05. Sep 2008 09:52
Dass Atommüll Probleme macht, weiß Bundesumweltminister Gabriel seit seiner Kinderzeit. Nun muss er einen ganz besonders schweren Fall lösen: Das Lager Asse, das zum Milliarden-Grab zu werden scheint.
Dabei hatte sich Gabriel schon in jüngster Vergangenheit immer wieder in die Vorkommnisse um die Asse-Grube bei Wolfenbüttel eingeschaltet. Nicht nur, weil er dort als Kind immer die Geschehnisse um die Entsorgung von Atommüll «interessiert verfolgt» hatte, wie sich der heute 48-Jährige erinnert. Wolfenbüttel ist auch sein Wahlkreis - und dort hat er spätestens im nächsten Jahr vor der Bundestagswahl seine Schlachten zu schlagen.Die Gefahr durch Atomenergie ist Gabriels Thema im Umfeld von mindestens drei heimatlichen Standorten: neben der Asse, die im nächsten Jahrzehnt dichtmachen soll, der Schacht Konrad in Salzgitter sowie Gorleben.
Schacht Konrad soll - nachdem das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht gegeben hatte - zum geordneten Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle werden. Dabei geht es um Stoffe aus der Medizin und verschiedenen Industriebereichen. Aus dem Ruder zu laufen droht Gorleben als großes Streitthema der Koalitionspartner SPD und Union: Es steht als Synonym für die Suche nach alternativen Standorten zur Endlagerung des stark strahlenden Mülls aus ehemaligen - und heute noch 17 - Atommeilern. Doch die Union will davon nichts wissen. Sie setzt allein auf den Salzstock Gorleben, den Gabriel am liebsten ausschließen würde. Eine Lösung in dieser Wahlperiode ist hier nicht in Sicht.
Gleichwohl bleibt vorerst mit der Asse viel zu tun. Nach der Überleitung der Verantwortung müssen die nächsten Gutachten ausgewertet werden. Sie sollen über die Schließung des schon bröckelnden Bergwerks Auskunft geben sowie Konzeptions-Alternativen zur einfachen Flutung der Asse benennen. Dies will der bisherige Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München.Schwierig und teuer werden könnte es, wenn durchgerostete Fässer und die unhandliche Lauge aus der Asse entfernt werden müssen - noch bevor das Bergwerk zusammenkracht. SPD-Fraktionssprecher begrüßten jetzt die Übernahme des Managements durch Gabriel und König. Doch auch sie warnen bereits eindringlich vor einem neuen «strahlenden» Milliarden-Grab. Für Asse hatte die Bundesregierung kürzlich bereits rund 850 Millionen Euro an bisherigen und künftigen Asse-Kosten an die Wand gemalt. (Wolfgang Bunse, dpa)