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Ratzmanns Rückzug: 

Die Kinder fressen die Revolution

05. Sep 2008 13:22
Sorry, ich kann nicht: Volker Ratzmann
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Der Berliner Grüne Volker Ratzmann wird Vater und zieht deshalb seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurück. Offenbar bietet selbst die Partei der revolutionären Familienkonzepte kein humanes Umfeld für doppelbelastete Väter, vermutet Thomas Rogalla.

Amerika ist eindeutig größer als Deutschland und fünf Kinder machen eindeutig mehr Arbeit als eins. Dennoch bewirbt sich die Republikanerin Sarah Palin, Mutter von fünf Kindern, gerade um die Vizepräsidentschaft der USA. Familienministerin kann frau in Deutschland bekanntlich sogar mit sieben Kindern sein.

Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, gab am Donnerstag bekannt, dass er im Frühjahr Vater seines ersten Kindes werde. Deshalb ziehe er seine Kandidatur für den Bundesvorstand der Grünen zurück. Man müsse unter anderem zu viel reisen, dann bleibe keine Zeit fürs Kind, sagte Ratzmann und empfahl den Grünen, nunmehr seinen Konkurrenten Cem Özdemir zu unterstützen. Er sehe nicht, wie das Spitzenamt mit der Kindererziehung in Einklang zu bringen sei, sagte Ratzmann, der Fraktionschef im Abgeordnetenhaus bleiben will. Das ist fußläufig erreichbar, die terminlichen Anforderungen sind übersichtlich.

Vater mit Pflichten
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Viele hätten ihn zum Kind beglückwünscht und den Rückzug bedauert, berichtete Ratzmann, Renate Künast nannte den Entschluss «respektabel», was sie als Förderin von Ratzmanns Kandidatur gegen Özdemir wohl tun muss.

Eigentlich ist soweit alles im grünen Sinne vorbildlich: Der Mann Ratzmann setzt Familie vor Beruf und überlässt der Lebensgefährtin Kerstin Andreae den Vortritt bei der Karriere. Die hat schon ein Kind (8) und bleibt trotzdem grüne Bundestagsabgeordnete. Man kann es aber auch anders sehen: Offenbar bieten die Grünen, die schon revolutionäre Familienkonzepte propagierten, als Ursula von der Leyen noch Studentin war, kein humanes Umfeld für doppelbelastete Väter. Die Kinder fressen die familiäre Revolution.

Vor Ratzmann hatte auch der schleswig-holsteinische Grünen-Chef Robert Habeck unter Hinweis auf seine Vaterrolle (vier Kinder) auf eine Vorstandskandidatur verzichtet. Sensibler Vater zu sein, passe nicht mit einer «immer größeren Brutalisierung der Arbeitswelt» und dem Primat von Effizienz und Flexibilität zusammen. Das gilt, die Beispiele zeigen es, auch für das Arbeiten bei den Grünen.

Übernommen aus der Berliner Zeitung

 
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