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Presseschau zu Asse: 

«Nichts ist sicher verwahrt, nirgendwo»

04. Sep 2008 10:49, ergänzt 10:56
Haben jetzt noch mehr Grund zu demonstrieren: Atomkraftgegner
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Angesichts des handfesten Umweltskandals bleibt das Rauschen im Blätterwald verhalten. Stattdessen analysieren Kommentatoren den Fall Asse als Politikum – und möchten dabei die Endlagerproblematik am liebsten von der Atomausstiegsfrage trennen.

«Süddeutsche Zeitung»: Unwiderruflicher Vertrauensschaden

Der Vertrauensschaden ist da. Er lässt sich nicht dadurch wegdiskutieren, dass die Asse nicht für das hochbrisante Material bestimmt war, für die ausgedienten Brennelemente der Atomkraftwerke. Die Bevölkerung in einem Staat, der sich etwas auf die höchsten Sicherheitsstandards einbildet, hat gewisse Erwartungen.

Sie erwartet nicht, dass sich eine Forschungseinrichtung mühsam und mit der Befragung früherer Mitarbeiter Kenntnis darüber verschaffen muss, welches Inventar wann eingelagert wurde. Sie rechnet damit, dass die Behörden von Land und Bund jederzeit genauestens informiert sind, wenn radioaktive Flüssigkeit an Ort und Stelle oder anderswo entsorgt wird. Und sie kann nur schwer verstehen, dass mehr als 100.000 Fässer mit radioaktivem Müll in unterirdischen Kammern verrotten können, ohne dass dafür ein atomrechtliches Verfahren nötig ist.

«Thüringische Landeszeitung»: 40 Jahre Vertuschen

Auf politischer Ebene wird nicht nur über die Renaissance der Atomkraft nachgedacht; unter dem vermeintlich erfreulichen Preisaspekt betrachtet, findet sie auch immer mehr Anhänger. Die Entsorgung des atomaren Mülls wird dabei vollkommen in die Zukunft verschoben. Und um welchen Preis! Die Nutzung der Kernkraft ist eben nur eine Seite der Medaille.

Die andere heißt Entsorgung. Schmerzhaft reifte die Erkenntnis, dass 40 Jahre Basteln am Atommüll-Lager Asse auch 40 Jahre Vertuschen und Leben mit Halbwahrheiten bedeuten. Nichts ist sicher verwahrt, nirgendwo – in der Asse so wenig wie im Salzstock Gorleben. Die Million Jahre, die die strahlende Fracht versenkt sein sollte, haben sich auf vier Jahrzehnte verkürzt. Mehr muss zu sicheren Endlagern nicht gesagt werden.

«Hannoversche Allgemeine Zeitung»: Zu leichtfertig auf Standort festlegt

Umweltminister Gabriel, der Zweifel an der Eignung Gorlebens hat, will auf Nummer sicher gehen und Alternativen zu Gorleben untersuchen lassen. Dafür hat er jetzt noch stärkere Argumente. Für die Union wird es schwer, die alternative Standortsuche noch länger zu blockieren. Was passieren kann, wenn die Politik sich allzu leichtfertig auf einen Atomendlagerstandort festlegt, ist in der Asse eindrucksvoll zu besichtigen.

«Kölnische Rundschau»: Keine Zeit für parteipolitische Spielchen

Ob der Skandal in Asse ein Schlaglicht auf das geplante Endlager Gorleben wirft, sei dahingestellt. Er erinnert aber mit Nachdruck an eine offene Frage: Wo lagern wir eigentlich die hochradioaktiven Abfälle aus deutschen Atomanlagen ein? Zeit für parteipolitische Spielchen gibt es nicht. Aber genau diese Spielchen verhindern seit Jahren eine Lösung.

Der mögliche Ausstieg aus dem Atomausstieg angesichts der Energiekrise mag ein Wahlkampfthema sein. Die Endlagerfrage darf keins sein. Wer die Sorgen der Bewohner rund um Gorleben angesichts der Vorfälle in Asse nicht ernst nimmt, handelt sich ganz schnell wieder große Demos, Blockaden und zersägte Gleise ein. Und dann fällt das Thema beiden großen Parteien auf die Füße. (nz/dpa)

 
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