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Wahlforscher und Politologen: 

Fifty-Fifty-Chance für neue SPD

08. Sep 2008 09:55
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Nach dem Führungswechsel in der SPD bewerten Experten die Partei-Chancen bei der Bundestagswahl unterschiedlich. Nur in einem stimmen sie überein: Alles hängt vom neuen Chef Müntefering ab.

Wahlforscher beurteilen die Chancen der neu geführten Sozialdemokraten anders als Politikwissenschaftler. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte laut «Bild»-Zeitung, trotz hoher persönlicher Sympathiewerte für den künftigen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und den designierten Parteichef Franz Müntefering bleibe die Ausgangslage gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schlecht. Schöppner sagte, Müntefering sei «den Linken als Vertreter der alten Hartz-Linie verhasst».

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dagegen, mit dem «alten Parteisoldaten Müntefering» künftig an der SPD-Spitze und Steinmeier als Kanzlerkandidaten habe sich die Ausgangslage der Sozialdemokraten für die Wahl 2009 «deutlich verbessert». Becks Rücktritt werde «von den Menschen mit Aufatmen wahrgenommen». Entscheidend wird Güllner zufolge sein, «ob die Flügelkämpfe in der SPD aufhören, ob es Müntefering gelingt, die Linken stillzuhalten».

«Steinmeier ist kein Wahlkämpfer wie Merkel»

Der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter gibt dem Tandem Steinmeier/Müntefering «sogar eine sehr gute Chance» gegen Merkel. Kanzlerkandidat Steinmeier werde mit seiner hohen persönlichen Beliebtheit auch die SPD in den Umfragen «schnell nach oben ziehen». Das könne «eine Eigendynamik entwickeln, bei der sich die Werte von SPD und Union wieder annähern», sagte Falter dem Blatt zufolge. Müntefering müsse aber dafür sorgen, dass das Wahlprogramm auf Steinmeier zugeschnitten werde.

Der Bonner Politologe Gerd Langguth sieht die Wahlchancen des SPD-Kandidaten eher skeptisch. «Steinmeier ist kein Wahlkämpfer wie Merkel. Er ist eher ein Mann des Apparats, wird von den Menschen als Beamtentyp wahrgenommen», zitierte das Blatt den Wissenschaftler.

Es bleibe zudem abzuwarten, ob Müntefering den Brückenschlag zu den SPD-Linken schaffe. «Eigentlich müsste er als Parteichef sogar wieder zurücktreten, sollte (Andrea) Ypsilanti in Hessen mit Hilfe der Linkspartei doch noch Ministerpräsidentin werden», sagte Langguth weiter.

Völlig überraschender Rücktritt

Parteichef Kurt Beck war am Sonntag bei einer Klausurtagung in Werder völlig überraschend zurückgetreten, nachdem die Kanzlerkandidatur von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vorzeitig bekannt geworden war. Nachfolger soll sein Vorvorgänger Franz Müntefering werden.

In einer persönlichen Erklärung hatte Beck seinen Rücktritt mit «gezielten Falschinformationen» aus der Partei über die geplante Nominierung Steinmeiers zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 begründet. Er unterstrich, dass er selbst Steinmeier vor zwei Wochen gebeten habe, die Kandidatur zu übernehmen. Die personelle Rochade verursachte ein geteiltes Echo innerhalb und außerhalb der Partei. (AP)

 
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