10.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das meiste Geld erhielten Asylbewerber für ihren täglichen Lebensunterhalt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während immer mehr Deutsche ins Ausland gehen, zieht es kaum noch jemanden in die Bundesrepublik. Als Folge schrumpft die Erwerbsbevölkerung - und der Staat gibt immer weniger Geld für Asylbewerber aus.
Immer weniger Einwanderer kommen nach Deutschland. Ihre Zahl verringerte sich nach Angaben der OECD 2006 um elf Prozent auf nur noch 216.000 - ganz gegen den Trend in anderen Industrieländern, die im Schnitt fünf Prozent Zuwachs verzeichneten. Gleichzeitig sank die Zahl der Ausgaben für Asylbewerber auf den niedrigsten Stand seit 1994, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte.
Wanderten weiterhin so wenig Menschen nach Deutschland ein, werde die deutsche Erwerbsbevölkerung bis 2020 um 2,5 Prozent schrumpfen, teilte die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin und Paris mit. Kämen gar keine Migranten mehr, ginge sie sogar um sechs Prozent zurück.
Deutsche wandern ausGleichzeitig kehren den OECD-Zahlen zufolge immer mehr Deutsche ihrer Heimat den Rücken. Die Zuzüge Deutscher in andere OECD-Länder nahmen von 2000 bis 2006 jedes Jahr um mehr als fünf Prozent zu. Vor allem in die Nachbarländer Schweiz, Österreich, Polen, die Niederlande, Luxemburg und Dänemark zieht es die Bundesbürger.
Allerdings kehren nach OECD-Berechnungen zwischen 20 und 50 Prozent der Migranten in den ersten fünf Jahren wieder in ihre Heimat zurück. Hauptentscheidungsgrund ist nach Angaben des OECD-Experten Thomas Liebig die Lage am heimischen Arbeitsmarkt. Wird sie besser, kommen viele Auswanderer wieder.
Hauptsächlich Saisonarbeiter aus PolenDie genannten 216.000 Zuwanderer sind jene, die sich mit einem auf Dauer angelegten Aufenthaltstitel in Deutschland niederlassen. Herkunftsland Nummer eins war 2006 Polen. Von dort kamen 27 Prozent der Zuwanderer. Aus der Türkei kamen acht Prozent, aus Rumänien vier Prozent.
Hinzu kamen 2006 noch rund 380.000 Menschen für einen befristeten Arbeitsaufenthalt, also Saisonarbeiter wie Spargelstecher oder Aushilfen für Gaststätten. Diese Zahl ist im OECD-Vergleich besonders hoch: Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt sie in Deutschland fast doppelt so hoch wie in anderen Industrieländern.
Bei auf Dauer angelegten Tätigkeiten dürften hingegen nach Einschätzung der Organisation künftig Lücken aufreißen, vor allem in der Altenbetreuung und bei haushaltsnahen Diensten. «Es ist eher unwahrscheinlich, dass temporäre Migrationsprogramme einen langfristigen Arbeitskräftebedarf decken können», sagte Liebig.
Weniger staatliche UnterstützungMit der Zahl der Asylbewerber gehen auch die Aufwendungen des Staates für Ihren Unterhalt weiter zurück. Die Gesamtausgaben für Asylbewerberleistungen sanken im vergangenen Jahr auf den Tiefstand von 1,03 Milliarden Euro. Das waren rund 11 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.
Die Zahl der Empfänger von Asylbewerberleistungen lag 2007 bei nur noch 154.000 Menschen und damit 21 Prozent unter der des Vorjahres. Dies war die niedrigste Zahl von Empfängern von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz seit Einführung der Statistik 1994.
So wenig neue Bewerber wie in den vergangenen 30 Jahren nichtDer bisherige Höchststand wurde 1996 mit 490.000 Personen verzeichnet, seitdem ist die Zahl der Leistungsbezieher rückläufig. Nach früheren Angaben des Bundesinnenministeriums gab es im vergangenen Jahr mit 19.000 Erstanträgen so wenig neue Bewerber wie in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr.
Der Löwenanteil der Ausgaben entfiel mit 750 Millionen Euro auf die Deckung des Lebensunterhalts. Sonderleistungen bei Krankheit oder Schwangerschaft erhielten zum Jahresende 2007 rund 52.000 Menschen, was mit Ausgaben von 280 Millionen Euro zu Buche schlug.
Stärkster prozentualer Rückgang in HessenAbzüglich der Erstattungen von Sozialleistungsträgern blieben unter dem Strich Gesamtausgaben von rund einer Milliarde Euro, dies waren rund 11,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch dies war der niedrigste Stand seit Einführung der Statistik.
Im Ländervergleich gingen die Empfängerzahlen prozentual am stärksten in Hessen zurück: Hier wurde ein Minus von 32,7 Prozent gegenüber 2006 verzeichnet. Dann folgen Bayern (minus 25,4 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (minus 24,9 Prozent). Allerdings lagen für Schleswig-Holstein noch keine Daten für 2007 vor. (nz/dpa/AP)