um Abhängigkeitserkrankte». Das Vertrauen auf Nichtraucherkurse sei trügerisch. Auf dem Land seien sie kaum verfügbar, insgesamt seien sie wenig akzeptiert. Auch sprächen die Kurse vor allem «mittlere und höhere soziale Schichten» an, wo ohnehin weniger Menschen rauchten.

«Ärztliche Tabakentwöhnung» als Zusatzqualifikation

Die Ärzte plädieren stattdessen dafür, Tabakabhängigkeit gezielt als Krankheit zu behandeln. Für Mediziner gebe es inzwischen eine 20-stündige Zusatzqualifikation «Ärztliche Tabakentwöhnung». Für die Behandlung sollten «die entsprechenden vergütungsrechtlichen Rahmenbedingungen» geschaffen werden. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung forderte, Tabakabhängigkeit als Krankheit einzustufen.

«Aus medizinischer Sicht ist Tabakabhängigkeit eine Suchtkrankheit wie etwa Alkoholismus auch», sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der «Kölnischen Rundschau». Eine Einstufung des Rauchens als Krankheit sei auch sinnvoll, weil endlich gesellschaftlich klargestellt würde, dass Rauchen kein Modetrend sei.

Der Spitzenverband der Krankenkassen erteilte der Forderung der Bundesärztekammer dagegen eine Absage, Tabak-Abhängigkeit als Krankheit einzustufen und die bestehenden Honorarregeln zu ändern. «Wir sehen hier keinen besonderen Vergütungsbedarf», sagte Verbandssprecher Florian Lanz der «Frankfurter Rundschau».

Beratungsgespräche rund ums Rauchen gehörten zu den Kernaufgaben insbesondere der Hausärzte und würden innerhalb bestehender Pauschalen vergütet. Lanz verwies darauf, dass die Kassen sich bereits heute bei dem Thema sehr engagierten, indem sie regelmäßige Gesundheits-Checks sowie Spezialprogramme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes finanzierten.

Verbände wehren sich gegen Werbeverbot

Mit den Aktionsprogrammen will Bätzing das Rauchen und Trinken weiter zurückdrängen. Derzeit raucht nach ihren Angaben rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland, 9,5 Millionen Menschen trinken Alkohol in «riskanter Weise». 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Brauer, Zigarettenindustrie und Werbewirtschaft stemmen sich aber gegen weitere gesetzliche Auflagen. «Ein Staat der alles verbietet, misstraut seinen Bürgern», sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes, Marianne Tritz. «Wenn Frau Bätzing die Plakatwerbung komplett verbieten will, dann verbietet sie die Kommunikation für ein legales Produkt.» Die Zigarettenindustrie sei sich bereits ihrer «besonderen Verantwortung» bewusst.

Auch der Deutsche Brauer-Bund betonte, wie viel die Branche bereits freiwillig gegen Alkoholmissbrauch tue, darunter «Werbe-Selbstregulierung», Aufklärungskampagnen und die Unterstützung der Altersgrenze von 16 Jahren für den Bierausschank. «Neue Gesetze wären keine Lösung.» Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft warnte ebenfalls vor Werbeverboten.(AP)

 
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