Förderung statt Rechtsanspruch:
Große Koalition will weniger Schulabbrecher
03.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Kabinett hatte sich zuvor mit dem jüngsten Bildungsbericht von Bund und Ländern befasst, wonach fast 80.000 junge Menschen pro Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen. Dies sind knapp acht Prozent eines Altersjahrganges. Wer keinen Schulabschluss hat, ist besonders häufig von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Der Sprecher von Scholz sagte: «Es ist gut, dass es diese Einigung gibt und wichtig für die vielen Langzeitarbeitslosen, denen damit eine zweite Chance ermöglicht werden kann.»
Die SPD bekräftigte ihre Forderung nach Abschaffung der Hauptschulen. Angesichts sinkender Akzeptanz bei den Eltern und gestiegener Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt habe die Hauptschule als eigenständige Schulform keine Zukunft mehr.
Sie müsse in größere Schulverbünde integriert werden, um den Schülern durch individuelle Förderung und Ganztagsangebote mehr Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zur Fachhochschulreife zu bieten, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) in Berlin. Ahnen ist Sprecherin der SPD-geführten Bundesländer in Bildungssachen.
Die CSU wies die SPD-Forderung als «realitätsfern» zurück. Die Berufschancen von Hauptschülern seien in Bayern viel besser als im Bundesgebiet, sagte der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) in München. Nur ein Viertel der Hauptschulabgänger müsse in Bayern nachträgliche Qualifizierungskurse besuchen. Bundesweit sind dies nahezu 60 Prozent.
Bundesweit besuchen heute nur noch 18,9 Prozent der Fünftklässler eine Hauptschule. Laut Bildungsbericht muss der überwiegende Teil der Hauptschüler - gleich ob mit oder ohne Abschluss - nach Ende seiner Pflichtschulzeit zunächst eine «Odyssee» verschiedener Nachqualifizierungs- und Überbrückungsmaßnahmen durchlaufen, deren «Effektivität und Effizienz» die Bildungsforscher angesichts hoher Kosten für die Bundesagentur für Arbeit wie für den Bund erheblich anzweifeln. Auch 30 Monate nach Schulende konnten immer noch 40 Prozent der Hauptschüler nicht in eine qualifizierte Berufsausbildung vermittelt werden, heißt es in dem Bericht. (dpa)

