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Zynisches Plakat: 

Friedensbewegung bringt sich in Misskredit

04. Sep 2008 11:43, ergänzt 14:09
Das umstrittene Motiv
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Ein Plakat der Antikriegsbewegung sorgt für Aufregung. Der Tod deutscher Soldaten als Beitrag zur Abrüstung – das ist vielen zuviel. Die Friedensbewegung hat ein Problem.

Auf einer Webseite kann man das Motiv herunterladen, drei Bundeswehrsoldaten tragen einen Sarg, darauf die deutsche Flagge. «Schritt zur Abrüstung» steht in schwarz-weißen Lettern geschrieben, «Wieder einer weniger» heißt es klein darunter, und: «Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren. Die Bundeswehr, die sich im Sinne der Antimilitaristen selbst reduziert?

Erst vor Tagen starb der deutsche Soldat Micha M. im Auslandseinsatz in Afghanistan, immerhin eine von der Uno legitimierte Mission, um das Land von den Taliban zu befreien und zu demokratisieren. Entsprechend heftig sind die Reaktionen auf das Plakatmotiv. «Geschmacklos», schäumte Verteidigungsminister Franz Josef Jung angesichts des Motivs, «menschenverachtend», ergänzte der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Reinhold Robbe. «Nicht akzeptabel», befand selbst Hessens Linkspartei, deren Ex-Vorsitzender Willi van Oyen jahrelang die Geschäfte der Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsgegnerinnen (dfg-vk) in Hessen führte, was allerdings mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt.

Doch das zynische Produkt wird auf der gemeinsamen Webseite des berlin-brandenburgischen Landesverbandes der deutschen Friedensgesellschaft und des Büros für antimilitaristische Maßnahmen (Bamm) angeboten. Und das seit Jahren, wie der Bundessprecher der Friedensgesellschaft, Monty Schädel, betont. Die Landesverbände dürften autonom handeln, auf den Diskurs lege man hohen Wert, erläutert er. Innerhalb der dfg-vk kritisiere eine große Mehrheit die mit dem Plakat betriebene Form der Auseinandersetzung. Eine Minderheit halte diese «drastische Form» jedoch für richtig.

Doch angesichts der öffentlichen Kritik wird das Plakat für die Vereinigung zum Problem. Unabhängig von ihrer Grundhaltung, militärische Mittel zur Konfliktlösung abzulehnen, geht die Friedensgesellschaft auf Distanz: Er halte «das satirische Plakat für eine unangemessene Form der Auseinandersetzung mit der Problematik deutscher Kriegsbeteiligung», beeilt sich Schädel zu erklären. «Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich.» Genugtuung über den Tod eines Menschen sei mit dem Weltbild der Mitglieder unvereinbar. Für Peter Strutynski vom Bundesausschuss Friedensratschlag wurde der Friedensbewegung «ein Bärendienst erwiesen», da sie nun Angriffen, Verdächtigungen und Verleumdungen ausgesetzt sei, die sie nicht verdient habe.

Mit ihrer Kritik insbesondere am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr weiß die Friedensgesellschaft das Volk jedoch hinter sich: In Umfragen sprach sich die Mehrheit gegen die Bundeswehrbeteiligung aus. Die zivilen Opfer lassen die Skepsis weiter wachsen – vor Tagen starben durch deutsche Kugeln eine afghanische Frau und zwei Kinder. Das lenkt auch die politische Diskussion: Der Bundeswehrverband forderte, den Tod der deutschen Soldaten sprachlich weniger stark zu bemänteln. Bei der Beisetzung von Micha M. hieß es in der Trauerfeier, er sei »ums Leben gekommen«. Der Verband hält dagegen für angemessen, wie im konventionellen Krieg von »gefallen« zu reden. M. war jedoch nicht durch Kugeln oder Bomben gestorben, sondern nachdem sein Fahrzeug auf einen Sprengsatz gefahren war – durch einen Anschlag also.

Das Verteidigungsministerium bremst: «Wir sollten hier keine Rhetorikschlacht beginnen», sagte Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt dem Tagesspiegel. Man solle nicht im Kampf gegen Terroristen nicht von »Kreuzzügen« sprechen und nicht von Krieg, wenn es um Fälle von Anwendung bewaffneter Gewalt gehe. Mit solchen Begriffen dürfe man nicht leichtsinnig umgehen. «Wir sollten mit Pathos in unserem Lande sehr zurückhaltend umgehen.» (nz)


 
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