Amtstreue in der Heimat:
Beck bleibt Chef - in Mainz
08.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Raabs Worten musste die Partei Beck nicht zwingen, in Rheinland-Pfalz weiterzumachen. Die SPD im Land stehe geschlossen hinter ihm. Ähnliche Signale hatte es schon zuvor gegeben: «An der Basis habe ich sehr oft den Wunsch gehört, dass Beck dem Land und der Landespartei nun wieder voll zur Verfügung stehen möge», sagte der Landesgruppensprecher der rheinland-pfälzischen SPD- Bundestagsabgeordneten, Gustav Herzog.
Spannend wird es in Rheinland-Pfalz auch am kommenden Samstag: Dann stellt sich Beck beim seit langem geplanten Landesparteitag in Mainz der Wiederwahl als SPD-Landesvorsitzender. 97,8 Prozent der Stimmen bekam er 2006 in Koblenz, ein Traumergebnis, das schwer zu toppen ist. Aber egal, ob nun ein paar Zehntel mehr oder weniger, heißt es in der rheinland-pfälzischen SPD, eine gute Zustimmung werde es sicherlich geben. Das werde sich auch in den Redebeiträgen und der Gesamtstimmung zeigen.
Ähnlich äußern sich selbst Mitglieder der CDU-Opposition im Land: Beck werde wohl «mit einem starken Ergebnis» wiedergewählt, sagt etwa der Trierer CDU-Bezirksvorsitzende Michael Billen.
Vor allem Innenstaatssekretär Roger Lewentz, Bildungsministerin Doris Ahnen, Wirtschaftsminister Hendrik Hering und SPD-Fraktionschef Jochen Hartloff sind schon seit langem im Gespräch. Allgemein erwartet wird in Parteikreisen, dass Beck dafür sorgt, dass dieser Personalwechsel dann nicht so chaotisch über die Bühne geht wie sein eigener jäher Sturz als Bundesvorsitzender.
Ironie der Geschichte: In der Industriellenvilla, in der die rheinland-pfälzischen SPD-Spitze am Montag zur Krisensitzung zusammengekommen ist, hatte es schon im Herbst 2007 ein SPD-Geheimtreffen gegeben. Damals setzte sich Beck gegen den damaligen Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) im Streit um Veränderungen an der Arbeitsmarktreform «Agenda 2010» durch. Ein knappes Jahr später dreht sich die Konstellation: Beck ist weg von der Bundesbühne - und Müntefering soll sein Nachfolger als Parteichef werden. (Jens Albes, dpa)

