Berliner CDU ohne Pflüger: 

netzeitung.deScherbenhaufen vor der eigenen Haustür

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Skeptischer Bilck für den Vorgänger: Henkel (l.) und Pflüger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Skeptischer Bilck für den Vorgänger: Henkel (l.) und Pflüger
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Die Hauptstadt-Union hat in den letzten sieben Jahren drei Partei- und drei Fraktionsvorsitzende verschlissen. Der vorläufige Höhepunkt der Posse löste in der Bundes-CDU Entsetzen und Kopfschütteln aus.

Friedbert Pflüger ist fertig - im übertragenen wie buchstäblichen Sinn. Schweißperlen stehen dem 53-Jährigen auf der gefurchten Stirn, als er am Donnerstag im Blitzlichtgewitter der Fotografen seine Niederlage eingestehen muss. Genau eine Woche, nachdem er seinen Führungsanspruch in der Berliner CDU erhob, ist der Fraktionsvorsitzende entmachtet worden.

Am Donnerstag sprachen 26 der 37 CDU-Abgeordneten dem Neu-Berliner ihr Misstrauen aus, eine Stimme mehr als die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Seine Bemühungen, die Hauptstadt-Union aus der Provinzialität der Kiez-Verwurzelung zu einer liberalen Großstadtpartei zu entwickeln, sind gescheitert.

Doch verloren hat vor allem auch die Berliner CDU. Die Hauptstadt-Union kommt seit ihrem Debakel 2001, als sie bei vorgezogenen Wahlen nach ihrer Banken- und Parteispendenaffäre von 40 auf rund 23 Prozent stürzte, nicht auf die Beine. Der Hauptgrund sind innerparteiliche Machtkämpfe: Drei Partei- und drei Fraktionsvorsitzende wurden in sieben Jahren verschlissen, die alle über hausgemachte Intrigen stürzten. Einstige Führungsfiguren und Hoffnungsträger blieben wie Pflüger jetzt politisch wie menschlich beschädigt auf der Strecke.

Kein Kommentar von der Kanzlerin
Der Scherbenhaufen vor der eigenen Haustür amüsiert die Bundes-CDU nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält sich konsequent mit jedem Kommentar zurück. Sie ermutigte Pflüger 2006 zu seinem Berliner Engagement. Offiziell mischt sich die Bundespartei nicht in Streits und Krisen ihrer Landesverbände ein.

Doch bei der gegenwärtigen Klausur der Unions-Bundestagsfraktion löste jede neue Volte im Berliner Machtkampf Entsetzen und Kopfschütteln aus, wie aus München verlautete. Insider berichten, dass CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am Mittwoch am Rande der Tagung mehrmals mit dem Berliner CDU-Landesvorsitzenden Ingo Schmitt sprach, der auch Bundestagsmitglied ist.

Dass die Bundesspitze Schmitt drängte, im Frühjahr 2009 seinen Landesvorsitz zur Verfügung zu stellen, wird offiziell dementiert. Doch fällt auf, dass Schmitt nach langem Schweigen erstmals am Mittwochabend in Interviews bekannte, «als Parteisoldat klebe ich nicht an meinen Stuhl». Nach dem Duell Pflüger/Schmitt möchten inzwischen auch führende Berliner CDU-Politiker, dass Schmitt geht. Er hat seit 2005 zwar die Flügel befriedet, doch inhaltlich die CDU in keiner Weise profiliert.

Wer kommt dann?
Doch: Wer kommt dann? Am liebsten soll wohl alles so bleiben, wie es auf der West-Berliner Insel war, als die CDU unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen und Fraktionschef Klaus Landowsky noch die Wahlen und die Meinungen beherrschte. Kein Wunder also, dass am Donnerstag mit Frank Henkel ein Ur-Berliner Gewächs den zugezogenen Hannoveraner Pflüger in der Fraktion beerbte.

Schon 2001 - auf ihrem Tiefpunkt - gab die Parteispitze dem versierten Bundespolitiker Wolfgang Schäuble einen Korb. Sie kürte stattdessen den außerhalb Berlins völlig unbekannten damaligen Fraktions-Vize Frank Steffel zu ihrem Spitzenkandidaten, der die Wahl verlor.

Den Kulturfachmann Christoph Stölzl - zuvor Direktor des Deutschen Historischen Museums - hielt es an der Parteispitze nicht lange. Entnervt warf er schon ein Jahr später das Handtuch. Gewarnt durch solche Erfahrungen, wollte der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer 2006 gar nicht erst als CDU-Herausforderer des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) antreten. Auch etliche andere Bundespolitiker winkten ab. (Kirsten Baukhage, dpa)