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Atommüll-Lagerung: 

Bürger in Asse fühlen sich belogen

05. Sep 2008 10:20
Protest: Wiegel an ihrem Hof in Asse
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Als das Bergwerk 1967 Forschungsbergwerk für die Atommüll-Endlagerung wurde, gab es im damaligen Zonenrandgebiet schon Protest. Die Mehrheit aber traute den Offiziellen. Das erwies sich als Fehler. Irmela Wrede ist enttäuscht.

Als Irmela Wrede 1995 einen alten Bauernhof in Mönchevalberg kaufte, war sie von dem Idyll begeistert. Die hügelige Landschaft, schmucke Fachwerkhäuser und schattige Wanderwege im Höhenzug Asse nahe Wolfenbüttel versprachen ein friedliches Leben. Doch so schön es über Tage ist, so gruselig ist es in der Asse unter Tage: In dem alten Salzbergwerk Asse lagern seit Jahrzehnten 125.000 Blechfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. «Ich wusste, dass da irgendetwas ist, aber das Atommülllager war kaum Thema», erinnert sich die 43-Jährige. Anfang 2007 wusste die Tischlermeisterin dann mehr. Sie reichte Klage gegen das Land Niedersachsen ein, um die Schließung des Schachtes zu erreichen.

Das Lager war jahrzehntelang politisch als Bergbauschacht behandelt worden, nicht als Atommülllager. Nun hat erneut die Politik entschieden, nicht die Richter: Die Asse gilt künftig nicht mehr als Forschungsbergwerk, sondern als Endlager für Atommüll - und fällt damit unter Atomrecht. Nach etlichen Pannen und Versäumnissen soll nun nicht mehr das Helmholtz-Zentrum München, sondern das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS/Salzgitter) die Zukunft des alten Bergwerkes in die Hand nehmen. Die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Asse, Regina Bollmeier (SPD), ist erleichtert. «Jetzt sind endlich die zuständig, die das Know How haben», kommentiert sie den Betreiberwechsel.

Als das Bergwerk 1967 Forschungsbergwerk für die Endlagerung wurde, hatte es im damaligen Zonenrandgebiet im Kreis Wolfenbüttel schon Protest und warnende Stimmen gegeben. Die Mehrzahl der Bürger vertraute jedoch auf die offziellen Angaben: «Wir dachten, wenn das Experiment vorbei ist, dann kommen die Fässer wieder raus», sagt Ralf Pätz. Der 57-Jährige betreibt mit seiner Frau seit 30 Jahren den Lebensmittelladen in dem 2000-Seelen-Dorf Remlingen. «Die Massen der Fässer waren uns auch nicht klar», ergänzt Jutta Pätz. Die Asse sei bei den Kunden Thema Nummer Eins. Viele hätten lange darauf vertraut, dass die Fachleute schon wissen, was sie tun - und dass niemand die Bevölkerung gefährden würde.

Kaufleute Jutta und Ralf Pätz
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Spätestens seit knapp zwei Jahren ist dieses Vertrauen bei vielen verschwunden. Damals hieß es, das alte Salzbergwerk würde nur noch einige Jahre Standfestigkeit bieten. Die beim Abbau des Salzes entstandenen Hohlräume, in denen die Fässer gelagert sind, könnten einbrechen. Deshalb wollte das Helmholtz-Institut die Schachtanlage möglichst schnell mit einem Spezialmaterial fluten.

Daraufhin wurde der Protest lauter: Irmela Wrede reichte ihre Klage ein, Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und Umweltverbände bildeten Beratungsgremien, Landes- und Bundespolitiker besuchten die Schachtanlage. Immer mehr Fragen tauchten auf - und die Antworten erschütterten viele. So kam heraus, dass seit 20 Jahren Wassereinbrüche bekannt sind, dass radioaktiv verseuchte Lauge ohne Genehmigung umgepumpt wurde und dass bereits einige Fässer undicht sind. Hinweise darauf hatte es immer wieder gegeben - nur so richtig ernst nahmen die Verantwortlichen die Probleme offenbar nicht.

Wie es nun genau weiter geht, ist offen. Das von den Gegnern befürchtete Motto «verbuddeln und vergessen» scheint nun jedoch nicht mehr möglich. «Wir hoffen jetzt vor allem auf mehr Offenheit», sagte Heike Wiegel. Die SPD-Kommunalpolitikerin hatte bereits vor fünf Jahren den Verein «Aufpassen» gegründet, dessen gelbes A längst zum Symbol für den Widerstand im südöstlichen Niedersachsen geworden ist. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat versprochen, dass bis zum Ende des Jahres ein neues Gutachten zur Standsicherheit sowie alternative Konzepte zur Schließung des Bergwerks vorliegen sollen. (Anita Pöhlig, dpa)

 
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