Streit um Fehmarnbelt: 

netzeitung.deNaturschützer wollen gegen Brücke klagen

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So könnte die Brücke aussehen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe So könnte die Brücke aussehen
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Die von Deutschland und Dänemark geplante Fehmarnbelt-Querung ist eines der größten Brückenbau-Projekte Europas. Nun wurde der Staatsvertrag über das Bauvorhaben unterzeichnet - und schon droht die erste Klage.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat am Mittwoch in Kopenhagen den Vertrag zum Bau einer 19 Kilometer langen Brücke über die Ostsee nach Dänemark unterschrieben. Für die dänische Seite unterzeichnete Transportministerin Carina Christensen. Die Verbindung über den Fehmarnbelt zwischen den Fährhäfen Puttgarden in Schleswig-Holstein und dem dänischen Rødby soll ab 2012 gebaut und 2018 eingeweiht werden.

Doch der Plan stößt auf massive Kritik: «Die feste Querung ist, wie eine Studie belegt, unnötig», sagte der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, der «Berliner Zeitung». Er sprach sich gegen Subventionen für das Vorhaben aus.

Wichtig sei vielmehr ein fairer Wettbewerb zwischen Brücke und umweltgerechtem Fährverkehr. «Der Bau darf nicht zulasten anderer wichtiger Verkehrsprojekte gehen», warnte der SPD-Politiker. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Otto Ebnet lehnt die Brücke ab. «Wir wollen sie nicht, und wir brauchen sie auch nicht», sagte er.

Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet
Die im Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung zusammengeschlossenen Brückengegner rechnen mit Einbußen auf der Ferieninsel Fehmarn und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Befürchtet werden auch nachteilige Auswirkungen auf die Zugvogelschwärme, die den Fehmarnbelt als kürzeste Strecke für die Ostseeüberquerung nutzen, sowie auf ein Schutzgebiet für Schweinswale. Auch die Sicherheit des Seeverkehrs sei durch die Brücke gefährdet, da die Fahrrinne in der stark befahrenen Ostsee durch die Brückenpfeiler extrem verengt werde.

Umweltschützer wollen das Projekt vor allem wegen der Belastung für Wasservögel per Klage verhindern. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisierte das Vorhaben als ökologisch und ökonomisch waghalsig. Der Nabu werde alle juristischen Mittel ausschöpfen, um das unsinnige Projekt zu verhindern, kündigte Bundesgeschäftsführer Leif Miller an. Das gigantische Bauwerk werde dem sensiblen Meeresgebiet den Rest geben.

«Irrsinns-Projekt»
Miller wies darauf hin, dass Bundestag und Bundesrat dem Vertrag in etwa einem Jahr noch zustimmen müssen, und appellierte an die Volksvertreter, dem Vorhaben nicht das Plazet zu geben. Das «Irrsinns-Projekt» sei aus Gründen des Natur- und Artenschutzes riskant, sagte Miller dem «Tagesspiegel». Auch ökonomisch sei es überflüssig, da angesichts der steigenden Energiepreise das Verkehrsaufkommen sinken werde. Zudem werde der Bau statt der veranschlagten 5,6 Milliarden bis zu neun Milliarden Euro kosten.

Seit Jahrzehnten werden vor allem in Dänemark Pläne für einen Brücken- oder Tunnelbau für den Auto und Bahnverkehr diskutiert. Die jetzt geplante Brücke soll die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen von viereinhalb auf dreieinhalb Stunden verkürzen.

Finanzierung durch Mauteinnahmen
Dänemark will staatliche Garantien über 4,8 Milliarden Euro bereitstellen und damit den Löwenanteil der Baukosten tragen. Sie sollen durch spätere Mauteinnahmen finanziert werden. Die Bundesregierung verpflichtet sich, den Ausbau der Schienen- und Straßenverbindungen zur Brücke auf deutscher Seite zu finanzieren.

Der Fehmarnbelt ist eine Meerenge zwischen der Ostseeinsel Fehmarn in Schleswig-Holstein und der dänischen Insel Lolland. Seit 1963 bildet eine Fährlinie zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland die kürzeste Verbindung zwischen Skandinavien und Deutschland. Die Strecke ist Teil der Vogelfluglinie, einer internationalen Straßen- und Eisenbahnverbindung. (nz/dpa/AP)