Müntefering verteidigt Agenda-Politik:
«Wir müssen diesen Weg weitergehen»
03.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ohne Namen zu nennen, ohne den linken SPD-Flügel anzugreifen, beschwört der Sauerländer seine Partei, Distanz zur Linken zu halten und sich für die Reformen der Schröder-Ära nicht zu schämen. Münteferings Kernbotschaft: «Wir dürfen uns nicht genieren dafür, dass wir gute Sachen gemacht haben und Deutschland aus dem Schlaf der 90er Jahre gerissen haben.»
Doch auf seine eigene Rolle geht Müntefering mit keinem Wort ein, ebensowenig auf Beck. Aber er verteidigt mit Leidenschaft die Reform-«Agenda 2010». Zwei Millionen Menschen seien in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Lohn und Brot gekommen, erinnert Müntefering seine Zuhörer.
«Wer so tut, als ob er das beiseite schieben könnte, irrt sich sehr.» Er nennt die Linkspartei «linke Konservative», die das Paradies auf Erden versprechen. «Die irren sich auch.» Müntefering pocht auf Sparkurs und soliden Haushalt, stellt sich hinter Finanzminister Peer Steinbrück (SPD): «Wir müssen diesen Weg weitergehen.»
Müntefering streift die CSU nur in wenigen Sätzen, beinahe verächtlich. Ministerpräsident Günther Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber seien «Waschlappen». «Bayern kann vor allem keine Angsthasen brauchen, die ihre weichen Stühle behalten wollen und ansonsten über das Land hoppeln und versuchen, sich ein paar Freunde zu machen.»
Doch auch die Passagen, in denen es um die CSU geht, sind doppeldeutig: Man dürfe nicht bei jedem Gegenwind sein Fähnlein nach dem Winde hängen, mahnt Müntefering. «Wir brauchen Männer und Frauen, die führen und die deutlich machen, wohin die Reise eigentlich geht.» Auf welche Partei sich das bezieht, bleibt offen. (Carsten Hoefer, dpa)

