Anhörung bei Drogenbeauftragter:
Ärzte wollen Rauchen als Krankheit behandeln
Dabei begrüßte die Bundesärztekammer beide Präventionsprogramme grundsätzlich. Die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen das Rauchen reichen den Ärzten aber nicht. Tatsächlich handele es sich bei «der Mehrzahl der Raucher um Abhängigkeitserkrankte». Das Vertrauen auf Nichtraucherkurse sei trügerisch. Auf dem Land seien sie kaum verfügbar, insgesamt seien sie wenig akzeptiert. Auch sprächen die Kurse vor allem «mittlere und höhere soziale Schichten» an, wo ohnehin weniger Menschen rauchten.
«Aus medizinischer Sicht ist Tabakabhängigkeit eine Suchtkrankheit wie etwa Alkoholismus auch», sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der «Kölnischen Rundschau». Eine Einstufung des Rauchens als Krankheit sei auch sinnvoll, weil endlich gesellschaftlich klargestellt würde, dass Rauchen kein Modetrend sei.
Der Spitzenverband der Krankenkassen erteilte der Forderung der Bundesärztekammer dagegen eine Absage, Tabak-Abhängigkeit als Krankheit einzustufen und die bestehenden Honorarregeln zu ändern. «Wir sehen hier keinen besonderen Vergütungsbedarf», sagte Verbandssprecher Florian Lanz der «Frankfurter Rundschau».
Beratungsgespräche rund ums Rauchen gehörten zu den Kernaufgaben insbesondere der Hausärzte und würden innerhalb bestehender Pauschalen vergütet. Lanz verwies darauf, dass die Kassen sich bereits heute bei dem Thema sehr engagierten, indem sie regelmäßige Gesundheits-Checks sowie Spezialprogramme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes finanzierten.
Auch der Deutsche Brauer-Bund betonte, wie viel die Branche bereits freiwillig gegen Alkoholmissbrauch tue, darunter «Werbe-Selbstregulierung», Aufklärungskampagnen und die Unterstützung der Altersgrenze von 16 Jahren für den Bierausschank. «Neue Gesetze wären keine Lösung.» Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft warnte ebenfalls vor Werbeverboten.(AP)
