05. Sep 2008 13:22
Der Berliner Grüne Volker Ratzmann wird Vater und zieht deshalb seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurück. Offenbar bietet selbst die Partei der revolutionären Familienkonzepte kein humanes Umfeld für doppelbelastete Väter, vermutet
Viele hätten ihn zum Kind beglückwünscht und den Rückzug bedauert, berichtete Ratzmann, Renate Künast nannte den Entschluss «respektabel», was sie als Förderin von Ratzmanns Kandidatur gegen Özdemir wohl tun muss. Eigentlich ist soweit alles im grünen Sinne vorbildlich: Der Mann Ratzmann setzt Familie vor Beruf und überlässt der Lebensgefährtin Kerstin Andreae den Vortritt bei der Karriere. Die hat schon ein Kind (8) und bleibt trotzdem grüne Bundestagsabgeordnete. Man kann es aber auch anders sehen: Offenbar bieten die Grünen, die schon revolutionäre Familienkonzepte propagierten, als Ursula von der Leyen noch Studentin war, kein humanes Umfeld für doppelbelastete Väter. Die Kinder fressen die familiäre Revolution.
Vor Ratzmann hatte auch der schleswig-holsteinische Grünen-Chef Robert Habeck unter Hinweis auf seine Vaterrolle (vier Kinder) auf eine Vorstandskandidatur verzichtet. Sensibler Vater zu sein, passe nicht mit einer «immer größeren Brutalisierung der Arbeitswelt» und dem Primat von Effizienz und Flexibilität zusammen. Das gilt, die Beispiele zeigen es, auch für das Arbeiten bei den Grünen.
Übernommen aus der Berliner Zeitung